Kinderfilmfest und Jugendfilmwettbewerb "14plus": Hexe als Ehrengast auf der Berlinale
zuletzt aktualisiert: 07.02.2005 - 13:09Berlin (rpo). Die Berlinale bietet keineswegs nur etwas für Erwachsene. Auch die Kleinen und die Jugendlichen kommen auf ihre Kosten - mit dem Kinderfilmfest und dem Jugendfilmwettbewerb. Auch hier kommen die Filme aus aller Welt.
Am stärksten knistert es im Zoo-Palast, wenn im prall besetzten großen Saal gut 1000 Kinder dem Eröffnungsfilm des Kinderfilmfestes entgegenfiebern. Am 11. Februar gibt dort Corinna Harfouch den Startschuss: Als Ehrengast wird die Schauspielerin, die spätestens seit ihren Hexen-Rollen in den erfolgreichen "Bibi Blocksberg"-Kinofilmen auch beim jungen Publikum ein beliebter Star ist, den iranischen Film "Hayat" einleiten.
Der iranische Regisseur Gholamreza Ramezani erzählt darin von einem Mädchen, das mit allen Mitteln darum kämpft, rechtzeitig für eine wichtige Prüfung in die Schule zu kommen, und dazu viele Hindernisse überwinden muss. "Das ist iranisches Gegenwartskino, das auf unterhaltsame Weise den allmählichen Wandel im tradierten Geschlechterbild zeigt", erläutert Thomas Hailer, der Leiter der Kinderfilmsektion der Berlinale.
Ramezani ist im Kinderfilmwettbewerb sogar mit einem zweiten Film vertreten, mit der Uraufführung von "Das Spiel". "So etwas gibt es nun wirklich nicht so oft", unterstreicht Hailer. Auch in "Das Spiel" plädiert der Regisseur eindringlich für gleichberechtigte Chancen auf Selbstverwirklichung: Mit unbeugsamem Willen überwindet die sechsjährige Soraya alle Grenzen, die sie von ihren ersehnten Spielkameraden trennen.
Die niederländische Produktion "Bluebird" von Mijke de Jong greift ein Thema auf, das auf deutschen Schulhöfen aktuell ist. Die 13-jährige Merel wird heftig gemobbt und weiß nicht, woran das liegt. Und obwohl ihre Eltern eigentlich alles richtig machen, merken sie davon nichts.
Besonders stolz ist Hailer darauf, dass "wir diesmal gleich drei Filme für sehr kleine Kinder auswählen konnten". So laufen im Wettbewerb der dänische Animationsfilm "Cirkeline und die Supermaus" von Altmeister Janne Hastrup über die skurrilen Abenteuer einer kleinen Maus, der bereits für vierjährige Zuschauer geeignet ist. Gerade für diese Zielgruppe der überwiegend Kino-Erstbesucher sei es erfahrungsgemäß schwierig, passende Filme zu finden.
Insgesamt laufen im Kinderfilmwettbewerb laut Hailer diesmal zehn lange und 20 kurze Filme, darunter zehn Uraufführungen. Ein deutscher Langfilm hat es nicht in die Konkurrenz geschafft, dafür aber zwei Kurzfilme. Als Uraufführung wird die Bilderbuchverfilmung "Die kleine Monsterin" von Ted Sieger und Alexandra Schatz gezeigt - Schatz geht damit bereits zum fünften Mal ins Rennen um den Gläsernen Bären. Der zweite deutsche Kurzbeitrag, "Rain is Falling" des Potsdamer Filmstudenten Holger Ernst, hat gerade auf dem Saarbrücker Filmfestival den Kurzfilmpreis gewonnen.
In dem Jugendfilmwettbewerb "14plus" sind diesmal neun lange Filme zu sehen, darunter keine deutsche Produktion, aber eine Uraufführung: "The Mighty Celt" des britischen Regisseurs Pearse Elliott. Allein drei Filme kommen in diesem Jahr aus Schweden, "eine beachtliche Leistung für ein kleines Land", wie Hailer betont. Dazu gehört der Debütfilm "Forteen Sucks" des Regiekollektivs Dansk Skalle über eine 14-Jährige, die Opfer eines sexuellen Übergriffs wird.
Eröffnet wird "14plus" mit der Europapremiere des mexikanischen Films "Innocent Voices". Als Ehrengast nimmt der Schauspieler Florian Lukas an der Zeremonie teil. Regisseur Luis Mandoki ("Angel Eyes") behandelt in dem Film das Schicksal von Kindersoldaten in El Salvador in den 80er Jahren. Gewalt, mit dem junge Menschen konfrontiert werden, zieht sich als thematischer Bogen durch das gesamte Programm von "14plus". "Der selbstbewusste Umgang von Jugendlichen mit der ungeschminkten Realität vermittelt in fast allen Filmen positive Ausblicke und nachhaltige Ermutigung", betont Hailer.
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