Ein "Hu" lockt die Menschen ins Kino: Horton auf der Überholspur
VON JÖRG ISRINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 22.03.2008Düsseldorf (RP). Souverän steht „Horton hört ein Hu!“, das neue Animations-Abenteuer der "Ice-Age"Macher, auf Platz eins der Kino-Charts. In den USA legte der Film den besten Start des Jahres hin. Das Osterwochenende wird die Geschichte um den Elefanten Horton, der die staubkorngroße Welt der Hu rettet, wohl weiter absetzen von der Konkurrenz.
Der Film ist wie geschaffen für einen verregneten Familien-Nachmittag. Denn, man muss es wohl so kitschig sagen – bei Horton wird es einem warm ums Herz. Und Nachschub in Sachen Animationsvergnügen ist bereits in Sicht.
Guter Unsinn regt das Denken an. Davon war Theodor Seuss Geisel überzeugt. Unter dem Pseudonym Dr. Seuss schrieb und illustrierte der 1991 gestorbene Amerikaner mehr als 40 Kinderbücher. Neben dem Elefanten Horton, der 1940 zum ersten Mal auftauchte, schuf er etliche andere Figuren, die vor allem in den USA jedes Kind kennt. Wie den Grinch, einen pelzigen Schrat, der Weihnachten hasst und das Fest deshalb sabotiert. Oder "Sam-I-Am", der stets eine Portion grüne Spiegeleier mit Schinken an den Mann bringen will. Seine kunstvoll gereimten Geschichten transportieren dabei stets Botschaften von Toleranz, sozialer Verantwortung und der Rolle des Individuums in der Gesellschaft. Kindgerecht verpackt – in anregenden Unsinn eben.
Geschichten, wie geschaffen für eines der Spezialisten-Teams, die sich in den vergangenen Jahren auf Trickfilme spezialisiert haben – im Falle "Horton" die Blue Sky Studios, die auch die Kassenknüller "Ice Age" und "Robots" produzierten. Pixar läutete 1995 den Siegeszug der am Computer animierten Filme mit "Toy Story" ein, "Shrek" brachte 2001 den Durchbruch. Seither ist kein Jahr ohne zumindest ein erfolgreiches Trick-Epos vergangen, zuletzt angelte sich Brad Bird einen Oscar für die furiose Küchenschlacht "Ratatouille". Die Filme verbinden in der Regel Witz, Tempo und unbegrenzte visuelle Möglichkeiten mit einem Drehbuch, das gleichermaßen Kinder wie Erwachsene bedient. Bestes Familien-Entertainment also, das mittlerweile Milliarden einbringt.
Allein für dieses Jahr stehen daher rund zehn abendfüllende Trickstreifen an. DreamWorks, das dritte große Studio im Kreise der Computer-Künstler, schickt erst den flauschigen "Kung Fu Panda" in den Kampf um die Gunst der Zuschauer und legt dann mit der Fortsetzung des Hits "Madagascar" (der erste Teil läuft morgen auf Pro7) nach. Die Antwort auf den "Planet der Affen" bietet "Space Chimps", in dem Schimpansen den Weltraum erobern. "Bolt" aus dem Hause Disney kommt noch am nächsten an "Hortons" moralische Qualitäten heran. Der Film erzählt die Geschichte eines TV-Schäferhundes, der sich im Besitz von Superkräften wähnt, aber schmerzhaft erkennen muss, dass er doch nur ein gewöhnlicher Vierbeiner ist.
Den großen Kassenmagneten allerdings wähnt Pixar in der Schublade. "Wall-E" startet hierzulande wohl im Oktober, erste Trailer lassen auf ein verrücktes Spektakel hoffen. Die Story folgt üblichen Mustern: Außenseiter verliebt sich in Prinzessin und erlebt haarsträubende Abenteuer, bis er sie in die Arme schließen kann. Nur sind die Protagonisten Maschinenwesen: Wall-E ist ein Reinigungsroboter, der 700 Jahre lang die von den Menschen verlassene, vollkommen verdreckte Erde aufräumt, bis Roboterdame EVE erscheint.
Immerhin: das Thema Umweltbewusstsein spielt eine Rolle, der Film plädiert dafür, auf die Welt, in der man lebt, besser zu achten. Trotz der millionenteuren Industrie, die hinter diesen Produktionen steht, überwiegt also noch der gut gemachte Unsinn. Horton-Schöpfer Dr. Seuss würde sich freuen. Hu!
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