Britischer Film mit großartiger Besetzung: Alles über Freudschaften in "Letzte Runde"
zuletzt aktualisiert: 28.10.2002 - 14:34Frankfurt/Main (rpo). Drei rüstige Rentner haben einen skurrilen Auftrag: Sie sollen die Asche ihres besten Freundes im Meer verstreuen. Die Reise zur Küste bietet reichlich Zeit zu sentimentalen Rückblicken und für Gespräche, in denen jeder der vier auf seine Art das Verhältnis zu dem Toten regelt.
Vic, Ray und Lenny sind drei Männer im rüstigen Rentneralter. Wieder einmal stehen sie am Tresen ihrer Londoner Stammkneipe. Nur einer fehlt zur gewohnten Runde: Jack. Auf überraschende Art wird diese vervollständigt: Vic, von Beruf Bestattungsunternehmer, stellt eine Urne auf den Tisch, in der die Asche von Vic ist. Dessen letzter Wunsch ist es, dass seine Freunde nach Margate fahren und dort seine Asche ins Meer streuen. Die Fahrt beginnt, und es wird eine Fahrt in die Vergangenheit.
Nach dem etwas makabren Auftakt wären zwei extreme Fortsetzungen möglich: eine billige Klamotte oder ein kitschiges Rührstück. Doch der britische Film "Letzte Runde", der ab 31. Oktober in die Kinos kommt, ist ein kleines leises Meisterwerk, in und bei dem auch Männer weinen dürfen. Dazu tragen unter der Regie von Fred Schepsi entscheidend die hervorragenden Schauspieler bei. Im Mittelpunkt stehen Bob Hoskins als harter Zocker Ray mit weichem Kern, Helen Mirren, Jacks stille, einfühlsame Ehefrau mit eigenem Willen, und natürlich Michael Caine.
Film nimmt sich viel Zeit
Er verleiht der Hauptfigur, dem lebenslustigen Jack, ein pralles Leben voller Hoffnung und Verzweiflung. Caine ist der unbestrittene Star dieses Filmes, ohne dabei die Kollegen an die Wand zu spielen. In dankbaren Nebenrollen sind Tom Courtenay als Vic, David Hemmings als Ex-Boxer Lenny und Ray Winstone als Vics Sohn Vince, der nicht den elterlichen Metzgerladen übernahm, sondern Autohändler wurde.
Die Reise in die Vergangenheit vollzieht sich in Rückblenden, die sorgfältig in die Reise an die Küste eingebaut sind. Behutsam werden in ihnen die Beziehungen der Freunde untereinander und ihr persönlicher Werdegang aufgedröselt, der Film nimmt sich viel Zeit zum Erzählen. Es ist die Welt der kleinen Leute und ihrer kleinen erfüllten und unerfüllten Träume vom Glück, die froh sind, als junge Soldaten den Zweiten Weltkrieg überlebt zu haben.
Doch im Kino ist das natürlich alles ein klein bisschen dramatischer, aber immer glaubhaft und nie überdreht. Und so gibt es eine Reihe kleiner Lebenslügen, die bei dieser Bestandsaufnahme aufgearbeitet werden. Da ist Jack und Amys behinderte Tochter, die von ihrem Vater in ein Heim abgeschoben wurde, weil er sich damit nicht abfinden konnte. Oder die Tatsache, dass Vince nicht der leibliche Sohn ist, sondern adoptiere wurde. Dann die heimliche, wenn auch kurzfristige Liebesbeziehung zwischen Amy und Ray.
Die Fahrt nach Margate - Vince fährt die drei Freunde seines Vaters - bietet reichlich Zeit zu sentimentalen Rückblicken und für Gespräche, in denen jeder der vier auf seine Art das Verhältnis zu dem Toten regelt. Und dabei auch noch eine Bilanz des eigenen Lebens zieht. Es ist ein Film über Männerfreundschaften und die Kunst des Abschiednehmens. Dem Publikum bietet er nicht nur sehr gute Unterhaltung, sondern auch eine gute Botschaft: Das Ende des Alten ist auch die Chance für etwas Neues.
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