"Lichtburg" in Essen: Horst Köhler besucht Premiere der Buddenbrooks
VON RAINER MORGENROTH - zuletzt aktualisiert: 16.12.2008 - 21:28Essen (RP). Gleich wird der Bundespräsident erscheinen. Vor der „Lichtburg” in Essen ist der Rote Teppich ausgerollt, es wimmelt von Fotografen und Kamerateams ein gewaltiger Menschenauflauf. Drumherum stehen Schaulustige und warten auf die Prominenz. Die Zufahrtswege zum größten Einzelkino-Saal der Republik werden von der Polizei kontrolliert. Das ist ein Prestigeprojekt von nationalem Interesse: die Welturaufführung von Thomas Manns Roman „Buddenbrooks” durch Heinrich Breloer.
NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ist da, er schüttelt Hände. Die Hauptdarsteller schreiten der Reihe nach ein: Iris Berben, Armin Mueller-Stahl und Regisseur Breloer. Iris Berben in einem bunten Glitzerkleid, der Rest in Abendgarderobe. Weihnachtsmarkt-Besucher drängeln mit Einkaufstüten an der Absperrung vorbei, freundliche Wachtmeister erklären den Anlass für den Andrang.
Das Tatütata-Geräusch ertönt, Horst Köhler ist da. Breit grinsend flaniert der Ehrengast über den roten Filz, die Gattin an der einen Hand, mit der freien winkt er staatsmännisch ins Publikum. „Meine Frau und ich gehen gern ins Kino meistens privat und zu unserem eigenen Vergnügen”, sagt er vor Beginn des Films. „Wenn aber einer der berühmtesten Romane Deutschlands verfilmt und dieser Film zum ersten Mal öffentlich gezeigt wird, dann möchte ich auch in meiner Eigenschaft als Bundespräsident dabei sein.”
Das Publikum klatscht. Es geht hier nicht um irgendeinen Roman, sondern um eines der wichtigen Bücher für das deutsche Selbstverständnis. „Allein dass dieses Werk, das für unsere Kultur eine so bedeutende Rolle spielt, Gegenstand einer neuen künstlerischen Auseinandersetzung wird, ist ein wichtiges Ereignis für unsere Kulturnation”, sagt Köhler im Saal. „Für uns Deutsche ist dieses Buch immer noch wie ein Spiegel unseres Wesens und unserer Kultur.” Elke Heidenreich applaudiert, ebenso „Tatort”-Kommissarin Sabine Tostel und „Lindenstraßen”-Macher Hans W. Geißendörffer.
Die „Buddenbrooks”, das sei eine ganz aktuelle Geschichte, sagt Köhler und verweist auf die Situation des Ruhrgebietes. „Letztlich erzählen doch auch die Buddenbrooks eine Geschichte vom Wandel der Zeit, von Strukturwandel, wenn Sie so wollen, und damit haben auch wir es hautnah zu tun. Wenn wir nur genau hinsehen, können uns auch alte Geschichten etwas über uns selber erzählen.”
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