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"Independence Day 2"
Roland Emmerich rüstet die Menschheit auf

Independence Day 2: Roland Emmerich rüstet die Menschheit auf
Fans warten mit gemischten Gefühlen auf "Independence Day: Resurgence". FOTO: Screenshot / warof1996.com
Düsseldorf. Im Sommer 2016 kommt "Independence Day: Resurgence" in die Kinos. Der erste Trailer zur Fortsetzung von Roland Emmerichs Science-Fiction-Spektakel lässt viele Fragen offen. Die wichtigste lautet wohl: Darf man die Oscar-prämierte Alien-Invasion überhaupt wiederholen? Von Marcel Romahn

Rückblick auf den 2. Juli 1996: Zwei Tage vor dem amerikanischen Unabhängigkeitstag machen Wissenschaftler eine sonderbare Entdeckung – ein Audiosignal aus dem All, ein dumpfes Rauschen, das aus Richtung des Mondes zu kommen scheint. "Das hier ist echt. Ein Funksignal aus einer anderen Welt", freut sich der Entdecker, nicht ahnend, dass es sich bei diesen Geräuschen um die Vorboten einer globalen Katastrophe handelt.

Was die US-Regierung längst als selbstständig navigierendes Flugobjekt identifizieren konnte, verursacht auf der Erde zunächst nur kleinere Störungen, mit denen sich Fernsehtechniker David Levinson (Jeff Goldblum) herumärgern muss. Das TV-Programm flimmert, Satelliten in der Erdumlaufbahn senden plötzlich nicht mehr. Doch noch während Levinson der vermeintlichen Störung auf den Grund gehen kann, passiert das Unvorstellbare.

Gewaltige Raumschiffe schwenken plötzlich in die Erdumlaufbahn ein, tauchen als glühende Feuerbälle am Himmel auf und verdunkeln ganze Städte. Noch ehe sich die Menschheit auf einen Großangriff vorbereiten kann, zerstören die Aliens mit ihren futuristischen Laserwaffen nahezu jede Metropole auf dem Globus. Jedweder militärischer Widerstand scheitert an der überlegenen Technologie des Feindes. Fast die halbe Weltbevölkerung kommt bei dem Angriff der Außerirdischen ums Leben.

Lediglich dem Erfindungsreichtum von David Levinson und der Entschlossenheit des amerikanischen Präsidenten, gespielt von Bill Pullmann, ist es zu verdanken, dass die Menschheit überlebt. Der TV-Techniker entwickelt ein Computer-Virus, das er im Mutterschiff der außerirdischen Invasoren einschleusen will.

Der Plan geht auf. Das Virus legt die Alien-Technologie lahm. Die Schutzschilde des Feindes versagen und die Luftstreitkräfte der ganzen Welt feuern aus allen Rohren. Nach mehr als zwei Stunden Filmlänge sind die Aliens schließlich besiegt. Ihre kilometerbreiten Ufos liegen in Trümmern und Amerika feiert seinen 4. Juli. 

Science-Fiction-Maßstab der 90er

"Independence Day" gilt als einer der erfolgreichsten Science-Fiction-Filme aller Zeiten und hatte mit neuartigen Spezialeffekten sowie einer gelungenen Mischung aus Spannung, Dramatik und lockeren Sprüchen aufstrebender Hollywood-Größen Maßstäbe gesetzt. Mehr als 817 Millionen Dollar spielte der Film weltweit ein. Zum Vergleich: Die Einnahmen des neuen James-Bond-Films "Spectre" werden derzeit auf etwa 820 Millionen geschätzt. Für die besten visuellen Effekte bekam Roland Emmerichs Blockbuster 1997 den Oscar, ein Jahr später folgten weitere Preise und Nominierungen, darunter ein Grammy und der MTV Movie Award.

Die Frage, die besorgte Science-Fiction-Fans nach Erscheinen des ersten Trailers zur Fortsetzung von "Independence Day" in vielen Fan-Foren stellten, scheint also berechtigt: Darf man diesen Film fortsetzten? Für den neuen Film arbeitete Roland Emmerich wieder mit Drehbuchautor Dean Devlin zusammen. Dieser hatte sich bereits in den 90er-Jahren mit einer zweiten Auflage der Alien-Invasion beschäftigt. Doch das Projekt wurde eingestellt. Devlin musste eingestehen, dass sein Versuch einer Fortsetzung nicht angemessen an die unerwartete Erfolgsgeschichte von "Independence Day" anknüpfen könnte.

