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Film-Kritik: Alexander: Ruhm hat seinen Preis

zuletzt aktualisiert: 20.12.2004 - 09:28

Je übermenschlicher die Taten, desto schrecklicher die Strafen der Götter: So macht der Makedonierkönig Philipp seinem Sohn Alexander den Preis seines Strebens nach Unsterblichkeit klar. Ein akzeptables Schicksal für den ehrgeizigen Alexander. Doch das ist nur ein Aspekt, den Oliver Stone in seinem Historienfilm an dieser faszinierenden und bis heute rätselhaften Persönlichkeit aufzeigt.

Für Alexander (Colin Farrell) sind die griechische Mythologie und die Weisheiten seines Lehrers Aristoteles (Christopher Plummer) Leitfaden und Triebfeder zugleich. Mutter Olympias (Angelina Jolie) hat ihrem Sprössling eingeimpft, dass er als Abkömmling aus dem Stamme Achills zu etwas Besonderem erkoren ist. Mit Ehrgeiz und Wissensdrang begegnet er seiner Welt und beginnt sie zu erobern.

Als unbezwingbarer Feldherr kämpft er neben seinen Leuten, treibt sie in unbekannte Gegenden und versucht eine Brücke zwischen den Völkern der westlichen Welt und des Orients zu schlagen - in Anbetracht der heutigen Weltlage ein noch immer aktuelles Problem. Die Lichtgestalt des Altertums ist kompromisslos und visionär, ein Entdecker, aber auch ein unberechenbarer und leidenschaftlicher Mensch, der am Ende vor allem an sich selbst scheitert.

Alexanders Leistung gilt auch aus der heutigen Sicht als enorm. Sein Leben auf die Leinwand zu bannen, muss man daher gleichermaßen als Herkules-Tat würdigen. Immerhin machten sich zwei der mutigsten Filmemacher daran, dieses Projekt zu stemmen. Oliver Stone, bitterer Chronist der amerikanischen Geschichte, wagte sich gemeinsam mit dem deutschen, stets risikobereiten Produzenten Thomas Schühly, antikes Neuland zu betreten. Die Zeit schien reif, um Alexander auch im 21. Jahrhundert ein Denkmal zu setzen.

Mit modernster Computertechnik rekonstruierte man Schlachten, die das strategische Genie des jungen Feldherrn unterstreichen sollen. Gewohnt farbenprächtig und pseudoexotisch ließ man Babylon mit seinen hängenden Gärten entschaffen. Es entstand eine morgenländische Welt, die zwar kein überraschend neues Bild ergibt, aber sehr schön anzusehen ist. Und inmitten des Historiengemäldes zeigt uns Stone einen jungen idealistischen Alexander, der leidenschaftlich kämpft, liebt und als Opfer seiner Ideale und Visionen am Ende scheitern muss.

Doch so richtig bekommt Stone seinen Helden nicht in den Griff. Alexanders Handeln wird vielleicht in seiner fragmentarischen Erzählweise akademisch verständlich, bleibt aber emotional an der Oberfläche. Erst in seiner letzten Schlacht in den Wäldern Indiens erreicht Stone mit seinen wie im Drogenrausch gefilmten Bildern eine Intensität, die unter die Haut geht. Hier lebt der Mythos Alexanders in allen Bildern und hier lebt auch Oliver Stone, ähnelt sein indischer Dschungelkampf doch sehr Kampfszenen aus Vietnam.

Heutzutage strafen nicht Götter, sondern Kritiker und Publikum. Die schlechten Einspielergebnisse vom US-Startwochenende und die zurückhaltenden Kritiken deuten auf ein frühes Sterben an den Kinokassen hin. Und das hat in der Filmindustrie bisher noch nie zu großem Ruhm geführt.

Quelle: afp

 
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