"Ein Quantum Trost": James Bond verliert sich selbst
VON JENNIFER TÖPPERWEIN - zuletzt aktualisiert: 29.10.2008 - 16:42Düsseldorf (RPO). Mit Spannung wird der neue James-Bond-Film, der am 6. November ins Kino kommt, erwartet. Am Mittwoch feiert "Ein Quantum Trost" Weltpremiere. Die Enttäuschung der Fans könnte aber groß sein. Der Geheimagent verliert immer mehr von dem, was ihn ausmacht.
Der Aufschrei war schon beim letzten Bond-Film "Casino Royal" groß. Daniel Craig wurde als neuer Bond präsentiert – ein blonder, blauäugiger Schauspieler, der so gar nichts von den harten Männern der anderen Teile hatte. Doch der Inhalt von "Casino Royal" beschwichtigte die Fans wieder. "Ein Quantum Trost" stellt ihre Liebe aber erneut auf eine harte Probe.
Der neue Weg, den der Vorgänger betrat, wird konsequent weiter gegangen. James Bond soll offenbar neu definiert werden. Er verliert dabei allerdings seine Markenzeichen, Charakterzüge und die klassischen Elemente, die ihn ausmachen.
Was James Bond nicht mehr hat
Sekretärin Moneypenny und der Ausrüstungsspezialist Q finden bei dem Neuanfang keinen Platz mehr – obwohl sie neben dem Hauptdarsteller die Traditionsfiguren des Bond-Kults überhaupt sind. Auch Daniel Craig vermisst offenbar das Flair der alten Filme. Er schlug in der britischen Zeitung "The Sun" vor, die beiden Rollen wieder einzuführen.
Ohne Ausrüstungsspezialist ist es vielleicht logisch, dass Bond keine seiner Gadgets, seiner technischen Hilfsmittel mehr hat – schade ist es aber trotzdem. Bond und seine Fans müssen auf schwimmende und tauchende Autos mit vielerlei Spezialausstattung wie Raketenwerfer verzichten. Es gibt keine Uhr mit Seilwinde, keinen Füller mit Giftpfeilen oder keinen Kugelschreiber mit Bombenauslöser. Die Dinge, mit denen sich Daniel Craig durchkämpfen muss sind unspektakulär: Handy, Messer, Pistole.
Selbst der Aufbau des Films hat sich gewandelt. Einer der Wiedererkennungseffekte überhaupt wird schon zu Beginn eingebüßt: Es gibt keinen Pistolenlauf-Vorspann mehr. Die Sequenz wird an das Ende gesetzt, wo sie nicht mehr wirkt. Während den Action-Szenen vermissen Fans außerdem die typische und berühmte Bond-Melodie.
Wenigstens bleibt der Martini das Lieblingsgetränk des Geheimagenten. Doch die Zuschauer müssen auf den charakteristischen Satz "Geschüttelt, nicht gerührt" vergeblich warten. Ebenso vermisst man den wichtigsten Spruch überhaupt: "Mein Name ist Bond, James Bond."
Daniel Craig spielt einen der härtesten Bonds aller Zeiten, heißt es. Das kann sein und wäre nicht störend, wenn er nicht die kompletten 103 Minuten absolut ernst wäre. James Bond hat seinen Humor, die Eleganz, das Lässig-Mondäne eingebüßt.
Wenigstens bleibt die Roman-und Filmfigur ein weitgereister Mann. Er verfolgt seinen Rivalen Dominic Greene (Mathieu Amalric) von Österreich nach Italien und nach Chile. Da schockiert es schon fast, dass Daniel Craig dieses typische Element der Bond-Reihe auch noch aufgeben möchte. Sollte die Finanzkrise Hollywood hart treffen, könnte der Geheimagent laut Craig erheblich Reisespesen sparen. "Es gibt jede Menge Orte, an denen wir auf den Britischen Inseln drehen könnten", sagte der 40-Jährige. "Bond im Lake District, Liverpool ... oder Birmingham." Bond-Fans hoffen, dass das nur ein Scherz des Darstellers war.
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