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Lebt seit 30 jahren als Android: Interview mit C-3PO-Darsteller Anthony Daniels

VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 18.05.2005 - 11:59

Düsseldorf (rpo). Seit Tagen und Wochen ist "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith" in aller Munde. Regisseur George Lucas und die Hauptdarsteller Christopher Lee, Natalie Portman und Hayden Christensen hetzen von einer Premiere zur nächsten. Doch wer ist eigentlich der Mann, der den philosophierenden Androiden C-3PO spielt?

Anthony Daniels ist der einzige Schauspieler, der in allen sechs Teilen der Star Wars-Saga zu sehen ist. Er spielt den Androiden C-3PO.  Foto: AFP, AFP
Anthony Daniels ist der einzige Schauspieler, der in allen sechs Teilen der Star Wars-Saga zu sehen ist. Er spielt den Androiden C-3PO. Foto: AFP, AFP

Anthony Daniels ist der einzige Darsteller, der in allen sechs Teilen mitwirkte - und von dem kaum jemand das Gesicht kennt. In einem Interview verrät er alles über sein 30-jähriges Roboter-Dasein und seine ganz private Star Wars-Sammlung.

Herr Daniels, alle sechs Teile der „Star Wars“-Saga sind nun abgedreht. Empfinden Sie Wehmut?
Ehrlich gesagt bin ich ein bisschen erleichtert. Es gab Zeiten, in denen ich mich fragte, ob ich die letzte Episode noch erleben würde. Nachdem ich das nun geschafft habe, kann ich wohl in Frieden sterben (lacht). Allerdings erst nach dem 19. Mai – ich will mir schließlich den letzten Teil noch im Kino anschauen.

Empfinden Sie Ihr Leben als einzigen „Star Wars“-Film?
Das frage ich mich auch manchmal (lacht). Die „Star Wars“-Filme haben 28 Jahre meines Lebens eingenommen. Das ist die Zeitspanne einer ganzen Berufskarriere. Ich bin jetzt 59 Jahre alt - andere Leute sind in meinem Alter pensioniert. Vielleicht sollte ich mich nun um Rollen kümmern, in denen mein Gesicht zu sehen ist? Allerdings rennen mir die Leute nicht gerade die Tür ein.

Haben Sie je damit gehadert, dass Ihr Erfolg auf einer Rolle ohne Gesicht basiert?
In den letzten Jahren habe ich mit dieser Tatsache Frieden geschlossen. Mir wurde plötzlich klar, dass George Lucas den Menschen mit „Star Wars“ große Freude bereitet hat – und ich durfte ein Teil davon sein. Früher habe ich Komplimente einfach abgeschmettert. Inzwischen freue ich mich über sie. C-3PO ist ein toller Kerl, und es hat Spaß gemacht, ihn zu spielen. Warum sollte ich dafür kein Lob entgegen nehmen?

Sind Sie stolz darauf, in allen sechs Teilen mitgewirkt zu haben?
Ja, inzwischen schon. Ich bin selbst erstaunt, dass ich diese Rolle all die Jahre durchgehalten habe und finde es kurios, als Einziger in allen Episoden dabei gewesen zu sein. C-3PO ist sozusagen der Anfang und das Ende der Saga. Er spricht den ersten und den allerletzten Satz der sechs Filme. Auf eine bescheidene Weise hält er beide Trilogien zusammen.

Es heißt, dass Sie von Ihren Schauspielkollegen nicht immer freundlich behandelt wurden.
Das stimmt. Stellen Sie sich vor, Sie spielen eine Kaffeemaschine und kommen in Ihrem Kostüm an den Set. Zuerst sind alle ganz begeistert und sagen: „Toll, du siehst wirklich wie eine Kaffeemaschine aus. Darf ich mal deine Knöpfe drücken?“. Aber nach einer Weile nimmt Sie keiner mehr wahr. Jeder behandelt Sie wie eine Kaffeemaschine. So geschah es auch mit C-3PO. Es war nicht immer leicht für mich. Die Leute sind einfach an mir vorbeigelaufen, haben mir nicht mal in die Augen geschaut.

