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Film-Kritik: "Abgefahren": Annäherung per Gaspedal

zuletzt aktualisiert: 29.03.2004 - 16:32

Frankfurt/Main (rpo). Um schnelle Autos dreht es sich in dem Film "Abgefahren - Mit Vollgas in die Liebe". Und da nicht nur Männer am Steuer sitzen, sondern auch die 20-jährige Mia, geht es auch um Liebe. Mit emanzipatorischen Akzenten will Regisseur Jakob Schäuffelen ein Filmgenre, das seit dem Ami-Streifen "Fast and Furious" auch hierzulande enorm Anklang findet, zeitgeistig aufpeppen.

Es ist durchaus eine nette Abwechslung, eine 20-jährige Heldin am Steuer zu sehen, die sich ohne sichtbares Make-Up und in praktischen Klamotten durch die Welt bewegt, und deren Leidenschaft Motoren statt Männer sind. Vorerst jedenfalls. Mias Mutter allerdings bringt das unglamouröse Outfit ihrer Tochter, die als Fahrradkurierin jobbt, fast zur Verzweiflung. Doch während sich die Mutter für ihren Lover und dessen Ferrari aufrödelt, bringt Mia Mutters Käfer heimlich auf Touren, um bei illegalen Rennen mitzufahren: Fernziel ist die Rallye Paris-Dakar, die 2001 bekanntlich erstmals eine Frau, die Deutsche Jutta Kleinschmidt, gewonnen hat.

Beim Ausrüsten im "Tuning-Center" lernt Mia den größten Schönling und dreistesten Macho der Rennszene kennen: Cosmo, ein unverschämt gut aussehender Sunnyboy, der auf die abweisende Mia total abfährt. Und kurz darauf radelt Mia Sherin über den Weg, die beruflich Fahrlehrerin ist, privat aber einen rein weiblichen Rennstall betreibt, wo sich tatsächlich besagte Frauen im Bikini auf der Motorhaube räkeln.

Man kann sich den Rest der Story fast zusammenreimen: Sherin nimmt Mia in ihre Clique auf, und gemeinsam wollen sie Cosmo die Stirn bieten - immer nach dem Motto: "Lass keinen Man ran, wenn's eine Frau besser kann". Ha! Und während sich das verhinderte Paar Mia/Cosmo streitend und neckend auf die Ziellinie zubewegt, müssen eine Hand volltiefer gelegterr Nebenfiguren den beiden ordentlich einheizen.

Für alle potenziellen Zuschauer ist etwas auf dem Rücksitz: Cosmos prolliger Freund Schraube ist für wüste Zoten zuständig, Liane, Cosmos eifersüchtige Ex-Freundin, sät Zwietracht. Der sexbetonten Sherin gelingt es entgegen allen Erfahrung, aber ganz im Einklang mit den Gepflogenheiten des Genres, auch mit Stöckeln Rennen zu fahren; im übrigen ist sie lesbisch und also nicht nur beim Rennen Cosmos Konkurrentin. Was für ungewohnt heiße Szenen sorgt. Und bei all den amourösen Annäherungen per Gaspedal wird heftig herumgebrettert mit allem, was vier Räder hat, und überall, wo Platz ist: auf stillgelegten Bahnhöfen und in Minen. Immerhin nicht auf Autobahnen.

Dabei gelingt es Schäuffelen ganz gut, die anspruchslose Story ohne allzu debile Momente und dennoch mit angemessener Lockerheit zu inszenieren. Er hat Sinn für Timing und für schlagfertige Geschlechterkampf-Dialoge, wie auch schon seine Beteiligung am Konzept der TV-Anwaltsserie "Edel & Starck" bewies. Und er hat mit Felicitas Woll, auch sie ein aufgehender Stern am Fernsehhimmel, die richtige Darstellerin gefunden.

Für die knorke Heldin der TV-Serie "Berlin, Berlin" ist diese Kratzbürstenrolle genau das Richtige. Knackig, kurzhaarig und dickköpfig, wird sie wohl auch im Kino ihren Fans gefallen. Außerdem stimmt die Chemie zwischen ihr und dem gut aussehenden Sebastian Ströbel, ein weiterer "Joker" für die wohl vorwiegend weibliche Zielgruppe: Denn er ist nicht halb so fies, wie er redet. Somit hat dieser deutsche Teeniefilm durchaus Erfolgschancen - warum soll man auch immer Hollywood das Geschäft überlassen.

Mia (Felicitas Woll) mag heiße Schlitten. Klar, dass die Teilnahme an einem Autorennen ihr großer Traum ist.  Foto: RPO
Mia (Felicitas Woll) mag heiße Schlitten. Klar, dass die Teilnahme an einem Autorennen ihr großer Traum ist. Foto: RPO

 
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