Kino-Kritik: 7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug: Zipfeltreffen
zuletzt aktualisiert: 23.10.2006 - 12:00Die Hinterwäldler wissen nicht weiter - Rumpelstilzchen macht Probleme, Schneewittchen ist alleinerziehende Mutter und auch die Männer-WG nervt. Doch die Zwerge wären keine Zwerge, wenn sie nicht alle Grütze unter der Mütze zusammenehmen würden. Die Fortsetzung des Kino-Erfolgs "7 Zwerge - Männer allein im Wald" von 2004 zeigt, was aus den Märchen-Doofis wird.
Schneewittchens eitler Haushofmeister hat im Tausch gegen eine goldblonde Lockenpracht den kleinen Prinz einem anonymen Unhold zum Fraße versprochen, - falls das Schneewittchen nicht innerhalb zweier Tage den Namen des Bösen errät. Hilfe suchend eilt sie zur Männer-WG im Wald, die sich jedoch bis auf Zwerg Bubi in alle Winde zerstreut hat. Nachdem Bubi seine Jungs zusammengetrommelt hat, verschlägt es den Chaostrupp via Zauberspiegel ins heutige Hamburg, wo sie vom namenlosen Unhold, der im Bunde mit der bösen Hexe und Ex-Königin steht, sabotiert werden.
Wer den mit rund sieben Millionen Zuschauern viertlukrativsten deutschen Film aller Zeiten gedreht hat, der wäre schön blöd, sein Rezept zu ändern. Wie viel Blödheit jedoch das Publikum vertragen kann, das weiß allerdings nur die Kristallkugel im Märchen. In der Fortsetzung scheint die bevorzugte Zwergen-Belustigung, das Schlagen eines Brettes an den Kopf, leicht rückläufig - dafür erigieren die Zipfelmützen öfter als zuvor.
Erneut wird tief in der Märchenkiste gewühlt, die "Best of" von Hänsel und Gretel bis Pinocchio parodistisch verwurstet und mit Anspielungen auf neumodisches Zeugs wie "Herr der Ringe" und "Harry Potter" gewürzt.
Pinocchio oder doch lieber Brett Pitt
Die episodischere Struktur der Zwergen-Odyssee gibt den Darstellern mehr Raum zum herumkaspern, und so drängelt sich neben Halb-, Viertel- und großen Comedy-Stars auch der unverwüstliche Udo Lindenberg um einen Auftritt. Man vermisst Harald Schmidt, aber Neuzugang Gustav-Peter Wöhler als Cookie, tüdeliger Zwerg-Hobbykoch, schlägt sich wacker, und Veteranen wie Otto alias Bubi als Klein-Doofi und die herzhaft durchgeknallte Nina Hagen sind schon aus alter Gewohnheit ein Grinsen wert.
Boris Aljinovic als Nieselpriem-Zwerg Cloudy, der mit melancholischen Dackelaugen jede Euphorie im Keim erstickt, macht ebenso Spaß wie der breitmäulige "Maaahdiin" Schneider alias Speedy; ein neuer Louis de Funès ist aber auch diesmal nicht dabei.
Wie im Gemischtwarenladen bietet die Nummernrevue für jeden Geschmack etwas, davon aber nie genug. Das Witze-Spektrum reicht von der Kategorie "Aua" im Falle des strohdummen Schneewittchens - Cosma Shiva Hagen stets mit halb offenem Mund -, über Gags mit Bart, bis hin zu "fast genial", wie ein von Zwerg Sunny in Gebärdensprache übersetztes Gespräch über die globale Erwärmung.
Es wird auf Teufel komm raus gekalauert, wenn Pinocchio - "mir ist alles Regal" - zum Holz-Nasen-Ohrenarzt geht; andererseits sind die diversen Ich-AGs der Zwerge humoristische Rohrkrepierer. Zieht man aber neben manch gelungenem Nonsens auch die liebevolle Ausstattung in Betracht, dann lautet das Fazit: Es hätte schlimmer kommen können. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kalauern sie noch heute, im dritten Teil.
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