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Kinofilm "Arrival"
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Alien-Film "Arrival": Amy Adams spielt eine Wissenschaftlerin
Amy Adams geht als Wissenschaftlerin auf eine schwierige Mission. FOTO: Screenshot: Youtube (Sony Pictures Entertainment)
Düsseldorf. In dem großartigen Film "Arrival" tauchen an unterschiedlichen Orten der Erde außerirdische Raumschiffe auf. Was wollen die Fremden? Amy Adams spielt eine Wissenschaftlerin, die den ersten Kontakt herstellen muss. Von Martin Schwickert

Am Verhalten von Kindern lässt sich gut erkennen, dass die Neugier und die Angst vor etwas Fremdem gleichberechtigt in der menschlichen Natur angelegt sind. Ob man auf das Unbekannte zugeht oder es fürchtet, ist eine Entscheidung, die im Moment der Begegnung getroffen werden muss. Das Science-Fiction-Genre hat den widersprüchlichen Umgang des Menschen mit dem Fremden in metaphorischen Zukunftsräumen oft erkundet. Auf den Reisen der U.S.S. Enterprise in entfernte Galaxien wurden Neugier und Forschungsdrang auf abenteuerliche Weise ausgelebt. Aber was, wenn nicht wir in die Fremde reisen, sondern das Fremde zu uns kommt?

Diese Frage wurde in zahllosen Alien-Filmen erörtert, und das Spektrum reichte von der putzigen Begegnung mit einem liebenswerten "E.T." bis zu den gesichtslosen Invasoren in "Independence Day". In seinem neuen Film "Arrival" hat sich der frankokanadische Regisseur Denis Villeneuve ("Sicario") nun das klassische Science-Fiction-Sujet vorgenommen, um es mit einem genauen, zeitgemäßen Blick neu zu untersuchen.

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Zwölf Raumschiffe tauchen an verschiedenen Orten auf der Erde auf und verharren einige Meter über dem Boden. Während sich in Medien und Öffentlichkeit Paranoia-Szenarien breitmachen, rekrutiert die US-Armee die Linguistin Louise Banks (Amy Adams), die mit dem Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) den Kontakt zu den Außerirdischen herstellen soll.

Furcht und Neugier

In dicken Schutzanzügen besteigen die Wissenschaftler das Raumschiff und stehen zwei Tentakel-Wesen gegenüber, mit denen sie eine Kommunikationsform zu entwickeln versuchen. Die ersten Sprechkontakte verebben im Ungefähren, aber auf Schrifttafeln antworten die Außerirdischen mit komplexen Tinten-Symbol-Gemälden, die nun in minutiöser Sprach-Kennenlern-Arbeit entschlüsselt werden müssen. Während Louise immer faszinierter in die Kommunikation eintaucht, den Schutzanzug ablegt und auch in all ihrer seelischen Verletzbarkeit den Aliens gegenübertritt, verlieren Militärs und Realpolitiker zunehmend die Geduld.

Verschwörungstheoretiker haben Hochkonjunktur, die internationale Kooperation beginnt zu bröckeln, China und Russland fahren einen aggressiveren Kurs gegenüber den Eindringlingen, die mit ihrer reglosen Präsenz politische und militärische Hyperaktivität provozieren.

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Furcht und Neugier - das sind auch die beiden Pole, zwischen denen Denis Villeneuve seine Geschichte über die Begegnung mit dem Unbekannten ansiedelt. Das Magnetfeld, das er dazwischen aufbaut, hat die Grundspannung eines klassischen Genrefilms und gleichzeitig ein großes philosophisches Energiepotenzial. Und natürlich ist dieses Setting auch als politische Analogie über den Umgang mit dem Fremden zu verstehen, der die westlichen Gesellschaften im Zeitalter von Trump, Brexit und Pegida mehr denn je polarisiert.

Eine glaubwürdige Protagonistin

Gleichzeitig hallt der Resonanzkörper dieses Filmes weit über tagespolitische Bezüge hinaus. Denn während hier Militärhubschrauber knattern und Mediengewitter heraufziehen, werden drinnen in der Ruhe des Raumschiffes elementare Fragen von Sprache und Kommunikation erörtert, neue Zeit- und Raumdimensionen erkundet und die menschliche Existenz in Relation zum kosmischen Ganzen gesetzt. Hinzu kommt die schlüssige Psychologie der weiblichen Hauptfigur, die dank der abermals fabelhaften Amy Adams auf sehr glaubwürdige Weise eigene Verlusterlebnisse einbindet und gerade dadurch die notwendige Sensibilität für die Kommunikation mit den Außerirdischen entwickelt.

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Das alles wird auf eine sehr sinnliche, vielschichtige und cineastische Weise erzählt. Statt visuellen Digitalorgien lassen ein sparsames, entschlacktes Design, eine hochkonzentrierte Kameraarbeit und ein fantastischer, sphärischer Soundtrack das Kino zu einem echten Erlebnisraum werden.

Arrival, USA 2016 - Regie: Denis Ville- neuve, mit Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, 116 Min.

Quelle: RP
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