2011 machten sich Emmerich und Devlin erneut an die Arbeit und nahmen mehrere vergleichsweise unerfahrene Autoren wie Carter Blanchard mit ins Boot. Im Juni 2015 stand dann der Titel der Fortsetzung fest: "Independence Day: Resurgence" (zu Deutsch: Wiederkehr). Am 28. Juli 2016 soll der Film in die deutschen Kinos kommen. Wie der erste Teil spielt auch die Fortsetzung in ihrem tatsächlichen Erscheinungsjahr. Ein erster rund zwei Minuten langer Trailer verrät, was sich die Drehbuchautoren unter ihrem fiktiven Jahr 2016 vorstellen. 

Sci-Fi-Plagiat oder gelungene Fortsetzung?

Zugegeben, die Spannung ist da. Der Trailer macht neugierig und zeigt erste Bilder eines scheinbar gelungenen Weltraum-Spektakels, wie man es bei einem Produktionsbudget von rund 200 Millionen Dollar auch erwarten darf. Erinnerungen an den Kinobesuch von vor 20 Jahren dürften bei den Zuschauern jedoch nur selten aufkommen. Auch kommt der erfahrene Kinobesucher nicht umhin, zwangsläufig Vergleiche zu anderen Science-Fiction-Blockbustern zu ziehen.

Allein das unheimliche Raunen im Hintergrund, das die Militärfahrzeuge in den ersten Sekunden des Trailers bei ihrer Fahrt durch die Wüste begleitet, erinnert eher an eine neue Episode der Transformers-Reihe. Die nächste Szene: Ein Expeditionsteam, geführt vom bereits bekannten Fernsehtechniker, entdeckt in der Wüste eine Ansammlung rituell angeordneter Alien-Schädel – "Alien vs. Predator" lässt grüßen. Wird der zweite Teil etwa ein stilistischer Remix aus allem, was sich in den vergangenen Jahren auf der Kinoleinwand abgespielt hat? Diese Frage bleibt zunächst offen.

Wir befinden uns im Jahr 2016, zwei Dekaden nach der gescheiterten Alien-Invasion. Während der Trailer erste Bilder eines zweiten außerirdischen Riesenraumschiffes offenbart, erzählt Jeff Goldblum, was inzwischen auf der Erde passiert ist: "Ich habe 20 Jahre mit dem Versuch verbracht, uns darauf vorzubereiten. Wir nutzen ihre Technologie, um unseren Planeten zu stärken. Aber das wird nicht genügen." Dazu sehen wir Bilder von Soldaten mit Alien-Waffen, futuristische Kampfjets, die den Weltraum durchqueren, sogar eine Mondbasis. Und wir sehen, wie die Menschheit erneut den Kampf gegen die Außerirdischen aufnehmen muss. Und dann verkündet der sichtlich gezeichnete Ex-Präsident aus Teil Eins: "Sie kommen zurück." 

Viele offene Fragen

Inzwischen wurde der Filmtrailer zu "Independence Day: Resurgence" mehr als 16 Millionen Mal auf Youtube angeklickt. Der weltweiten Euphorie und Vorfreude auf die Fortsetzung folgten jedoch auch rege Diskusionen in den sozialen Netzwerken. Zu viele Fragen lasse die zweiminütige Vorschau offen.

Das größte Mysterium war zunächst: Woher kommt plötzlich das Riesenschiff Nummer Zwei? Stellte sich nicht im ersten Teil heraus, dass es sich bei den Invasoren um eine Nomaden-Zivilisation handelt, die von Planet zu Planet reist, dort sämtliche Ressourcen ausbeutet und anschließend weiterzieht? Wäre diese Zivilisation dann nicht mit dem Sieg der Menschheit vollständig ausgerottet gewesen?

Nein! Bereits im Jahr 2013 verriet Emmerich in mehreren Interviews, dass seine Aliens laut Drehbuch keinesfalls vollständig ausgerottet seien. Vielmehr hätten sie kurz vor ihrer vernichtenden Niederlage ein Notsignal an ihre Verbündeten quer durch den Weltraum geschickt. Dieser Notruf habe 20 Jahre gebraucht, um die Streitmacht zu erreichen, die nun im zweiten Teil zum Gegenschlag ausholt.

Noch mehr Verwirrung entstand, als 20th Century Fox die Besetzung des neuen Films bekanntgab. Unter vielen bekannten und neuen Namen tauchte auch Brent Spiner wieder auf, der im ersten Teil den fanatischen Area-51-Wissenschaftler Brakish Okun verkörperte und im Würgegriff eines Aliens eigentlich zum Tode verdammt war. Auch hier leisten die Beteiligten Vorarbeit. Innerhalb der letzten Jahre erwähnte Spiner mehrfach in Interviews, dass seine Figur nicht gestorben sei, sondern nach der Alien-Attacke lediglich im Koma lag. Zwei Fragen sind damit geklärt, bleiben noch etwa hundert weitere. 

