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Großes Drama vor eindrucksvoller Naturkulisse

Als Tom Sherbourne (Michael Fassbender) 1918 von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges nach Australien zurückkehrt, erscheint ihm der Posten als Leuchtturmwärter auf einer einsamen Insel genau richtig, um das Grauen der Westfront zu vergessen. Janus-Rock heißt das karge (und fiktive) Eiland, das auf der Grenze zwischen Indischem und Pazifischem Ozean liegt. Bevor Tom das Festland verlässt, trifft er Isabel (Alicia Vikander), die wenig später als seine Ehefrau mit auf den von Stürmen umtobten Außenposten kommt. Ein Haus, ein Leuchtturm, zwei Menschen, die sich lieben und um sie herum die wilde See. Aus diesem Setting entwickelt Derek Cianfrance ("Blue Velvet") nach dem Roman von M.L. Stedman ein großformatiges Melodrama, das er vor eindrucksvoller Naturkulisse äußerst effizient in Szene setzt. Nach zwei dramatischen Fehlgeburten scheint der Kinderwunsch des Paares in weite Ferne zu rücken, bis die Flut eines Tages ein Ruderboot an den Strand spült. Der Mann darin ist tot, aber das Baby neben ihm hat überlebt. Vier Jahre währt das unbeschwerte Glück, bis Tom bei einem Besuch auf dem Festland erfährt, dass die leibliche Mutter des Kindes (Rachel Weisz) noch lebt und über den Verlust nie hinweg gekommen ist. Es ist eine Tragödie von durchaus griechischer Wucht und Größe, die Cianfrance mit "The Light Between the Oceans" auf der Kinoleinwand orchestriert. Vor allem in der ersten Filmhälfte beweist er sich dabei als Meister des fokussierten Erzählens, der sich viel Zeit nimmt, die Figuren und die aufkommenden Konflikte präzise aufzustellen.

The Light Between the Oceans, Neuseeland/Großbritannien/USA 2016, Regie: Derek Cianfrance, mit Michael Fassbender, Alicia Vikander, Rachel Weisz, 132 Minuten

(schwi)
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