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"Wolverine: Weg des Kriegers"
Hugh Jackman wetzt wieder die Messer

Der Hollywood-Star überzeugt in dem Action-Film "Wolverine". Der hebt sich angenehm ab von den üblichen Fortsetzungen und krawalligen Sommer-Blockbustern. Geboten wird Unterhaltung mit Niveau. Von Frank Noack

Nicht nur Kritiker sind zunehmend angeödet von den teuren, lauten, dummen Action-Spektakeln, die man wegen ihres Starttermins Sommer-Blockbuster nennt. Auch Steven Spielberg und George Lucas, die mit "Der weiße Hai" (1975) und "Krieg der Sterne" (1977) dieses Geschäftsmodell etabliert haben, bereuen mittlerweile dessen Entwicklung und fordern eine Abkehr vom Kino der Superlative. In dieser Situation kommt "Wolverine" wie gerufen. Dieser Sommer-Blockbuster ist gemäßigt teuer (125 Millionen Dollar), er ist manchmal laut, ohne dabei auf die Nerven zu gehen. Und auch wenn es übertrieben wäre, von Unterhaltung mit Tiefgang zu sprechen, muss man dem Film eines attestieren: Er ist trotz der genreüblichen Unwahrscheinlichkeiten an keiner Stelle dumm.

Sechster Teil der "X-Men"-Reihe

Bei "Wolverine" handelt es sich um den sechsten Teil der im Jahr 2000 begonnenen "X-Men"-Reihe, die an den üblichen Abnutzungserscheinungen litt. Sie litt auch an zu viel Personal. Es gab ein Dutzend Helden, die gegen das Böse kämpften, und die konnten natürlich kaum Profil gewinnen. In "Wolverine" gibt es nur einen Helden (wie bisher: Hugh Jackman), und nur eine Mission. Eine relativ kleine, private: Nicht die Welt muss er retten, nur das Leben der Enkelin eines alten Freundes. Die wird allerdings von einer der schönsten Frauen der Welt verkörpert, dem japanischen Topmodel Tao Okamoto. Man merkt ihr nicht an, dass sie in "Wolverine" ihr Filmdebüt gibt. Sie wirkt edel, sinnlich und herzlich, strahlt eine ungewöhnliche Reife aus und bewegt sich souverän. Sie ist Hugh Jackman eine ebenbürtige Partnerin, kein dekoratives Anhängsel.

Logan alias Wolverine kennt Marikos Großvater aus Nagasaki: 1945, als die Atombombe abgeworfen wurde, haben die beiden sich gegenseitig das Leben gerettet. Nun sehen sie sich wieder, Wolverine unverändert jung und der Japaner altersschwach auf dem Sterbebett. Mariko wird ein großes Unternehmen erben, deshalb ist ihr Leben in Gefahr. Diese schlichte Handlung wird mit ein paar spektakulären Verfolgungsjagden versehen. Am aufregendsten ist ein Zweikampf auf dem Dach eines Schnellzugs.

Es war eine gute Idee, die Regie keinem beliebigen Action-Routinier anzuvertrauen, sondern James Mangold, der sich bisher auf Kammerspiele spezialisiert hat. Von ihm stammen die Polizistenstudie "Cop Land" (1997) mit Sylvester Stallone, das Psychiatriedrama "Durchgeknallt" (1999) mit Angelina Jolie und die Johnny-Cash-Biografie "Walk the Line" (2005) mit Joaquin Phoenix. Mangold gibt der Liebesgeschichte zwischen Wolverine und Mariko viel Raum. Sie muss platonisch bleiben, weil Wolverine den Verlust seiner Frau nicht verkraften kann. Er erträgt es auch nicht, unsterblich und unverletzbar zu sein, daher lässt er sich auf ein medizinisches Experiment ein, das ihm Sterblichkeit verschaffen soll.

Ist Sterblichkeit erstrebenswert?

Einen Großteil seiner Spannung bezieht der Film aus der Frage, wie erstrebenswert die Sterblichkeit ist. Man gönnt Wolverine seinen Frieden, und dass er die geliebte Jean (Famke Janssen) im Jenseits wieder trifft. Aber in bestimmten Situationen wünscht man sich auch seine übersinnlichen Kräfte zurück – vor allem die Scherenhände.

Der Film kommt mit wenigen Schnitten aus. Man hat dadurch viel Zeit, die exquisit ausgestatteten Räume und die Menschen darin zu betrachten. Rasante Schnitte hebt sich Mangold für die Actionszenen auf, dazwischen gönnt er dem Publikum auch Entspannung. Passend dazu hat Marco Beltrani eine Musik komponiert, die nur dann laut und hektisch wird, wenn es ohnehin kracht, und die ansonsten mit subtilen Zwischentönen aufwartet.

Nur der Einsatz von 3D ist – mal wieder- nicht zwingend. Er stört nicht. Man vergisst nach dem Verlassen des Kinos, dass der Film in 3D war. Aber warum wird es dann überhaupt verwendet?

Quelle: RP
 
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