Nicolas Cage in Doppelrolle: "Adaption": Intelligenter Spaß um schreibende Zwillinge
zuletzt aktualisiert: 10.03.2003 - 12:52Frankfurt/Main (rpo). Charlie ist Drehbuchautor mit Schreibblockade, der sich mit der Adaption eines Bestsellers über einen kauzigen Orchideen-Wilderer überfordert fühlt. Zwillingsbruder Donald dagegen schreibt schnell eine banale Filmvorlage über einen Serienmörder, die er auf Anhieb verkauft. In der Doppelrolle des Zwillingspärchens in "Adaptation" brilliert Nicolas Cage.
Charlie Kaufman hat als Drehbuchautor des reichlich schrägen Films "Being John Malkovich" zusammen mit Regisseur Spike Jonze einen großen Erfolg gehabt. Nun hat das originelle Duo erneut mit "Adaption" zugeschlagen. Der Titel des am 13. März in die Kinos kommenden Streifens deutet bereits auf eine der wichtigsten, aber auch mühevollsten Arbeiten eines professionellen Drehbuchautors, nämlich die Verwandlung eines erfolgreichen Romans in ein Skript für einen möglichst noch erfolgreicheren Film.
Kaufman und Jonze erzählen in "Adaption" in ebenso intelligenter wie origineller Weise, welchen Qualen so ein geplagter Drehbuchautor bei dieser Mühsal ausgesetzt ist, wie sich Realität und Fiktion vermischen und wie aus einem Charlie Kaufman zwei werden. Der geniale Kunstgriff des höchst vergnüglichen Hollywood-Spaßes ist nämlich die Aufspaltung der schreibenden Hauptfigur in die Zwillingsbrüder Charlie und Donald, beide verkörpert von dem endlich mal wieder schauspielerischen Ehrgeiz zeigenden Nicolas Cage.
Als Charlie ist er ein von tiefen Selbstzweifeln gelähmter Erfolgsschreiber, der sich mit der Adaption eines Bestsellers über einen kauzigen Orchideen-Wilderer in den Sümpfen Floridas völlig überfordert fühlt. Außerdem ist dieser Charlie gehemmt und macht bei Frauen alles falsch, was nur falsch zu machen ist.
Ganz anders hingegen der lockere Zwilling Donald: Der schreibt nach Absolvierung eines mit Banalitäten gespickten Drehbuchseminars eine nicht weniger banale Filmvorlage über einen multiplen Serienmörder, die er auf Anhieb verkauft. Und im Gegensatz zu Charlie hat Donald alles andere als Sexnotstand.
Der wiederum treibt im parallelen Erzählstrang des Films die Bestsellerautorin Susan Orlean, eine New Yorker Intellektuelle, in die Arme des Orchideen-Wilderers John Laroche. Der ist zwar immer für einen heißen Spruch gut, ist aber schrecklich ungepflegt und macht sich nicht das Geringste aus seinem verwahrlosten Gebiss. Chris Cooper spielt diese Figur so hinreißend glaubwürdig und mit so viel animalischem Charme, dass man akzeptieren kann, eine Frau wie Susan, noch dazu von Meryl Streep verkörpert, in seinen Armen landen zu sehen.
Doch sei gewarnt: Was Realität und was Fiktion ist, wird in "Adaption" nicht säuberlich auseinander gehalten. Schon die Benennung der Drehbuch schreibenden Hauptfigur nach dem realen Verfasser des Drehbuchs weist darauf hin, wie spielerisch dieser Film angelegt ist. Trotzdem gibt es mehr als einen Insider-Spaß zu schauen, denn auch die weiteren Frauenrollen sind mit Tilda Swinton und Maggie Gyllenhaal bestens besetzt. Jonze und Kaufman haben sicherlich keinen Film für das ganz große Publikum im Sinn gehabt. Aber sie vergessen bei allen Handlungsabsurditäten nie, Figuren auf die Leinwand zu bringen, die das Interesse fesseln.
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