Filmfestspiele in Venedig: Große Namen außer Konkurrenz
VON RUPERT KOPPOLD - zuletzt aktualisiert: 03.09.2007Venedig (RP). „Ist das Leben nicht großartig!?“ fragt Ian seinen Bruder Terry, nachdem die beiden sich ein Segelboot gekauft haben und übers Wasser rauschen. Der Film heißt „Cassandra's Dream“, und die Frage entpuppt sich als Zitat aus „Bonnie & Clyde“. Nein, mit dem großartigen Leben wird es also nichts werden in Woody Allens außer Konkurrenz laufendem Film, in dem die beiden Brüder aus London auf dem Weg nach oben eine radikale Abkürzung ausprobieren.
Mit dem Geld, das ihnen der reiche Onkel (Tom Wilkinson) zur Verfügung stellen soll, will der Automechaniker Terry (Colin Farrell) seine Spielschulden begleichen und ein Sportgeschäft eröffnen, und der ambitionierte Ian (Ewan McGregor) endlich jener weltweit operierende Finanzmensch werden, den er einem karrieresüchtigen Bühnensternchen (Hayley Atwell) schon lange vorspielt. Aber der Onkel verlangt eine Gegenleistung: Sie sollen einen seiner Angestellten ermorden, der über die dunklen Geschäfte des Chefs aussagen will.
Spätestens hier stellt sich ein Déjà-vu-Gefühl ein, wirkt die Geschichte wie eine Variante von Allens „Match Point“ – und auch ein wenig wie ein Nachklapp. Anders als in diesem Meisterwerk lässt der Regisseur in „Cassandra‘s Dream“ aber immer wieder eine schwarze Komödie durchscheinen. Wenn der Film dann wieder bitterernst machen will, ist das ein schwieriges Unterfangen, dem man die Mühe ansieht. Doch, Allen macht Punkte – von „Match Point“ ist er diesmal aber ziemlich weit entfernt.
So richtig ernst nehmen will Claude Chabrol in seinem ebenfalls außer Konkurrenz gezeigten Film „La fille coupée en deux“ sowieso nichts mehr. Dass die französische Gesellschaft verdorben ist, das weiß er längst. Wenn er diesen Befund in seiner Geschichte um ein junges Mädchen (Ludivine Sagnier), das einen berühmten Schriftsteller liebt (Francois Berléand) und einen schnöseligen Unternehmersohn (Benoit Magimel) heiratet, trotzdem noch mal vorführt, dann nicht mehr empört und sarkastisch, sondern zurückgelehnt und spöttisch. Am Ende lässt er in seinem ganz unterhaltsamen, aber keineswegs brillanten Film, in dem wieder viel gegessen, getrunken und parliert wird, die Frage offen, wer nun pervertierter ist: die intellektuelle Elite oder die reiche Bourgeoisie.
Außer Konkurrenz auch Takeshi Kitano, der in seiner Groteske „Kantoku Banzai!“ sein Holzpuppen-Alter-ego medizinisch durchleuchtet und sich selber eine Schaffenskrise bescheinigt. Er führt vor, was er angefangen und abgebrochen hat. Das wird vom Samurai- über den Gangster- und Horrorfilm bis hin zum Melodram im Stil des Altmeisters Ozu eine zu lange, zu laute und bald leerlaufende Rüpelei durch die japanische Filmgeschichte.
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