Kino-Kritik: Abrechnung mit dem Vater
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 07.08.2008 - 09:49Düsseldorf (RP). Als das Schicksal zugeschlagen hat, schnell und hart wie der Baseballschläger, der das Unglück in Gang setzt, ist die Falsche tot. Lisa war die Ausgleichende in der Familie: sanft, mitfühlend, mütterlich, ohne jede Betulichkeit. Eine Frau, wie sie Julia Roberts spielen kann. Eine Mutter, wie man sie gerne hätte.
Den Vater nicht. Charles ist ein kleinlicher Perfektionist, unzufriedener Literaturprofessor, Familientyrann. Vor allem Sohn Michael hat unter den übertriebenen Ansprüchen des magensauren Fieslings zu leiden, der sein Kind zur Strafe in der Garage stehen lässt, zwei Eimer Wasser an den ausgestreckten Armen, bis er fast zusammenbricht. Doch ausgerechnet Vater Charles, mit überzeugendem Selbsthass gespielt von Willem Dafoe, überlebt den Autounfall. So führt eine Beerdigung eine Familie zusammen, und die Abrechnung kann beginnen.
Doch lässt Dennis Lee in seinem Spielfilmdebüt „Zurück im Sommer“ nun nicht die Fetzen fliegen, sondern umkreist seine Figuren ruhig, beobachtend und blendet elegant zurück in die Vergangenheit. Doch die angenehm gelassene Stimmung in diesem Film hilft nicht darüber hinweg, dass die eigentliche Erkundung des Beziehungsgeflechts in dieser Familie banal bleibt. Vieles wird nur angedeutet, nicht erforscht. Den drastischen Vater-Sohn-Szenen fehlt der Hintergrund. Was sich sonst noch in dieser Familie tat, wird beim Abtrocknen nach dem Abendessen verhandelt und hat auch das Niveau von Küchenpsychologie.
Dazu wird dem zuvor so lakonisch zirkulierenden Film am Ende noch das große Beschwichtigungsfinale zugemutet, verräterische Schriften landen im Feuer, Babys kündigen sich an. So viel heitere Zuversicht verträgt ein Film nicht, der mit ernstem Ingrimm begann und antrat, als wolle er der heilen amerikanischen Film-Familienwelt ein wenig Realismus entgegensetzen.
Man könnte alles auf das frühe Ableben von Julia Roberts in dieser Geschichte schieben. Tatsächlich gibt sie dem Geschehen anfangs diesen Schuss kitschfreier Wärme. Doch auch Willem Defoe, Ryan Reynolds und Emily Watson hätten den Film weiter getragen – hätte er weniger Sentimentales zu erzählen gehabt.
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