Dreharbeiten: "Hitler"-Rufe am Berliner Dom
zuletzt aktualisiert: 07.03.2006 - 14:47Berlin (rpo). Regisseur Dani Levy hat es bisher nicht an die große Glocke gehangen, dass er an einer Hitler-Komödie mit dem Titel "Mein Führer - die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" arbeitet. Somit waren viele Passanten überrascht, am Berliner Dom Fahnen und Transparente mit riesigen Hakenkreuzen, Männer in SS-Uniformen sowie eine Redetribüne zu sehen.
Nun brechen neben dem Prachtboulevard Unter den Linden rund 500 Komparsen in Jubelgeschrei für den im Film verulkten Verbrecher aus: "Heil Hitler!, Sieg Heil!, Es lebe der Führer!" und zwischen durch "Helge!"-Zurufe: Die Statisten, die sich bei eisigen Minusgraden zum Dreh eingefunden haben, dürfen dauernd jemanden anhimmeln: Laufen die Kameras, gilt das Geschrei der altmodisch gekleideten Männer und Frauen dem "Führer" Adolf Hitler, während der Drehpausen dann - und etwas ernsthafter - dem eigentlichen Star und Hitlerdarsteller Helge Schneider.
Die neue Komödie des Regisseurs Dani Levy ist bisher unter strikter Geheimhaltung geblieben. Doch mit dem Dreh einer der finalen Szenen bekommen die Komparsen am Montag doch den erhofften Einblick in die "politisch sehr unkorrekte Komödie". Die gedrehte Szene spielt am Neujahrstag 1945. Dem Führer geht es ziemlich schlecht, denn er hat einige Schwierigkeiten hinter sich. Zerknautscht und ziemlich angeschlagen versucht er trotz allem den Schein zu wahren und hält eine Rede, die jedoch prompt nach hinten losgeht.
Aus ganz Deutschland sind an diesem Tag Helge-Schneider-Fans nach Berlin gekommen, um mit dem Comedystar und Musiker vor der Kamera zu stehen. Anzeigen in Zeitungen und im Internet hatten im Vorfeld vor allem Frauen und ältere Männer angeworben und mit einer Kinokarte und einem signierten T-Shirt gelockt. Viele "Helge-Fans" entsprachen allerdings nicht dem historischen Anforderungsprofil: Vor allem junge, männliche Fans hatten sich bereit erklärt, einen Tag als Komparse dabei zu sein.
Der Stimmung tut das jedoch keinen Abbruch. Obwohl diese gemäß den historischen Tatsachen schon längst hätten im Krieg sein müssten, werden sie kurzerhand in den Dreh mit einbezogen. So bilden jung und alt, Frauen und Männer zusammen eine begeisterte Menge, die "ihren Führer" empfängt. Nur beim Hitlergruß tut sich der ein oder andere noch etwas schwer.
Katja Riemann als Eva Braun
Komiker Helge Schneider enttäuscht seine zum Teil von sehr weit angereisten Fans nicht, legt sogar ganz spontan eine Lachnummer hin, indem er ganz im Stile der Hitlerschen Gestik Regisseur Levy bei den Erläuterungen einer Szene nachahmt. Am Set sind auch Schauspielerin Katja Riemann, die offenbar die Rolle der Eva Braun spielt, und Ulrich Mühe.
Levy hat nach Angaben der WDR-Fernsehfilmredaktion auch das Drehbuch geschrieben. Der "wahre" Hitler erzähle endlich, wie er wirklich war: nicht der "große Führer", sondern ein armes Würstchen, ein neurotisches Wrack, das nur dank der Hilfe des jüdischen Schauspielers Adolf Grünbaum zu dem werden konnte, was er in der Öffentlichkeit darstellte. So stellt das Medienboard Berlin-Brandenburg die Komödie dar, für die es 450.000 Euro Fördermittel gab. Die Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin steuerte sogar 500.000 Euro Projektfilmförderung bei. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll das Werk in die Kinos kommen.
Der in der Schweiz geborene Regisseur Levy hatte zuletzt mit "Alles auf Zucker!" große Erfolge gefeiert. Mit leichter Hand erzählt er darin die heiter-tragische Geschichte einer jüdisch-nichtjüdischen Großfamilie mit Henry Hübchen und Hannelore Elsner in den Hauptrollen. Auch in seinem Kinofilm "Aimee und Jaguar" hatte sich Levy bereits mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinander gesetzt. Einen Drehtag hat Levy für "Mein Führer" noch vor sich. Der Ort ist dann aber wieder geheim.
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