Frankfurt/Main (rpo). Elsner pur und "unplugged": Die Kamera verfolgt sie von fern und von nah, wie sie plaudert, raucht, und beim Kofferpacken ihren unsichtbaren Zuhörern ein paar Dinge um die Ohren haut. Hannelore Elsner wer kennt sie nicht. Eine großartige Schauspielerin in einer offenen und ehrlichen Rolle.
"Mein letzter Film" als Solo-Künstlerin , läuft am 28. November in den Kinos an. Foto:AP
Wieder legt eine alternde Künstlerin mutig ihre seelischen Wunden vor der Kamera bloß und geht mit ihrem Leben und ihren Lieben ins Gericht. In "Die Unberührbare" spielte sie die gescheiterte Schriftstellerin Gisela Elsner, die Selbstmord begeht. Wie gut dieses, von Gisela Elsners Sohn Oskar Roehler gedrehte Melodram ist, fällt im Vergleich mit dem "Letztem Film", der auf Texten von Bodo Kirchhoff beruht, leider erst richtig auf.
Die Schauspielerin Marie bittet einen nicht näher beschriebenen jungen Kameramann, sie dabei zu filmen, wie sie in ihrer Wohnung über die Männer ihrer Vergangenheit spricht. Maries filmische Abrechnung ist ehemaligen Liebhabern zugedacht, - vor allem aber ihrem Ex-Mann Richard, einem Regisseur, den sie verlassen hat.
90 Minuten Elsner pur und "unplugged": Die Kamera verfolgt sie von fern und von nah, wie sie plaudert, raucht, und beim Kofferpacken ihren unsichtbaren Zuhörern ein paar Dinge um die Ohren haut.
Marie lässt bittere, spruchreife Kommentare über beide Geschlechter fallen, sinniert über den Fluch der Schönheit, weint, als sie sich an den Tod ihres Babys erinnert und sprüht Gift, als sie von Richards Untreue und seiner Selbstgefälligkeit erzählt. Manche Momente wirken frei improvisiert und fast dokumentarisch. Und so lässt einen Elsners Präsenz und Intensität an ihrem Gesicht kleben, - was eine Zeit lang verdeckt, dass das Bild Maries psychologisch ebenso unstimmig ist wie "Die Pastorin", die sie in einer TV-Serie mimen muss, und über deren hohle Dialoge sie sich lustig macht.
Schon Maries Abrechnung selbst wirft Fragen auf: Wieso erst jetzt, zwei Jahre nach der Trennung von Richard? 30 Jahre, so lamentiert sie, habe sie Richard als Muse und Hauptdarstellerin gedient; nun will sie sich abnabeln. Dabei kommt auch nicht zur Sprache, ob sie je mit anderen Regisseuren gearbeitet hat: Es scheint, als habe sich Marie aus reiner Liebe vollständig auf Richard fixiert, ja, nur ihm zuliebe überhaupt Filme gedreht. Dabei unterschätzen die Texte des Frauenverstehers Bodo Kirchhoff den lebenserhaltenden Egoismus, den Frauen ebenso wie Männer aufbringen, und bestätigen so aufs Schönste die blinde Selbstgefälligkeit, die Marie bei ihren Männern beklagt.
Kirchhoff und Regisseur Oliver Hirschbiegel, der sich, wie sein Thriller "Das Experiment" zeigte, besser auf Krieg unter Männern als auf die weibliche Psyche versteht, gestehen Marie keine Biestigkeit und kaum eine Schwäche zu, die einen Charakter erst rund machen. Jedenfalls führt Marie auf der Soll-Seite ihrer Bilanz nur ihren Seitensprung mit dem Freund ihrer besten Freundin auf, der Terrorist war.
Aus dem wahren Leben - in dem zwar symbiotische Arbeitsgemeinschaften zwischen Regisseuren und Schauspielern existieren, aber selten über 30 Jahre - hat man kaum gehört, dass von einander getrennte Künstlerpaare zu arbeiten aufhören, um vom anderen los zu kommen. Der kreative Antrieb, ohne den Marie nicht die berühmte Schauspielerin hätte werden können, als die sie sich selbst beschreibt, wird in diesem Film einfach gekappt, weil Männe weg ist.
Als "Frau, die ein neues Leben beginnt", und mal eben ihre Karriere und ihr Talent über Bord wirft, ist Marie in existenzialistisch angehauchten Abschiedsposen zu sehen. Das tönt trotz Elsner so unironisch pathetisch und verquer wie in so vielen deutschen Filmen über Zwischenmenschliches.
| Filmdaten: |
| Titel: |
Mein letzter Film |
| Genre: |
Drama |
| Regie: |
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| Land: | D |
| Jahr: |
2002 |
| Laufzeit (min): |
95 |