"Wilde Kerle" als Lichtblick: Kinojahr 2007: schwache Filme, wenig Zuschauer
zuletzt aktualisiert: 03.04.2007 - 13:38Frankfurt/Main (RPO). Zwar bekam in diesem Jahr ein deutscher Film einen Oscar, doch das mag nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Kinojahr 2007 eher schwach begann. Kommerziell gesehen.
Sowohl bei der Besucherzahl wie beim Umsatz muss die Branche deutliche Einbußen gegenüber dem Jahr 2006 vermelden, dessen Bilanz keineswegs überragend war. Einziger Lichtblick im ersten Quartal war der große Erfolg der deutschen Produktion "Die Wilden Kerle 4" mit mehr als zwei Millionen Besuchern.
Auch Dani Levys Hitler-Groteske "Mein Führer" mit Helge Schneider in der Titelrolle konnte mit rund 800.000 Besuchern die Erwartungen durchaus erfüllen. Überraschend lässt sich das von fast allen 2007 angelaufenen Hollywood-Filmen hingegen keineswegs sagen.
Zum Beispiel hat es das mit großen Stars nur so gespickte CIA-Drama "Der gute Hirte", auf der diesjährigen Berlinale noch von vielen Kritikern gefeiert, in sechs Wochen Laufzeit auf nur wenig mehr als 300.000 Zuschauer gebracht.
Und auch der hier zu Lande sehr beliebte George Clooney erwies sich in Steven Soderberghs verspätetem Trümmerfilm mit dem eigentlich verheißungsvollen Titel "The Good German" keineswegs als Kassenmagnet, denn nur 50.000 Besucher wurden angezogen. Noch ärger erging es Clint Eastwoods Kriegsdrama "Letters from Iwo Jima" mit lediglich rund 30.000 Kinogängern, ein kommerzielles Debakel.
Allerdings dürfte sich bei beiden Streifen auch die Beibehaltung der englischen Originaltitel negativ ausgewirkt haben. Es ist unerklärlich, warum die Verleihfirmen so hartnäckig die Erfahrung missachten, dass englische Originaltitel sich oft als Barriere fürs deutsche Besucherinteresse erweisen.
Filme der europäischen Nachbarn bleiben Sorgenkinder
Aktuell sind - das ist rekordverdächtig - nicht weniger als sechs deutsche Filme unter den ersten zehn Titeln der Kinohitparade, angeführt von der Krimigroteske "Neues vom Wixxer". Diese läuft allerdings trotz massiver Medienwerbung nicht so erfolgreich wie der erste Teil um die persiflierte Edgar-Wallace-Figur. Florian Henckel von Donnersmarcks Oscar-Gewinner "Das Leben der Anderen" hatte schon im Vorjahr glatt die erste Zuschauermillion übersprungen.
Nach der kürzlich aus gutem Grund erfolgten Wiederaufführung in den Kinos haben nun insgesamt bereits zwei Millionen Deutsche das Stasi-Drama gesehen, was den Triumph dieses Debütfilms komplett macht.
"Das wilde Leben" der Uschi Obermeier hingegen hat das Publikum zwischen Hamburg und München nur sehr mäßig interessiert. Deutlich weniger als 200.000 Besucher in acht Wochen sind eine deutliche Botschaft.
Sorgenkinder im deutschen Kinogeschäft bleiben Filme aus europäischen Nachbarländern selbst dann, wenn es sich umso gute und attraktive Produktionen handelt wie "The Queen" aus Großbritannien (knapp 500.000 Besucher), die Edith-Piaf-Leinwandbiografie "La Vie en Rose" (360.000 Besucher) oder auch das Idi-Amin-Politdrama "Der letzte König von Schottland" (ebenfalls Großbritannien), das bislang nur gut 100.000 Kinogänger sahen.
Auch die qualitätvolle dänische Familientragödie "Nach der Hochzeit", immerhin für den diesjährigen Oscar nominiert, übersprang nur knapp die 100.000-Besuchermarke. Die einheimischen Kinos müssen nun auf den Erfolg des gewaltsatten Historienfilms "300", in den USA der Sensationshit an den Kassen, und wohl auch auf möglichst mieses Osterwetter hoffen, um wieder in besseres geschäftliches Fahrwasser zu gelangen.
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