Daniel Brühl im Interview: "Ich mag düstere Stoffe"
VON ISABELLE DE BORTOLI - zuletzt aktualisiert: 08.10.2008 - 07:44Essen (RP). Daniel Brühl kommt spät in das rosa-plüschige Hinterzimmer der „Lichtburg“. Dafür hat sich der 30-Jährige zur „Krabat“-Premiere bereits in Schale geschmissen, zum schwarzen Anzug trägt er ein weißes Hemd mit schwarzer Krawatte. Eine Zigarette, die muss jetzt sein.
Als Sie die Anfrage zur Verfilmung von Otfried Preußlers Jugendroman „Krabat“ bekamen, haben sie zugesagt, ohne das Drehbuch gelesen zu haben. Machen Sie das immer so?
Brühl: Nein, das war die absolute Ausnahme. Normalerweise muss man ein Drehbuch lesen, um zu sehen, ob die Rolle einen anspricht. Aber Krabat, das war ein Herzensprojekt von mir, da habe ich blind zugesagt.
Was fasziniert Sie an der Geschichte der zwölf Müllergesellen, die dem unheimlichen Meister dienen, und von ihm schwarze Magie erlernen?
Brühl: Natürlich lasse auch ich mich gerne in eine Zauberwelt hineinziehen – auch wenn Fantasy nicht mein Lieblingsgenre ist. Aber ich lese gern düstere, mystische Stoffe, zum Beispiel von E.T.A Hoffmann oder Edgar Allan Poe. Und wer träumt nicht davon, zaubern zu können.
Krabat ist ein düsterer, unheimlicher Film. Wie war die Stimmung am Set?
Brühl: Gedreht haben wir zum Großteil in Rumänien, bestimmt drei Monate lang. Die Gegend hat mich natürlich schon beeinflusst. Da war nichts los, reine Natur, die Wetterumstände waren schwierig, die Wälder dunkel, nachts hörten wir die Wölfe heulen. Es war kalt und schmutzig – die perfekte Umgebung, die uns sehr inspiriert hat. Ich konnte mir gut vorstellen, wie die Menschen auf dem Land im 30-Jährigen Krieg gelitten haben.
Was waren die schwierigsten Szenen?
Brühl: Das waren die Spezial-Effekte, die wir im Studio gedreht haben. Es ist schwierig, einfach nur vor einer grünen Wand zu stehen und zu spielen. Da beneide ich die Star-Wars-Schauspieler nicht darum.
Wie waren die Dreharbeiten mit zwölf Jungs?
Brühl: Das war ein bisschen wie eine Klassenfahrt. Wie die Gesellen im Film, ist auch jeder der Darsteller ein spezieller Typ. Das Interessante war, dass jeder seiner Rolle in etwa entsprochen hat. Ich spiele in Krabat den Altgesellen Tonda. Tatsächlich war ich auch unter den Darstellern einer der ältesten. Und zu David Kross, der den Krabat spielt, hatte ich – wie im Film – ein freundschaftliches, brüderliches Verhältnis. Zum ersten Mal konnte ich etwas von meiner Erfahrung weitergeben, das ist ein schönes Gefühl.
Mögen Sie Tonda?
Brühl: Ja, Tonda ist eine sympathische Figur. Er versucht, seine Mitgesellen einerseits vor dem Meister zu schützen, andererseits muss er sich selbst vor diesem fürchten, weil er ein Geheimnis mit sich trägt, das sein Leben bedroht. Er sorgt sich brüderlich um Krabat, gibt etwas Gutes an ihn weiter und rettet seinem Freund so das Leben.
Sind Sie selbst ein guter Freund?
Brühl: Ohne Freundschaften könnte ich gar nicht leben. Ich habe einen tollen Freundeskreis, der mir Unzuverlässigkeiten auch mal verzeiht.
Was wünschen Sie sich für „Krabat“?
Brühl: Dass der Film viele junge Menschen anspricht. Ich habe versucht, meinen ehemaligen Deutschlehrer zu erreichen. Meine Schule in Köln soll Freikarten bekommen.
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