Interview mit dem Zauberlehrling: Harry Potter küsst nicht gern
zuletzt aktualisiert: 16.07.2009 - 12:07Düsseldorf (RP). Daniel Radcliffe ist als Zauberschüler berühmt – und erwachsen geworden. Im neuen Film "Harry Potter und der Halbblut-Prinz" macht er Bekanntschaft mit der Liebe. Ein Gespräch über Nächte vor der Tür der Geliebten, Idole und das Ende der Zauberersaga.
Die Fans haben sehnsüchtig darauf gewartet: Endlich verliebt sich Harry Potter auf der Leinwand und darf seine Ginny sogar ausgiebig küssen. War das für Sie so aufregend wie für die Potter-Amhänger?
Radcliffe: Nein, ich fand es ziemlich gewöhnungsbedürftig, um ehrlich zu sein. Denn ich kenne Bonnie Wright, seit sie neun war, und sie war immer Rons kleine Schwester – daher war es schon etwas seltsam. Der Kuss an sich war nicht so dramatisch, das habe ich ja schon ein paar Mal gemacht. Ich stand ja auch schon nackt auf der Bühne.
Wann haben Sie sich denn das erste Mal richtig verliebt?
Radcliffe: Mit neun Jahren. Meine Auserwählte hieß Lucy und war die ältere Schwester eines Freundes. Ich schickte ihr zum Valentinstag eine Karte. Leider habe ich eine prägnante, um nicht zu sagen hässlich Handschrift. Darum wusste sie gleich, dass der Brief von mir war.
Hat Lucy Sie erhört?
Radcliffe: Nie. Und ich litt unermesslich. Meine Eltern lachen heute noch über die Geschichte, als sie mich eines Abends vor Lucys Haus fanden, wo ich auf den Stufen saß und "Tomorrow, tomorrow, the Sun will come out tomorrow" sang. Ich habe die Sache fürchterlich ernst genommen.
Haben Zauberlehrlinge dieselben Pubertätsprobleme wie andere Teenager?
Radcliffe: Ja, in Harry Potters Welt geht derzeit alles ziemlich hormongesteuert zu. Interessant finde ich aber, dass Harry, auch wenn er in Ginny verknallt ist, doch über der normalen Teenie-Lust steht. Er weiß einfach, dass da noch eine große Mission auf ihn wartet, dass sein Schicksal etwas Großes mit ihm vorhat. Daher ist er mehr auf diese Zukunft konzentriert als auf seine Gefühle. Aber Harrys Freund Ron verliebt sich ja auch. Als Rupert Grind seine Kussszene hatte, war ich natürlich am Set. Das wollte ich nicht verpassen! Ich fand es skurril, weil ich mir Rupert in dieser Situation nicht vorstellen konnte.
Gibt es inoffizielle Regeln für Filmküsse?
Radcliffe: So etwas erzählt einem keiner, und es ist zu peinlich zu fragen. Erst einmal ist es natürlich unerlässlich, jede Menge Pfefferminzkaugummis zu kauen. Und locker zu bleiben. Im Prinzip macht man am besten alles so wie sonst auch. Aber ohne Zunge. (lacht)
Hat der Ruhm es Ihnen leichter gemacht, junge Damen zu erobern ?
Radcliffe: Nein, der Ruhm hat auf dieses Thema weniger Einfluss als die Arbeit: Ich bin sehr beschäftigt und oft unterwegs. Das bedeutet, dass man sich vielleicht nicht so oft sehen kann, wie man möchte.
Sehen Mädchen eher Daniel oder eher Harry in Ihnen?
Radcliffe: Ich glaube, anfangs sehen sie Harry Potter. Aber dann merken sie, dass ich mehr bin.
Können Sie überhaupt in Clubs gehen, ohne eine Massenhysterie auszulösen?
Radcliffe: In Clubs gehe ich sowieso nicht. Ich hasse Clubs, schon wegen der Musik, die da läuft. Außerdem sind da Unmengen von Paparazzi. Die meisten Mädchen lerne ich durch die Arbeit kennen. Das hat den Vorteil, dass sie dann mehr Verständnis dafür haben, dass ich sehr beschäftigt bin. Wobei: Eigentlich lerne ich überall Mädchen kennen. Es gibt sie ja überall.
Wie sind Ihre Zukunftspläne: Wollen Sie mal studieren?
Radcliffe: Nein, auf keinen Fall. Zur Uni geht man, um zu erkunden, was man genau nach der Uni tun will. Ich weiß ja schon, was ich im Leben tun will: schauspielen und schreiben. Und Leute aus aller Welt lerne ich auch so kennen. Alles, was die Uni mir bieten kann, bekomme ich auch im Film-Business.
Welche Kollegen sind im Laufe der Zeit zu Freunden geworden?
Radcliffe: Gary Oldman. Das wird sich auch nicht ändern, er ist einfach mein größtes Idol. Wenn ich mal irgendwann als Schauspieler auch nur in die Nähe dessen komme, was er beherrscht, bin ich der glücklichste Mann der Welt. Ansonsten sind so viele unglaublich nette Leute im Team, es gibt niemanden, mit dem ich nicht in Kontakt bleiben möchte.
Denken Sie schon daran, wie Ihr letzter Harry-Potter-Drehtag sein wird?
Radcliffe: Ich werde gemischte Gefühle haben. Ich liebe diese Filme, ich habe hier alles gelernt, was ich über Schauspielerei weiß. Mein Selbstbewusstsein verdanke ich Harry Potter. Ich habe in den vergangenen Jahren fast täglich an diesen Filmen gearbeitet, meine Kollegen sind meine Familie geworden. Der Kostümbildner wurde mein bester Freund, die Maskenbildnerinnen sind Mutterfiguren – auch wenn meine Mutter stets meine Mutter sein wird. Aber wir werden nie mehr als Einheit zusammen sein, das ist schon herzzerbrechend. Andererseits freue ich mich darauf, demnächst zwischen neuen Projekten auswählen zu können.
Woran werden Sie sich besonders gern erinnern?
Radcliffe: Es wird unerträglich nostalgisch sein, wenn ich mir die Filme ansehe. Vielleicht ist es leichter, wenn ich selbst Kinder habe. Ich will unbedingt mal Vater werden. Das fände ich cool, alles mit ihnen anzuschauen und zu sagen: "Guckt mal, was Papa da macht!"
Das Gespräch führte Miriam Schaghaghi
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