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panorama Sofia Coppola venedig 2010 AP
  Foto: AP, AP
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Filmfestspiele in Venedig: Großer Spaß mit Sofia Coppola

VON PETER BEDDIES - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010 - 15:27

Venedig (RP). Bei den Filmfestspielen in Venedig sind die ersten Wettbewerbsfilme gelaufen – es zeichnet sich ein starker Jahrgang ab. Es gab neue Filme von Sofia Coppola ("Somewhere") und Martin Scorsese, der in "A Letter to Elia" dem großen Regisseur Elia Kazan huldigt.

Fast wie im Film. Am Freitagmittag Schlag 12 Uhr (in der Filmsprache "High Noon") öffneten sich die Schleusen über Venedig. Und es regnete nicht nur. Es goss und gewitterte und stürmte ohne Unterlass. Strandhütten wurden weggeweht. Die Straßen standen unmittelbar unter Wasser. Im Pressezentrum fielen sämtliche Computer aus. Die Stars in den schicken Zelten auf der Terrasse vom "Excelsior"-Hotel flüchteten panikartig ins Innere. Gewiss, an solche Unwetter haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Nach einer Stunde war der Spuk auch wieder vorbei.

Aber in Italien und gerade bei einem Filmfestival in Italien fragt man sich: "War das ein Zeichen, das Venedig beinahe unterging?" Wenn ja, dann kann es als Zeichen für Sofia Coppola gedeutet werden. Denn zeitgleich fand die Presse-Vorführung ihres Wettbewerbsfilms "Somewhere" statt. Im Anschluss waren sich die Kritiker einig: Nach ihrem missglückten Ausflug in die Historie mit "Marie Antoinette" ist der Amerikanerin wieder ein Volltreffer gelungen. Sie erzählt in ihrer Tragikomödie von einem Hollywood-Star auf dem absteigenden Ast – Stephen Dorff glänzt in der Rolle.

Eine einzige Langeweile

Gezeigt wird (s)ein Leben, das alltäglicher nicht sein könnte. "Mir kam die Idee zu diesem Film", erzählte Sofia Coppola im Anschluss auf der Pressekonferenz, "als ich bemerkte, dass Freunde von mir jede Woche irgendein Klatschblatt mit zu uns brachten. Welche absurden Geschichten da über Freunde und Kollegen, über deren angebliches Luxusleben da standen, darüber mussten wir immer wieder lachen."

So inszeniert Coppola denn auch des Leben des Johnny als eine einzige Langeweile. Er hat sich mitten in L.A. in ein legendäres Hotel zurückgezogen. Dort schaut er der Zeit zu, wie sie vergeht, bestellt sich hin und wieder Gogo-Tänzerinnen aufs Zimmer. Und wenn seine Zeit wieder mal dran ist, dann kümmert er sich auch um die pubertierende Tochter.

"Somewhere" ist ein großer Spaß. Und keine der absurden Situationen ist übertrieben. Auch nicht das Verhalten der Journalisten auf einer Pressekonferenz, die ihn mit dem Postmodernismus im Film konfrontieren. Filmjournalisten ticken so.

Wer einmal miterlebt hat, wie Julia Roberts auf so einer Veranstaltung gefragt wurde, ob sie heute Unterwäsche trägt und wenn ja, in welcher Farbe, der hält alles für möglich. Sehr gut möglich ist allerdings, dass die Jury-Mitglieder um Quentin Tarantino diesen sehr schönen Film übergehen werden. Aus dem einfachen Grund, dass man lieber etwas auszeichnet, das die Unterstützung eines Festivals braucht.

"Mehr Information wird es vorab nicht geben"

So wie vielleicht das sperrige polnische Drama "Essential Killing" mit Vincent Gallo in der Hauptrolle. Gallo, der mit seinem Regiedebüt "The Brown Bunny" vor ein paar Jahren in Cannes einen Skandal provozierte, weil er in dem Film nur jemanden zeigte, der Auto fuhr und sich am Ende in aller Ausführlichkeit oral befriedigen ließ, tritt in diesem Jahr in Venedig quasi gegen sich selbst an. Denn er hat auch noch einen Film mitgebracht, "Promises Written in Water", bei der auch Regie geführt hat.

Wie sich das für ein Enfant terrible gehört, hat er dem Festival mitteilen lassen, dass sie bitte in den Katalog zu schreiben hätten: "Dies ist ein Film von und mit Vincent Gallo. Mehr Information wird es vorab nicht geben". Man darf gespannt sein, ob Herr Gallo wieder einen Skandal oder dieses Mal gar einen guten Film dabei hat.

Außerhalb des Festivals bestimmt derzeit ein kleiner unscheinbarer Mann, der aber ein Filmriese ist, die Schlagzeilen in Venedig. Der Filmemacher Martin Scorsese, der jüngst erst mit "Shutter Island" für reichlich Grusel im Kino sorgte, stellt seinen in Schwarzweiß gedrehten Film "A Letter to Elia" vor. Eine Stunde lang huldigt der Meisterregisseur da seinem Förderer und Vorbild Elia Kazan. Völlig ohne Häme wird da gewürdigt. Wie eine sanfte Auszeit von diesen Wettbewerbsfilmen, bei denen sich herausstellt, dass Quentin Tarantino nicht übertrieben hat, als er zum Auftakt sagte: "So viele wilde Filme habe ich noch nie in einem Wettbewerb gesehen." Das dürfte ihm sehr gut gefallen. Und nicht nur ihm.


 
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