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Interview mit Christian Berkel
"Jede neue Figur ist ein Anreiz für mich"

Interview mit Christian Berkel: "Jede neue Figur ist ein Anreiz für mich"
Christian Berkel spielt im ZDF wieder den "Kriminalisten". FOTO: AP
Düsseldorf. Christian Berkel spricht im Interview mit unserer Redaktion über die Kriminalistenrollen, seine Beziehung zu Andrea Sawatzki und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der 55-jährige Schauspieler aus Berlin ist ab dem 3. Mai wieder in der ZDF-Serie "Der Kriminalist" zu sehen.

Seit 2006 spielen Sie in "Der Kriminalist" den Hauptdarsteller Bruno Schumann. Hoffen oder befürchten Sie, dass man in einigen Jahren sagt, dass das die Rolle Ihres Lebens war?

Berkel Ich denke, dass ich so viele andere Sachen gespielt habe und noch spielen werde, dass ich zumindest bisher noch nicht darauf reduziert worden bin. Wenn das nämlich so wäre, wäre das sehr einengend.

Warum haben Sie nach sieben Jahren immer noch Lust auf die Serie?

Berkel Als ich das Angebot bekam, hat es mich kalt erwischt. Ich war im Urlaub und habe mir Bedenkzeit ausgebeten. Damals schwappten die tollen amerikanischen Serien zu uns rüber – und man merkte die Entwicklung, dass sich die interessanten Regisseure in Amerika vom Kino wegbewegen hin zum Fernsehen, und da fast ausschließlich zur Serie.

Bei Krimis fällt einem immer "Tatort" ein. Wann ermitteln Sie dort?

Berkel Im Moment wahrscheinlich eher nicht. Parallel zum "Kriminalisten" würde das gar nicht gehen.

Ihre Frau Andrea Sawatzki hat lange eine "Tatort"-Kommissarin gespielt. Konnte Sie Ihnen den "Tatort" nie schmackhaft machen?

Berkel So funktioniert das bei uns nie. Bei Andrea kam das ähnlich überraschend wie bei mir der "Kriminalist". Ich habe ihr damals geraten – so wie sie es bei mir gemacht hat –, es auszuprobieren. Das ist ein Reiz, ob man das hinbekommt.

Ist das im "Tatort" schwieriger als beim "Kriminalisten"?

Berkel Der "Tatort" ist ein bestehendes Format, auch wenn jeder mit einer anderen Konstellation neu erzählt wird. Beim "Kriminalisten" ist es anders, da die Serie tatsächlich neu war. Es ist heute sehr schwierig geworden, ein neues Format überhaupt zu etablieren. Das war natürlich ein zusätzlicher Reiz: Schaffe ich das? Das hat mich angespornt.

Ihre Frau sagt, dass Sie der "Mann ihres Lebens" seien. Ist es das Schönste, was man hören kann?

Berkel Das ist es definitiv.

Können Sie das zurückgeben?

Berkel Das kann ich Wort für Wort zurückgeben. Das war bei mir auch so. Zum Beispiel hatte ich nie vor, eine Familie zu gründen.

Jetzt haben Sie zwei Söhne.

Berkel Genau. Ich dachte immer, dass Familie so schwer mit dem Beruf zu vereinbaren ist, da man so viel unterwegs ist. Ein Haufen vernünftiger Überlegungen, die man nicht so leicht widerlegen kann, sprachen gegen Kinder. Aber in dem Moment, als Andrea um die Ecke kam, war alles mit einem Schlag über den Haufen geworfen.

Und Sie dachten direkt, dass sie die Mutter Ihrer Kinder wird?

Berkel Ungefähr nach einer Woche dachte ich: Mit der Frau will ich Kinder haben. Natürlich ist es manchmal nicht so leicht, Familie und Beruf zu vereinbaren, ab und zu muss man zurückstecken und schauen, wie man das alles organisiert bekommt – aber das schafft man eben dann besonders gut, wenn es ein zutiefst emotionales Fundament gibt.

Vor gut 20 Jahren haben Sie in "Derrick" an der Seite von Horst Tappert mitgespielt. Verfolgen Sie die Diskussion um dessen vermeintliche Vergangenheit in der Waffen-SS?

Berkel Ich habe vor längerer Zeit gehört, dass Herbert Reinecker, der Autor aller "Derrick"-Folgen, offenbar eindeutig Nazi war. Ob nun als Mitläufer oder aktiv, das weiß ich nicht. Ich habe es lange, nachdem ich in der Serie mitgespielt habe, erfahren, aber es war schon ein ungutes Gefühl.

Ist Ihnen bei Horst Tappert etwas aufgefallen?

Berkel Ich habe bei den Dreharbeiten nichts bemerkt. Aber das macht ja das ganze Dritte Reich aus, und das ist auch der schockierendste Aspekt generell: Man sieht es Menschen nicht an, und man spürt es auch in der Regel nicht. Wenn man sich die Protokolle der Eichmann-Prozesse durchliest oder Prozess-Bilder sieht, dann ist ja das Schockierende daran, dass die Leute so normal wirkten.

Christian Spolders führte das Gespräch

(RP/felt/nbe)
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