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Kino-Kritik: 28 Weeks Later: Die Zombies kehren zurück

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 30.08.2007

Regisseur Juan Carlos Fresnadillo legt mit „28 Weeks Later“ den zweiten Teil einer Zombiegeschichte vor, die London zur Kulisse grausamer Überlebenskämpfe macht – und reale Kriegsbilder in Horrorfantasien verwandelt.

"Hallo, ich bin von den Zeugen Jehovas - ich will mit Ihnen über Gott sprechen." Szene aus dem Film "28 Weeks later".  Foto: Fox
"Hallo, ich bin von den Zeugen Jehovas - ich will mit Ihnen über Gott sprechen." Szene aus dem Film "28 Weeks later". Foto: Fox

So leicht haben arme Leute in London schon lange keine Wohnung mehr gefunden. Im intelligenten und angriffslustigen Zombieschocker „28 Weeks Later“ muss ein menschenleeres England wieder besiedelt werden, und in London, dem Brückenkopf dieser Wiederinbesitznahme, herrscht eine neue Gründerzeit. Unter Aufsicht einer von US-Befehlshabern geleiteten internationalen Schutztruppe quartieren sich traumatisierte Heimkehrer in den besten Etagen der Stadt ein.

Erinnern wir uns: Im Jahr 2002 hat der britische Regisseur Danny Boyle das Zombiekino wiederbelebt. In „28 Days Later“ erzählte er von einer Seuche, die Menschen in beißwütige Monstren verwandelte. Martialische Haufen noch Infektionsfreier führten einen Erst-schießen-dann-nicht-fragen-Krieg gegen die Zombies. Wenn die Zivilisation sich in großer Gefahr sieht, gibt sie zu ihrer Rettung ihre grundlegenden Werte auf. An der Ad-hoc-Militärdiktatur im Kampf gegen die Zombieseuche verdeutlichte Danny Boyle diesen raschen Prozess der Verrohung.

Ganz in der Tradition der Zombiefilme der 60er und 70er Jahre, die auf den Vietnamkrieg reagierten, kommentierte „28 Days Later“ die Reaktionen von George W. Bushs Kabinett auf die Anschläge vom 11. September 2001. „28 Weeks Later“, den nicht mehr Boyle, sondern der spanische Horrorspezialist Juan Carlos Fresnadillo („Intacto“) inszeniert hat, setzt diese Betrachtung realer Geschehnisse im düsteren Zerrspiegel der Genrefantasien entschlossen fort.

England gilt als radikal befriedet – denn die tobsüchtigen Infizierten sind ohne weitere Opfer verhungert. Zwar wird der internationale Brückenkopf in London noch schwer bewacht, aber die Architekten des Wiederaufbaus sind sicher, dass im Rest des Landes nur noch ein paar Schuttberge weggeschaufelt werden müssen.

In der verbotenen Zone

Die wirklichen Verhältnisse allerdings sind anders. Die emotionalen Krisen der Heimgekehrten folgen nicht den Plänen des Generalstabs, und die illegal in der verbotenen Zone nach Erinnerungsstücken kramenden Kinder des Heimkehrers Harris (Robert Carlyle) finden die noch lebende Mutter, Trägerin des Virus und doch weder tot, noch komplett irrsinnig. Die Linie zwischen Feind und Freund ist damit aufgeweicht. Ist das Grund zur Sorge oder Anlass zur Hoffnung auf natürliche Immunität und ein Impfmittel?

Im Großen wie im Kleinen, im Privaten wie im Politischen stehen die Retter und Geretteten im Umgang mit der nicht theoriekonformen Wirklichkeit bald so kompromittiert da wie der Westen im Irak und in Afghanistan.

Die Seuche bricht erneut aus, und der Film zeigt die brutale logische Konsequenz aus dem militärischen Denken. Schon den Frieden hat Fresnadillo als Blick von Scharfschützen aus erhobenen Positionen auf ferne Ziele gezeigt. Der Krieg bringt die großflächige Verwandlung der Welt in Ziel-Areale. Der Frieden muss und kann auf Schuld gebaut werden, glauben die Militärs. Beim Scharfschützen Doyle (Jeremy Renner) versagt die Entmenschlichung des Ziels durch die Filterung des Teleskops. Er schlägt sich auf die Seite flüchtender Menschen, die als Infektionsrisiko dem totalen Säuberungsprogramm zum Opfer fallen sollen.

Wie beim Vorgänger „28 Days Later“ könnte man auch hier kritisieren, dass die von reizbarer Schulterkamera, nervösem Schnitt und nervenschabender Musik aufgebaute Stimmung von Desorientierung, Angst und Beklemmung irgendwann in die schockfreudige Hysterie eines Genreschlachtfests kippt. Aber „28 Weeks Later“ bleibt in chaotischen Momenten purer Action näher am wütenden Aktionismus des realen Politikchaos. Er findet auch im Trubel der Überlebenskämpfe immer wieder schlaue Bilder zur Lage.

Einmal kriechen wir durch das bedrohliche Dunkel einer ehemaligen U-Bahn. Der Blick der Militärs hat zum Desaster geführt, aber nun bietet nur dieser Blick durch das für Nachteinsätze optimierte Okular einen winzigen Ausschnitt interpretierbarer Informationen.

Quelle: RP

 
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