Es ist Herbst 1989 in Berlin-Kreuzberg. Herr Lehmann steht hinter dem Tresen.
Im abgewrackten Szeneviertel SO 36 führt er im Schatten der Berliner Mauer ein
überschaubares Kneipenleben. Schon das "bürgerliche" Kreuzberg 61 ist
feindliches Ausland, und zu seinen Eltern in Westdeutschland hält Herr Lehmann
sicheren Abstand. Doch kurz vor seinem 30. Geburtstag überschlagen sich auf
einmal die Ereignisse, und dann fällt auch noch die Mauer.
Sven Regeners Kultroman "Herr Lehmann" schaffte es in die Bestsellerlisten;
die Verfilmung von Leander Haußmann kommt am Donnerstag, 2. Oktober, in die
Kinos.
Für Regener, Sänger und Trompeter der Berliner Band Element of Crime, ist
Herr Lehmann keine typische Kreuzberger Figur. "Die Handlung könnte überall
spielen", sagt der Romanautor, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Sein Held
ist ein Mensch, der es sich in seinem alltäglichen Trott bequem eingerichtet
hat, bis ihn diverse Tritte vors Schienbein treffen und er eine neue Richtung
sucht. Doch Haußmanns Filmversion lebt zu einem beträchtlichen Teil von Witzen,
Anspielungen und den Schauplätzen rund um das Kottbusser Tor. Wer die
Kreuzberger Szene nicht kennt, könnte den fast zweistündigen Film an manchen
Stellen als langatmig empfinden.
Die Handlung ist denkbar unspektakulär: West-Berliner Alltag in der
Vorwendezeit. Die Eltern aus Westdeutschland kommen zu einem unerwünschten
Besuch, bei dem Herr Lehmann (Christian Ulmen) sich vergeblich als
Geschäftsführer einer Markthallenkneipe ausgibt. Er verliebt sich in die schöne
Köchin der Kneipe (Katja Danowski), die sich aber nicht auf eine Beziehung
festlegen will. Seine Eltern schicken ihn mit 500 Mark für eine Verwandte nach
Ost-Berlin, aber der DDR-Zoll nimmt Herrn Lehmann das Geld ab und schickt ihn
unverrichteter Dinge zurück.
Nostalgische
Schlussszene
In der Zwischenzeit bandelt die schöne Köchin mit einem Stammgast aus Herrn
Lehmanns Kneipe an und lässt ihn im Stich. Herr Lehmanns bester Freund und
Kneipen-Kollege Karl (Detlev Buck) verliert den Verstand und landet auf der
psychiatrischen Station des Kreuzberger Urban-Krankenhauses. Und den ganzen Film
über schafft es der Held des Films nicht einmal, seinen Freunden den Spitznamen
"Herr Lehmann" abzugewöhnen wo er doch eigentlich Frank heißt.
Christian Ulmen und Detlev Buck geben zwei überzeugende Szenehelden ab. Ulmen
gelingt die Darstellung eines Unentschlossenen, Buck wirkt mindestens so fertig
mit der Welt wie Kneipengänger Karl. Die Schönheit der Köchin ist
Geschmackssache. Regeners absurde Dialoge, die Leser seines Romans begeistert
haben, greifen im Film nur teilweise. Einige Szenen wirken künstlich aufgeregt,
die Kneipen noch düsterer als in Wirklichkeit.
Nostalgisch stimmt dagegen die Schlussszene, der 9. November 1989 - im Roman
nur beiläufig erwähnt. Herr Lehmann, vom Liebeskummer und der Sorge um seinen
Freund Karl geplagt, sieht die Bilder von der Maueröffnung in der Kneipe im
Fernsehen und macht sich auf zur Grenze. Und auf einmal ist Kreuzberg das Tor
zur Welt, alle Chancen bieten sich von Neuem, und nichts muss bleiben, wie es
ist.
| Filmdaten: |
| Titel: |
Herr Lehmann |
| Genre: |
Komödie / Drama |
| Darsteller: |
|
| Regie: |
|
| Land: | D |
| Jahr: | 2003 |
| FSK: |
12 |
| Laufzeit (min): |
105 |