Francois Ozons neuer Film: 5x2: Der unstillbare Hunger nach Glück
zuletzt aktualisiert: 18.10.2004 - 11:25Marion (Valéria Bruni-Tedeschi) ist hübsch und auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück, als sie auf Gilles (Stéphane Freiss) trifft, der sie heiratet. In den Jahren ihrer kurzen Ehe leben die beiden jedoch aneinander vorbei und erleben Schmerz, Lust, Unsicherheit und die ständige Sehnsucht nach Liebe.
Das Ende des Liebesdramas, die schmerzhafte Trennung vor dem Scheidungsrichter, ist der Anfang von Francois Ozons neuem Film "5x2", der rückwärts erzählt wird: Der Richter verliest die einzelnen Punkte, die die Scheidung von Marion und Gilles besiegeln. Hier wird deutlich, dass sich beide schon lange nichts mehr zu sagen haben. Dieses Kapitel der Liebesgeschichte ist gleichsam das erste von insgesamt fünf entscheidenden Episoden des Paares.
Der französische Regisseur liefert aber keine Psychologisierung der Figuren. Er inszeniert "5x2" so, dass der Zuschauer immer etwas mehr über die beiden erfährt, ohne dabei dem Urteil "das konnte nur schlecht ausgehen" zu unterliegen. Ozon, der im Rahmen des Hamburger Filmfests für "5x2" mit dem Douglas-Sirk-Preis ausgezeichnet wurde, knüpft thematisch nicht an seine erfolgreichen Werke wie "8 Frauen" (2002) und "Swimming Pool" (2003) an. Sein neuer Film ist eher die Verfallsstudie einer Liebe, die er in jedem einzelnen Kapitel mit starken und prägnanten Szenen beginnen lässt.
Getragen wird die Handlung insbesondere von Marions Glaubhaftigkeit. Sie wirkt verletzt und tief enttäuscht als Gilles bei der Geburt des gemeinsamen Sohnes nicht anwesend ist. Ihre Ernüchterung und Desillusionierung gipfelt in der brutalsten Szene des Films: Kurz nach der Scheidung wird Marion auf der erneuten Suche nach Gilles Liebe von ihm vergewaltigt.
Stimmung schafft der 37-jährige Regisseur mit italienischen Chansons, die dem Film eine gewisse Leichtigkeit verleihen. Auch der kitschig geratene gelb-rote Sonnenuntergang am Strand, an dem sich Marion und Gilles zum ersten Mal näherkommen, schafft eine warme und durchdringende Atmosphäre.
Doch der Grundton von "5x2" ist hoffnungslos pessimistisch. Bei dem Besuch von Gilles homosexuellem Bruder gesteht er, Marion bei einer Orgie betrogen zu haben. Marion hingegen betrügt ihn schon in der Hochzeitsnacht, als sie mit einem Unbekannten schläft, dem sie zufällig im Wald begegnet.
Dies sind Momente im Film, die eher holprig und konstruiert erscheinen. Insgesamt ist "5x2" jedoch ein mutiges und zugleich sehr persönliches Werk, in dem Ozon die Grenzen der Zweisamkeit testet. In keinem seiner bisherigen Filme war die Beziehung des Paares so intensiv und bestimmend wie in "5x2". Für ihn ist Partnerschaft eine Wahl, eine Möglichkeit, nicht die Lösung für alles.
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