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heike makatsch hilde ap panorama NUR MIT FILM
  Foto: BERLINALE, AP
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Filmkritik "Hilde": Heike Makatsch glänzt als Hilde Knef

VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 07.03.2009 - 10:07

Berlin (RP). Sie war eigensinnig, temperamentvoll, hat ihre Krisen in der Öffentlichkeit durchlebt: Hildegard Knef. Gespielt wird sie jetzt in einem Biografie-Film von der gebürtigen Düsseldorferin Heike Makatsch – ein Wagnis für die Ex-Viva-Moderatorin, das sich gelohnt hat. Makatsch überzeugt.

Die Wirkung eines Stars ist nicht wissenschaftlich erklärbar. Man kann sie nur fühlen, nicht beweisen. Hildegard Knef hat nie einen Bambi als beliebteste Schauspielerin des Jahres gewonnen: 1951 und 1952 – während sie als "Sünderin" für volle Häuser sorgte – bekam sie nicht nur deutlich weniger Stimmen als die Siegerin Maria Schell, sie lag sogar noch hinter Altstars wie Marika Rökk und Kristina Söderbaum.

Sie war international gefragt: filmte in Hollywood, London, Paris und Rom, sang vor ausverkauften Häusern und schrieb Bestseller; doch das taten andere auch. Warum gilt Hildegard Knef als die bedeutendste Künstlerin, die Deutschland nach dem Krieg hervorgebracht hat? Es liegt vielleicht daran, dass ihr Leben sehr dramatisch verlaufen ist und mehr noch daran, dass sie dieses Leben unermüdlich vermarktet und dramatisiert hat: in ihrer Autobiografie "Der geschenkte Gaul" (1970), in zahlreichen Talkshows. Sie war eine öffentliche Frau, die auf die Boulevardpresse schimpfte und von ihr lebte.

Die Öffentlichkeit bekam alles mit

Andere Frauen haben ganz unauffällig ein Kind bekommen, eine Ehekrise durchlebt und gegen den Krebs gekämpft. Hildegard Knef sorgte dafür, dass die Öffentlichkeit alles mitbekam. Trotz ihrer unbestreitbaren Intelligenz war sie unfähig zur Selbstanalyse, zur stillen Reflektion, zur Einsicht. Wenn ihr Leben unglücklich verlief, waren immer die anderen schuld.

Der Vorschlag, ihr Leben zu verfilmen, stammte von ihr selbst. Es fehlte nur die geeignete Hauptdarstellerin. Eine Frau mit einer starken Persönlichkeit, die der von Hildegard Knef ähnelt, musste erst heranwachsen. Und sie ist herangewachsen. Die ehemalige Viva-Moderatorin Heike Makatsch überzeugt als Hildegard Knef, ohne sich merkbar anzustrengen. Dabei hat sie hart an sich gearbeitet. Ein Jahr lang hat sie Gesangsunterricht genommen, um den Tonfall ihres Vorbilds zu treffen. Sie beherrscht den forschen Gang ebenso wie das herzliche Lachen und die rauchige Stimme. Das überrascht niemanden, der die Entwicklung dieser Künstlerin aufmerksam verfolgt hat. Überraschend sind vielmehr die Qualitäten, die Kai Wessels Film um sie herum noch zu bieten hat.

Oberflächlicher Film, starke Makatsch?

Nach der Uraufführung während der Berlinale sagten die Kritiker: starke Hauptdarstellerin, schwacher Film. Der Film sei oberflächlich, er ergründe das Wesen der Knef nicht, noch viel weniger könne er es erklären. Außerdem funktioniere er nach dem Prinzip der Nummernrevue. Dem kann man entgegenhalten, dass es auch den klügsten Biografen nicht gelungen ist, das Wesen der Knef zu ergründen – weil sie es selbst nicht ergründen wollte. Eine Frau, die so für die Öffentlichkeit lebt, hat irgendwann keine verborgenen Seiten mehr.

Und was den Vorwurf des Abhakens bekannter Lebensstationen angeht: "Hilde" ist ein Künstler-Biopic. Dieses Genre folgt seinen eigenen Regeln. Man muss sie akzeptieren oder den Kinobesuch ganz sein lassen. Biografische Filme sind Episodenfilme. Der Zuschauer weiß, dass Hildegard Knef bei Kriegsende zum UFA-Nachwuchs gehörte, dass sie sich als Mann verkleidet hat, um nicht von Soldaten der Roten Armee vergewaltigt zu werden, dass sie der erste DEFA-Star war, und dass sie ohne Beschäftigung in Hollywood herumgesessen hat. Gespannt ist der Zuschauer nur auf die Umsetzung.

Es gibt stärkere und schwächere Episoden, das ist Episodenfilme eigen. Den Kriegsszenen merkt man das begrenzte Budget an. Vorzüglich sind die Partner der Knef: Anian Zollner als sensibler NS-Karrierist Demandowsky, Trystan Pütter als naiver US-Soldat Kurt Hirsch, der Shakespeare-Darsteller Dan Stevens als David Cameron. Mit Hagen Bogdanski ("Das Leben der Anderen") stand ein Poet hinter der Kamera. Für die Düsseldorferin Heike Makatsch besteht ein doppelter Grund zur Freude: Sie ist die Knef und bleibt trotzdem die Makatsch.

Quelle: RP

 
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