Haben Sie durch C-3PO eine andere Einstellung zu Maschinen bekommen?
Ohja. Ich spreche manchmal mit meinen Haushaltsgeräten. Kein Witz. Einmal geriet ich mit Kollegen in der Wüste in eine brenzlige Situation. Ein kleiner Toyota rettete uns aus der Gefahrenzone. Als alle anderen aus dem Wagen ausgestiegen waren, ging ich noch einmal zu ihm zurück und dankte ihm. Ich wollte ihm später noch schreiben, aber irgendwie kam ich nie dazu (lacht).

Das müssen Sie genau erklären. Worüber reden Sie mit Maschinen? Naja, das sind natürlich keine intellektuellen Konversationen. Ich bedanke mich bei Ihnen für ihre Dienste. Zum Beispiel bei meiner Waschmaschine oder der Mikrowelle. Oder ich zwinkere meiner Alarmanlage kurz zur. Einfach nur, um den Geräten ihr Dasein etwas angenehmer zu machen.

Bekommen Sie auch eine Antwort?
Nein. An dem Tag, an dem ich von einer Maschine eine Antwort erhalte, weiß ich, dass ich in ernsten Schwierigkeiten bin (lacht). Irgendwann werden Maschinen wahrscheinlich sprechen können, aber momentan bin ich schon genervt, wenn mein Computer mir mitteilt, dass meine Batterie leer ist. Ich weiß nicht, wer diese Frauenstimme in meinem Laptop ist, aber ich mag sie nicht.

Sind Sie selbst ein „Star Wars“-Fan?
Nein, aus zwei Gründen. Erstens: Science Fiction ist nicht mein Ding. Zweitens: Ich habe einen ganz anderen Zugang zu den Filmen. Viele der eingefleischten Fans waren zehn Jahre alt, als sie den ersten „Star Wars“-Teil sahen. Was sie damals auf der Leinwand erlebten, war etwas völlig Neues. Eine Art Wunder. Ich war 1977 aber bereits knapp 30 Jahre alt und kannte die Filme in und auswendig, da ich mitgewirkt hatte. Für mich waren sie nichts Besonderes mehr.

Haben Sie dennoch einen Lieblingsfilm unter den sechs Episoden?
Ich mag die gesamte erste Trilogie. Weil sie witzig, geistreich und originell gemacht ist. George Lucas versuchte damals, etwas ganz Neues auf die Leinwand zu bringen. Die Filme waren unprätentiös und ohne Kalkül. Es gab ja keine vergleichbaren Filme, mit denen sie in Konkurrenz gestanden hätten. Das war bei der zweiten Trilogie aber bereits der Fall.

Viele Fans vermissen bei der zweiten Trilogie eine gewisse Magie. Stimmen Sie zu?
Den Mangel an Magie empfinden nur die Leute, die dabei waren, als die erste Trilogie ins Kino kam. Als die neuen Episoden herauskamen, waren diese Menschen bereits erwachsen. Mit einigen Dingen konnten sie einfach nichts mehr anfangen. Aber die Kids von heute lieben zum Beispiel Jar Jar Binks. Ich glaube, George Lucas wollte den Kindern der 2000er Jahre das gleiche Erlebnis geben, dass die Leute einst in den 70ern mit der ersten Trilogie hatten.

Was ist für Sie das Faszinierende an „Star Wars“?
Die gesamte Saga ist ein Teil unserer Pop-Kultur geworden. Das können nicht einmal „Star Wars“-Gegner bestreiten. Sätze wie „Möge die Macht mit dir sein“ sind in unseren Sprachschatz übergegangen. Die Philosophie der Jedi ist ein Konzept, mit dem sich jeder identifizieren kann, ohne an eine bestimmte Religion zu glauben.

