"Krieg der Welten": Hollywood verärgert Filmkritiker
zuletzt aktualisiert: 22.06.2005 - 08:40Frankfurt/Main (rpo). "Krieg der Welten" sorgt bereits vor seinem Start für Aufsehen. Der Film von Regisseur Steven Spielberg läuft weltweit am 29. Juni an, also auch in Deutschland. Normalerweise veröffentlichen Kritiker bereits vor dem Start ihre Meinungen zu einem Film. Bei "Krieg der Welten" sollen sie sich jedoch mindestens bis zum Starttermin zurückhalten, sonst drohen ihnen juristische Folgen.
Kein Teilnehmer der ohnehin äusserst kurzfristig vorm Stattermin angesetzten Pressevorführungen darf den Film vorab einer Kritik unterziehen. Wer sein Einverständnis zu dieser ungewöhnlichen Beschränkung kritischer Berichterstattung verweigert, soll vom Besuch der zahlreichen Pressevorführungen in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt/Main und München ausgeschlossen bleiben - so will es ausdrücklich die in der Mainmetropole ansässige Verleihfirma UIP. Doch stößt dieses Vorgehen auf erhebliches Unverständnis nicht nur unter den unmittelbar betroffenen Filmjournalisten der verschiedenen Medien.
Auch eine Vertreterin von UIP selbst zeigte sich nicht glücklich über das Vorgehen ihres Unternehmens. Sie verwies aber darauf, dass sowohl die den Spielberg-Streifen produzierenden Paramount-Studios in Hollywood wie auch die Filmemacher selbst zur Bedingung gemacht hätten, "Krieg der Welten" nicht vor dem offiziellen Weltstart am 29. Juni bewertet zu wissen. Peter Sundarp, Vorstandsmitglied im Verband der Filmverleiher, hat seine private Meinung zu dem Konflikt. Offiziell will er aber keine Stellung nehmen: "Das ist ausschließlich Sache der einzelnen Mitglieder unseres Verbandes".
Deutsche Filmkritiker wollen protestieren
Andreas Kramer, Geschäftsführer der Kinobesitzervereinigung HDF in Berlin, findet die Geheimniskrämerei um das neue Spielberg-Werk "nicht klug" und bekennt: "Ich kann das nicht nachvollziehen". Beim Verband der deutschen Filmkritik wird derzeit noch diskutiert, wie auf die berufliche Einschränkung reagiert werden soll. Die Saarbrückener Journalistin Andrea Dittgen kündigt für ihre Organisation aber "auf jeden Fall Proteste" an. Denn die Filmkritiker fürchten einen Präzedenzfall, wenn es UIP auf Druck Hollywoods gelingen sollte, Journalisten zur Abgabe einer Unterschrift zu nötigen, nicht vor dem 29. Juni über die Qualität von "Krieg der Welten" zu berichten.
Wer die Unterschrift leistet, gleichwohl aber vorab kritisiert, riskiert hohe Schadensersatzforderungen der US-Filmemacher um Spielberg. Deren umstrittene Intervention könnte jedoch zum Selbsttor werden: Denn es gibt schon jetzt Kritiker und Medien, die eine Beschränkung ihrer Arbeit nicht hinnehmen wollen. Vor dem "Krieg der Welten" auf den Leinwänden droht deshalb nun eine Schlacht um die Freiheit der Berichterstattung. Das Publikum stellt sich unter diesen Umständen die Frage, ob vielleicht nicht grundlos der Einfluss der Kritik auf den erhofften kommerziellen Erfolg von "Krieg der Welten" eingeschränkt werden soll. Gelungene Filme haben das Urteil der Fachwelt jedenfalls noch nie scheuen müssen.
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