Gebrochene Komödie, die nicht immer lustig ist: "Adam und Eva" - Eine unromantische Ehekomödie
zuletzt aktualisiert: 24.06.2003 - 09:57Hamburg (rpo). Der österreichische Regisseur Paul Harather beginnt mit seinem Film da, wo romantische Komödien am Ziel sind. Feuerwehrmann Adam rettet Eva heroisch aus einem brennenden Haus, und sie haucht: "Sieht so der Himmel aus?" Abspann, vier Jahre später: Die beiden überlegen, ob sie sich scheiden lassen sollen.
Nach dem Happy End breitet der Alltag seinen Grauschleier über jeder Lovestory aus. Deswegen, so dichtete Kurt Tucholsky, wird nach dem Happy End im Kino immer abgeblendet. Gar so trostlos wie in diesem Gedicht geht es in der Beziehungskomödie "Adam und Eva" nicht zu. Dafür ist Marie Bäumer als Eva noch viel zu attraktiv. Nur weiß der eheblinde Adam (Simon Schwarz) dies schon nach wenigen Jahren des Zusammenlebens nicht mehr zu würdigen. Jeden ihrer Handgriffe, jede ihrer Bemerkungen kann er morgens beim Frühstück vorhersagen. Dann aber schreckt sie ihn mit dem Vorschlag, man könne sich ja scheiden lassen, aus dem Gewohnheitstrott. So sieht es aus, nach dem grotesk verkitschten Happy End, mit dem die Geschichte von Adam und Eva ihren Anfang nimmt.
Nach der heroischen Rettungsaktion des Feuerwehrmanns Adam folgt der Abspann, dann setzte der Film vier Jahre später wieder ein. Eva wünscht sich ein Kind, Adam drückt sich vor der Verantwortung. Die Konflikte um eine einvernehmliche Familienplanung stehen für Regisseur Harather ("Indien") im Zentrum dieser Beziehungs-Farce. Hier wird nach dem Domino-Prinzip ruiniert, was allerdings bei aller Liebe auch durch ein Baby nicht mehr zu retten gewesen wäre. Der inzwischen längst nicht mehr heroische Adam betrügt Eva mit dem Kindermädchen, das den Nachwuchs seines Bruders hütet. Eva rächt sich mit einem alten Verehrer.
Alltägliches wird mit Absurdem ausbalanciert
Betrug und Gegenbetrug befördern diesen Ehe-Crash, führen zur Scheidung und neuen Beziehungsversuchen. Die Geschichte von Adam und Eva gestaltet sich vertrackter als themenverwandte TV-Movies, hält darum auch mehr überraschende Wendungen bereit. Wenn Adam am Weihnachtsabend im Haus der Schwiegereltern heimlich mit seiner Geliebten telefoniert, und die akustische Orgie per Babyfon live ins Wohnzimmer übertragen wird, ist nichts mehr heilig an dieser Nacht und familiärem Common Sense.
Die Verwandlung vom Helden zum Beziehungstölpel hat Simon Schwarz gut genug im Griff, um die Figur nicht der Lächerlichkeit Preis zu geben. Analog zu seiner Jämmerlichkeit wird Marie Bäumer als Eva immer schöner und stärker. Diese Rolle geht nicht wie ihre bravouröse Performance in Oskar Roehlers Psychostück "Der alte Affe Angst" an die Substanz. Hier befinden wir uns in einer gebrochenen Komödie, die nicht immer lustig ist und nichts eigentlich Tragisches hat.
Harathers komisches Beziehungsdrama ist ein Unterhaltungsfilm, der das Alltägliche mit dem Absurden ausbalanciert. Was gelegentlich zur Unentschiedenheit zwischen Banalität und Hintersinn führt. Zwischen Ernst und Leichtigkeit bemüht er sich, eine alte Geschichte neu zu erzählen: Die Geschichte einer Liebe, die sich als unzerstörbar erweist. Das wirklich bemerkenswerte an dieser Lovegeschichte ist, dass sie ohne Romantik und Kitsch auskommt. Und ihr Publikum mit der Erkenntnis verabschiedet, dass das Paradies eine Illusion ist.
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