| 07.38 Uhr

"Jurassic World"
Neues vom Dino-Flüsterer

"Jurassic World" – Szenenbilder des Films
"Jurassic World" – Szenenbilder des Films FOTO: dpa, kde sab
Los Angeles. Mehr als 20 Jahre nach dem Untergang des Saurier-Zoos "Jurassic Park" lässt Steven Spielberg als Produzent von "Jurassic World 3D" erneut die Dinos los - und scheitert am eigenen Erfolgsrezept. Von Daniel Kothenschulte

Als Steven Spielberg im Jahre 1975, es war die Blütezeit des innovativen "New Hollywood", seinen ersten Multimillionenhit angelte - es ging um einen bösen Fisch -, waren die Folgen noch nicht abzusehen. Gerade noch mit dem anspruchsvollen Frühwerk "Sugarland Express" in Cannes vertreten, hatte er nun, mit der Unbefangenheit eines jungen Frankenstein, die bis heute gültige Blockbuster-Formel gefunden: Teure B-Pictures, wie man sie früher billig für kleine Jungs drehte. Nun freilich geadelt mit allem erdenklichen Aufwand der jeweils neuesten Filmtechnik. Es war ein fröhliches Wiedersehen. Das Kino war wieder dort angekommen, wo es einmal hergekommen war: auf dem Jahrmarkt.

Die Spielberg-Produktion "Jurassic World 3D" (Regie: Collin Trevorrow) spielt in so einem Fun-Park, und die Saurier, die man dort zeigt, sind Blockbuster der Gentechnik. Die Analogien zum Filmbusiness sind nicht zu übersehen. Das Management spricht von ihnen in trockenem Wirtschaftsjargon schlicht als "asset", in der Synchronfassung: "Produkt".

An den Untergang des alten Saurierzoos "Jurassic Park" vor zwanzig Jahren erinnert nur noch das Vintage-T-Shirt eines Angestellten, und für diesen teuren Ebay-Fund gibt es gleich einen Rüffel von der Chefin: Erinnerungen an die vielen Toten damals sieht man auf der Insel gar nicht gern.

Fotos: Chris Pratt – Hollywood-Schauspieler aus Jurassic World FOTO: ap

Bryce Dallas Howard spielt die resolute Managerin Claire mit dem eisernen Glamour einer Disney-Schurkin. Dabei ist sie gar nicht die wirklich Böse in dieser Geschichte, nur eine etwas zu willfährige Erfüllungsgehilfin des technischen Fortschritts. Was immer das Labor im für die Öffentlichkeit gesperrten Parkteil zusammenrührt, wird von ihr ausgestellt. Die kommende Attraktion ist ein vergrößerter T-Rex, gekreuzt mit einem Raptor. Veredelt wurde das "Produkt" mit geheimen Extra-Zutaten und einer hochgezüchteten Intelligenz - wohl knapp unter der Grenze, ab der Tiere anfangen würden zu sprechen.

Aber sind rekonstruierte Saurier überhaupt noch Tiere? Für einen engagierten Tierpfleger, den man dabei beobachtet, wie er eine Raptoren-Fütterung zu kleinen Kunststücken nutzt, bis zu einem gewissen Grad gewiss. Und erst recht für den Helden in dieser Geschichte, den Ex-Soldaten Gravy (Chris Pratt), der schon Afghanistan ohne Schrammen am Gemüt überlebt hat. Zur Begutachtung der Sicherheitsvorkehrungen in den Park bestellt, muss er bald mit seiner Zuwendung entlaufene Raptoren beruhigen: als Saurier-Flüsterer.

Denn um der bis zur etwa 50. Filmminute schmerzlich vermissten Aufregung zuvorzukommen: Natürlich zeigt der schlaue Riesendino seinen Wächtern eine lange Nase, und zwar mit dem ältesten Trick der Welt: Er versteckt sich im eigenen Gehege, bis die Aufseher hineinschauen, um nach dem Rechten zu sehen. Ein wahrlich gefundenes Fressen. Dass dieses Monster eine helle Haut hat, dürfen wir als Selbstironie des Schöpfers des "weißen Hais" verstehen. Und noch an anderer Stelle kommt der berühmte Raubfisch zu Ehren: Da wird vor Publikum ein toter Hai über ein Becken gehängt. Und - schnapp! - springt ein monströser Wassersaurier heraus und holt sich den Leckerbissen.

Kinostarts der Woche FOTO: Moviepilot

Man wünschte sich mehr solch trailerfähiger Einfälle in diesem Film, wie jenen hübschen Moment, in dem ein "echter" Raptor in einem der Schauräume auf einen holographischen Artgenossen trifft und lieber zu spielen anfängt als weiter Menschen zu jagen.

Denen ergeht es wiederum wie im klassischen Katastrophenfilm: Die Entbehrlichen werden gefressen, die Guten können sich mehr oder weniger retten. Sogar eine angehende Scheidungs-Familie kommt über der Aufregung wieder zusammen. Es sind die Eltern zweier Jungs, Neffen der Park-Managerin Claire. Man hat sie ins Drehbuch dieses technisch wie dramaturgisch enttäuschenden Fortsetzungsfilms geschrieben aus dem gleichen Grund, aus dem auch ein Hai darin vorkommt, um einen Spielberg-Film draus zu machen. Das haben schon viele versucht, und selbst Spielberg ist schon daran gescheitert. Denn das Blockbuster-Kino mag nach seiner alten Formel funktionieren; doch was dabei herauskommt, weiß man vorher nie. Genauso wenig wie bei Saurier-Klonen.

Hier geht es zu den Bildern des Films.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Jurassic World: Steven Spielberg scheitert am eigenen Erfolgsrezept


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.