Interview: John Malkovich sieht in Klimts Werken keine Rätsel
VON REINHARD KLEBER - zuletzt aktualisiert: 24.05.2006 - 09:50Köln (rpo). Zuletzt flog er als verrückter Weltraum-Pirat Zaphod Beeblebrox "Per Anhalter durch die Galaxis". Jetzt verkörpert John Malkovich den berühmten Jugendstilmaler Gustav Klimt. Regie führte dabei Raoúl Ruiz. Der holte Malkovich schon einmal vor 17 Jahren für die Proust-Verfilmung "Die wiedergefundene Zeit" vor die Kamera. Im Interview spricht der 52-jährige Mime über das Verhältnis zu Ruiz, das Werk Gustav Klimts und die Blutdruck senkende Wirkung von "Klimt".
Drehen Sie lieber Filme in Europa oder den USA?
Ich denke darüber nicht in dieser Weise nach. Die meisten meiner Filme habe ich in Europa realisiert, weil die Geschichten der Regisseure mich mehr interessiert haben. Wo der Film gedreht wird, ist egal. Es gibt nur geringe Unterschiede zwischen Dreharbeiten in Amerika, Europa oder Asien.
Und die Unterschiede beim künstlerischen Ansatz?
Das hängt davon ab. Wenn der Film einfach nur großer kommerzieller Kram ohne gedanklichen Hintergrund ist, macht es keinen großen Spaß, egal wo. Andererseits kann man manchmal auf Kunstfilme stoßen, die anmaßend sind. Lassen Sie es mich sehr einfach sagen: Ich mag die Dinge gerne mit den Menschen tun, die ich mag. Offensichtlich ist Raoul Ruiz einer davon. Es gibt etliche andere, und viele davon leben nun mal in Europa.
Wie haben Sie sich der Figur des Malers Klimt genähert? Sind Sie auf sein künstlerisches Geheimnis gestoßen?
Meine Arbeit besteht darin, den Traum des Regisseurs auszudrücken, die Figur im Traum eines Anderen. Diese Figur heißt in diesem Fall Gustav Klimt. Ich bin nicht sicher, ob es ein Mysterium in Klimts Bildern gibt, das aufzulösen ist. Für mich scheinen sie sehr offensichtlich zu sein. Ich sehe jedenfalls kein Rätsel in seinem Werk.
Was kann ein Film über eine europäische Geschichtsepoche heute noch sagen?
Wir können etwas daraus lernen, das weltweit gilt. Klimt sagt einmal im Film zu einem kleinen Mädchen: "Auch ich bin verloren." Das sollte man immer im Gedächtnis behalten, denn es kann dir Perspektiven und Demut geben und deinen Blutdruck senken. Das ist ein Punkt, den man dem heutigen Publikum sagen könnte. Ich bin außerdem erstaunt über die Zahl der Menschen, die so überzeugt in ihren Urteilen sind. Manchmal finde ich das erschreckend und bemitleidenswert. Ich denke, die sind aber sehr sicher in ihrer Sichtweise. Auf welcher Sicherheit beruht das? Das ist wahrscheinlich auch eine gute Lektion für jedermann.
Das Drehbuch ist ambitioniert, fantastisch, verträumt. War es schwierig, das szenisch umzusetzen?
Nein, gar nicht. Ich habe mehrmals mit Raoúl gearbeitet und liebe ihn. Vielleicht liegt es daran, dass er wie ich aus der Neuen Welt kommt. Ich finde ihn jedenfalls unglaublich klar und leicht zu verstehen, einfach menschlich klar. Er stellt einen in eine Geografie, in der es zumindest für mich beinahe unmöglich ist, nicht zu wissen, was ich tun soll. Manchmal macht man ja Filme und sieht, was der Regisseur vorhat, und fragt sich, ob man die Polizei rufen soll und ob der Kerl denn lesen und schreiben kann. Oder ob er je ein Buch gelesen hat. Mit Raoúl ist das natürlich ganz anders.
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