Filmfestspiele in Cannes: Hamburger Fatih Akin für bestes Drehbuch ausgezeichnet
zuletzt aktualisiert: 28.05.2007 - 11:10Cannes (RPO). Der Hamburger Regisseur Fatih Akin ist beim 60. Internationalen Filmfestival in Cannes mit dem Preis für das beste Drehbuch geehrt worden. Der 33-Jährige erhielt die Auszeichnung für seinen Film "Auf der anderen Seite". Die Goldene Palme für den besten Film ging an den Rumänen Cristian Mungiu für sein Drama "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage".
Der Siegerfilm erzählt die erschütternde Geschichte einer Frau, die im kommunistischen Rumänien eine illegale Abtreibung vornehmen lassen will. Am Vorabend hatte der Film bereits den Preis der internationalen Kritik erhalten.
Dabei triumphierten das osteuropäische und das asiatische Kino. Erstmals seit Jahren wurde aber mit Fatih Akins "Auf der anderen Seite" auch wieder ein deutscher Film ausgezeichnet. Zuletzt hatte Regisseur Wim Wenders 1984 mit "Paris Texas" die Goldene Palme bekommen.
Akin während der Gala im Palais de Festival ein Wort an die Türken: "Ich habe eine besondere Botschaft für die Türkei, weil es Wahlen gibt: Man muss geeint bleiben, sonst stürzen wir." Er hatte bereits den Preis der Ökumenischen Jury erhalten.
Die Filmstiftung NRW, die den Streifen Akins mit 330.000 Euro unterstützt hatte, zeigte sich hoch erfreut. "Dass diesmal wieder ein Preis an einen deutschen Film geht, ist ein besonderes Indiz. International ist der deutsche Film wirklich nicht mehr wegzudenken: Aus Deutschland kommen starke Filme mit Geschichten, die die Menschen weltweit bewegen", sagte der Geschäftsführer der Filmstiftung NRW, Michael Schmid-Ospach.
Deutsch-türkische Beziehungen im Fokus
"Auf der anderen Seite" erzählt die Geschichte von sechs Menschen, deren Leben auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden sind. Charlotte Staub (Patrycia Ziolkowska) ist eine verwöhnte Studentin und auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Zum Entsetzen ihrer Mutter Susanne (Hanna Schygulla) verliebt sie sich in die politische Aktivistin Ayten Öztürk (Nurgül Yesilcay), die sich illegal in Deutschland aufhält.
Nejat Aksu (Baki Davrak), Germanistik-Professor mit türkischen Wurzeln, hat mit der Welt seines Vaters Ali (Tuncel Kurtiz) nur noch wenig gemein. Sein Leben gerät durcheinander, als er Yeter (Nursel Köse) trifft, die Lebensgefährtin seines Vaters. Sie prostituiert sich in Deutschland, um ihrer Tochter in Istanbul ein Studium zu finanzieren.
Insgesamt hatten 22 Filme um die Goldene Palme konkurriert. Dazu gehörten Wong Kar-Wais "My Blueberry Nights", Quentin Tarantinos "Death Proof", Joel und Ethan Coens "No Country for Old Men", David Finchers "Zodiac", Kim Ki-duks "Breath", Emir Kusturicas "Promise Me This", Gus van Sants "Paranoid Park", Julian Schnabels "Le Scaphandre et le Papillon" und Alexander Sokurows "Alexandra".
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