Geschönt aber eindrucksvoll: "A Beautiful Mind" - Triumph eines schizophrenen Genies
zuletzt aktualisiert: 25.02.2002 - 10:35Frankfurt/Main (rpo). Dieser Karriere konnte sich Hollywood einfach nicht entziehen: Ein junges Mathematik-Genie entwickelt eine revolutionäre Theorie und kämpft über Jahre mit dem Schicksal seiner paranoiden Schizophrenie.
Von diesem Schicksal erzählt der amerikanische Film "A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn", der große Chancen hat, Ende März bei der Oscar-Vergabe zu triumphieren. In Deutschland läuft der Film am 28. Februar an. Nash, der noch immer lebt, erkrankte als junger Wissenschaftler, dem alle Türen offen standen, an paranoider Schizophrenie. Immer tiefer schlittert Nash in eine gespenstische Doppelexistenz. In deren irrealem Teil hat er zum Beispiel ständigen Kontakt mit undurchsichtigen Figuren wie William Parcher, der ihn für einen Geheimeinsatz als Code-Dechiffrierer anwirbt.
Dieser Parcher wie auch ein Studienfreund samt dessen Tochter existieren nur in der Fantasie des verwirrten Genies. Mit Hilfe seiner attraktiven Frau Alicia kämpft Nash gegen die Krankheit an, die ihn zum Außenseiter macht. Unter größten Mühen und Qualen, gepaart mit immer neuen Rückfällen, gelingt die Rückkehr des Mannes in die Realität. Erst als diese gesichert ist, wird Nash 1994 für seine so lange zurückliegende Entdeckung mit dem Nobelpreis belohnt. Die Zeremonie in Stockholm ist bewegender Höhepunkt eines Forscherlebens am Abgrund. Die Dankesrede von Nash gilt vor allem seiner Frau Alicia, ohne die er sich nicht hätte retten können.
Regisseur Ron Howard und Drehbuchautor Akiva Goldsman haben aus dem realen Schicksal des Nobelpreisträgers ein wirksames Kinodrama gestaltet, das viele Stärken, allerdings auch einige Schwächen Hollywoods aufweist. Zu den Stärken gehört zweifellos die Besetzung der Hauptrolle des John Nash mit Russell Crowe, der 2001 den Oscar als bester Schauspieler erhielt. Der australische "Gladiator" beweist erstaunliches Einfühlungsvermögen in die schwierige Darstellung eines von Verfolgungswahn geplagten Schizophrenen. Crowe widersteht der Versuchung, zu dick aufzutragen, macht aber trotzdem Nash mit Pausbackencharme zu dem Sympathieträger, den die Leinwand braucht.
Die nette Jennifer Connelly, ein früherer Kinderstar, schlägt sich ordentlich als Ehefrau Alicia. Warum das allerdings eine Oscar-Nominierung wert sein soll, erschließt sich dem Betrachter nicht ganz. Hingegen sind die Nominierungen von Crowe, Howard und Goldsman leicht zu verstehen: Sie alle haben es intelligent und effektvoll verstanden, eine im Grunde sperrige Geschichte so zu gestalten, dass auch ein verwirrter Mathematiker die Herzen anrührt. Und wie die geniale Theorie und auch die paranoide Schizophrenie visualisiert werden, das ist schon aller Bewunderung wert, weil es viel leichter aussieht, als es zu machen ist.
Allerdings hat Drehbuchautor Goldsman Nashs wahre Biografie, vor allem die keineswegs so harmonische Ehegeschichte nach allen Regeln der Kunst geschönt. Wer davon weiß, wird den zweistündigen Streifen mit etwas distanzierteren Gefühlen ansehen. Gleichwohl sind solche Verfälschungen wohl der Preis dafür, aus diesem Stoff eine süffige Kinoware zu machen.
Die deutsche Kritik daran ist nicht unberechtigt, doch besserwisserisch: Was hindert eigentlich unsere Filmemacher, aus der Liebesgeschichte zwischen den Geistesheroen Martin Heidegger und Hanna Arendt oder Werner Heisenbergs umstrittenen Kriegsbesuch bei Niels Bohr in Kopenhagen packende, anrührende Kinodramen für Millionen zu machen?
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