Website soll die Lücke füllen

Zeitgleich zum Erscheinen des neuen Trailers erstellte 20th Century Fox die neue Homepage www.warof1996.com. Die Seite soll den Handlungsstrang vom ersten Film im Jahr 1996 bis hin zum zweiten Teil im Jahr 2016 fortführen. Über einen interaktiven Globus können hier sämtliche fiktiven Großereignisse der letzten Jahre abgerufen werden – für viele Fans ein gelungenes Tool, um die Fortsetzung von "Independence Day" gebührend vorzubereiten. Andere sehen darin eher das Armutszeugnis für ein Drehbuch, das die Geschichte nicht nachvollziehbar fortführen kann.

Die Mondbasis in "Independence Day: Resurgence". FOTO: Screenshot / warof1996.com

Die Homepage soll vor allem veranschaulichen, welche Fortschritte die Menschheit in der fiktiven Geschichte von 1996 bis 2016 gemacht hat. So haben sich nicht nur die Regierungen aller Nationen zu einer großen, globalen Vereinigung zusammengeschlossen, sondern auch die Alien-Technologie zur Verteidigung gegen zukünftige Bedrohungen genutzt. Diese weltweite Aufrüstung umfasst Alien-Waffen, Kampfjets, die auch im All eingesetzt werden können sowie einen Militärstützpunkt auf dem Mond.  

Einige Invasoren haben den Absturz ihres Raumschiffs überlebt. FOTO: Screenshot / warof1996.com

Die Frage, warum im Trailer Überreste der Aliens in einer Wüste gefunden werden, wird auf der Homepage schnell geklärt. Laut Eintragung in der interaktiven Zeitleiste vom Oktober 2001 haben einige der Invasoren den Absturz ihres Raumschiffes überlebt. In Afrika sollen die Hinterbliebenen noch fünf Jahre nach dem Großangriff gegen die Menschheit gekämpft haben, bis auch sie schließlich besiegt wurden. 

Die Figur, die Will Smith spielte, soll bei einem Unfall ums Leben gekommen sein. FOTO: Screenshot / warof1996.com

Viele Fans wunderten sich, dass Will Smith nicht im neuen Film zu sehen sein wird. Schließlich war der Pilot Steven Hiller eine tragende Figur der Geschichte und einer der Helden, die den Aliens am Ende den Garaus machten. Die interaktive Zeitleiste der Website klärt auf. Im April 2007 soll seine Figur bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen sein. Hiller starb beim Testflug mit einem Kampfjet, der mit Alien-Technologie aufgerüstet wurde. In Wahrheit hat sein Story-Tod jedoch andere Gründe: Gerüchten zufolge habe der Hollywood-Schauspieler eine Gage in Höhe von 50 Millionen Dollar für sein Mitwirken im zweiten Teil gefordert – zu viel, sagten die Produzenten. Im Film wird daher Hillers Sohn, gespielt von Jessie Usher, in die Fußstapfen von Will Smith treten.

Kein Meilenstein, aber sehenswert

Wird der zweite Teil ähnliche Maßstäbe setzen wie sein Vorgänger? Wohl kaum! Grandioses Effektkino ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr, das Szenario einer Alien-Invasion wurde bereits etliche Male in Filmen wie "Krieg der Welten", "World Invasion" oder "Skyline" umgesetzt. "Independence Day 2" soll die Geschichte der Menschheit nach dem Krieg von 1996 weitererzählen. Doch die Erwartungen an den Film sind weitaus höher.

Damit die Fans im Kino einen fröhlichen zweiten 4. Juli feiern können, muss Roland Emmerich eine schlüssige Geschichte abliefern – auch ohne Homepage als Bindeglied. Er muss den Sprung von der Menschheit der 90er-Jahre, hin zu einer technologisch hochentwickelten Gesellschaft plausibel darstellen können, ohne sich restlos in Utopie zu verlieren. Schließlich war das greifbare Fundament der Gegenwart, das die Menschheit in "Independence Day" so verwundbar und den Feind so übermächtig erschienen ließ, das Erfolgsrezept des Films und der Garant für Gänsehaut.  

Emmerich wird die Aliens also ein zweites Mal auf spektakuläre Art und Weise scheitern lassen müssen – nicht durch militärische Stärke, sondern wieder mit einem klugen Trick-17. Allein die Frage, wie die Menschheit die zweite Angriffswelle abwehren wird, macht den Film sehenswert. Nur bitte nicht wieder mit einem Computer-Virus. Das wäre viel zu sehr 90er Jahre…

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