Als George Lucas vor über 30 Jahren „Star Wars“ schrieb, war er beeinflusst von Nixon und dem Vietnam-Krieg.
Ja, das wurde mir erst kürzlich richtig bewusst. George reflektierte damals die politischen Ereignisse. Früher hat mich der ganze Kampf der Föderation nicht besonders interessiert. Heute sehe ich das anders. Die gleichen Dramen ereignen sich doch täglich auf unserem Planeten: Machthungrige Supermächte nutzen unterlegene Länder aus und melken sie wie Kühe. Wir haben großes Glück, dass wir in dieser Hemisphäre leben. Vielleicht sollte ich Kommunist werden (lacht).

Es heißt, George Lucas habe C-3PO nach den Koordinaten eines Postamtes auf einer Straßenkarte benannt. Wussten Sie das?
Ja, das stand sogar im Drehbuch. George ist sehr erfinderisch wenn es um Namen geht. C-3PO steht aber eigentlich für „Class 3 Protocol Operative“. Class 1 ist die niedrigste Entwicklungsstufe und Class 3 die höchste. C-3PO ist der beste Protokolldroide von allen und sehr stolz darauf. Aber egal, was sein Name bedeutet – C-3PO ist definitiv der seltsamste Rollenname, den ich je gespielt habe.

Sie haben einst Jura studiert. Kam Ihnen das im Filmgeschäft je zugute?
In der Tat. Ich lese Verträge sehr viel aufmerksamer als manch anderer Kollege – sehr zum Missfallen der Produzenten (lacht). Mein Jurastudiuam habe ich allerdings nur meinen Eltern zuliebe angefangen. Ein großer Fehler. Nach zwei Jahren habe ich abgebrochen und bin auf die Schauspielschule gegangen. Liebe Kinder, solltet ihr das hier lesen: Hört auf meinen Rat. Macht, was euch gefällt! Eure Eltern wollen sicher nur das Beste für euch, aber meistens wissen sie selber nicht, was das Beste ist.

Waren Ihre Eltern nach dem Erfolg von „Star Wars“ stolz auf Sie?
Meine Eltern verstarben vorher leider. Mein Vater hat immerhin noch den ersten Teil mitbekommen und war sehr beeindruckt. Er hat aber nicht wirklich verstanden, worum es in dem Film ging. Einmal unterhielt er sich mit Harrison Ford – in dem Glauben, Harrison habe Luke Skywalker gespielt. Es war mir unendlich peinlich, aber Harrison hat sich nichts anmerken lassen. Das war sehr nett von ihm.

Was denken Sie über „Star Wars“-Fans, die bereits sechs Wochen vor der Filmpremiere vor dem Kino campieren?
Ich persönlich würde für keinen Film der Welt wochenlang vor einem Kino zelten, aber für die Fans ist das sicher eine spaßige Angelegenheit. Ihre Liebe zu „Star Wars“ ist bewundernswert. Ich finde, dass „Star Wars“ in Wahrheit den Fans gehört. George Lucas denkt immer, die Saga sei sein Eigentum. Dabei nehmen ihm die Fans übel, dass er ihre Filme verändert hat. Sie wollen, dass die Filme so bleiben, wie sie sie in Erinnerung haben.

Was kommt für Sie nach „Star Wars“?
„C-3PO – Die Rache“ (lacht). Nein, im Ernst, ich habe eine Menge zu tun. Ich bin sozusagen ein Spaß-Botschafter von „Star Wars“, reise um die Welt und gebe Seminare, besuche Conventions oder eröffne Ausstellungen. Ich bin nicht wehmütig, dass die Saga nun vorbei ist. Die Mission ist erfolgreich erfüllt – ist das nicht ein wunderbarer Abschlusssatz?

Das Interview führte Dörte Langwald.


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