Interview mit Daniel Craig: "Ich lächle, wenn ich töte"
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 04.11.2008 - 11:26Berlin (RP). Daniel Craig betritt das Berliner Hotel Adlon in einem grauen Dreiteiler, unter dem er bei weitem nicht so muskulös wirkt wie im Film. Die Schlinge, in der sein Arm bei der Londoner Premiere in der vergangenen Woche noch steckte, ist verschwunden. Dennoch ist sein Händedruck eher vorsichtig.
Sie scheinen sich langsam an die Anzüge zu gewöhnen.
Craig: Mein Großvater war Schneider, ich hatte also immer zwei, drei gute Anzüge im Schrank, aber natürlich nicht so stylische. Mit diesen kann ich mich besser einfühlen in die Rolle.
Haben Sie Anzüge aus dem Film behalten?
Craig Die meisten sind in den Actionszenen angebrannt oder zerrissen. Es hätte wenig Spaß gemacht, sie weiterzutragen.
Sie haben in diesem Film noch mehr Stunts gemacht als in „Casino Royale“. Wie gefährlich waren diese Szenen? Und wie ängstlich waren Sie?
Craig: Ich hatte keine Angst, weil wir für diese Szenen zwei Monate trainiert haben. Aber ich war besorgt, dass ich etwas falsch mache, denn dann hätte ich das alles noch mal durchmachen müssen.
Warum lachen oder lächeln Sie in diesem Film nicht?
Craig: Ich lächle, wenn ich töte.
Mit „Ein Quantum Trost“ schließen Sie die Geschichte ab, die mit „Casino Royale“ begann. Wie kann es nun weitergehen?
Craig: Das ist ja das Tolle: Jetzt ist alles möglich. Der Film stellt weitere Schurken vor, die Bond jagen könnte, und der Film zeigt Verbindungen zu den Amerikanern, die man fortsetzen könnte. Ich würde mir natürlich wünschen, dass der nächste Bond am Strand beginnt: Bond trinkt einen Cocktail und dann noch einen Cocktail. Die Szene könnte von mir aus 40 Minuten dauern. Im Ernst: Ich würde mich sehr freuen, wenn Miss Moneypenny und Q im nächsten Film wieder auftauchen.
Geht das denn noch, nachdem die jüngsten beiden Bond-Filme mit so vielen Traditionen gebrochen haben?
Craig: Ich bin ein Riesenfan der Figuren und bin gespannt, sie kennen zu lernen. Sie dürfen jetzt nur nicht einfach so auftauchen, als wären sie immer dagewesen. Sie müssen richtig eingeführt werden.
Bond trinkt im Film zwar einen Wodka Martini, aber er bestellt ihn nicht mit dem berühmten Satz. Warum nicht?
Craig: Er ist viel zu betrunken, um noch eine vernünftige Bestellung rauszubringen. Und er findet es cool, den Barkeeper erklären zu lassen, wie viele er davon schon geschafft hat.
Waren Sie enttäuscht, dass es nur eine Liebesszene in dem Film gab?
Craig: Nein. Wenn Bond mit zehn Frauen ins Bett gegangenen wäre, hätte das die Geschichte kaputtgemacht.
Haben Sie denn einen Wunsch für das nächste Bondgirl?
Craig: Sie sollte spielen können und gut aussehen. Mehr weiß ich nicht.
Wie geht es für Sie weiter mit Bond?
Craig: Ich habe einen Vertrag für vier Filme unterschrieben. Im Zweifel ist so ein Vertrag natürlich nicht das Papier wert, auf dem er steht. Ich wäre froh, wenn ich den dritten drehen darf, an den vierten denke ich jetzt noch nicht. Ich habe keinen Fünf-Jahres-Plan für meine Karriere. Für mich ist es wichtiger, dass mein privates Leben so normal wie möglich bleibt.
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