Drama "Wüstenblume" nach dem Bestseller von Waris Dirie: Allzu modisches Aufstiegsmärchen
VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 24.09.2009 - 03:45(RP). Sherry Hormann, die in New York geboren und an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film ausgebildet wurde, hat bei einigen besseren Beziehungskomödien der neunziger Jahre Regie geführt: "Frauen sind was Wunderbares" und "Irren ist männlich" zeichnen sich, trotz der genreüblichen Glätte, durch Professionalität, Eleganz und differenzierte Figurenzeichnung aus.
"Wüstenblume" fügt sich nahtlos in das Werk dieser Regisseurin, nur dass diesmal die professionelle Glätte für Unbehagen sorgt. Denn "Wüstenblume" ist keine Beziehungskomödie und, obwohl ein Topmodel im Mittelpunkt steht, auch kein glanzvolles Porträt der Modewelt wie "Der Teufel trägt Prada". Mit "Wüstenblume" soll einem breiten Publikum das Thema der Genitalverstümmelung bei Mädchen nahegebracht werden.
Schon die Tatsache, dass ein Topmodel die Weltöffentlichkeit auf dieses Thema aufmerksam machen musste, mutet wie ein schlechter Scherz an. Wenn die aus Somalia geflohene Waris Dirie in ihrem Londoner Exil Putzfrau geblieben wäre, hätte sich niemand für ihr Schicksal interessiert. So aber hetzte sie von Talkshow zu Talkshow und veröffentlichte 1997 einen Bestseller, "Wüstenblume", der allein in Deutschland drei Millionen Leser gefunden hat.
Lieber so als gar nicht, möchte man angesichts der wertvollen Aufklärungsarbeit sagen, die Waris Dirie geleistet hat. Aber der Film interessiert sich mehr für ihren märchenhaften Aufstieg zum Topmodel als für ihre seelischen Verletzungen. Die Hauptrolle wurde der Äthiopierin Liya Kebede anvertraut, die zwar wunderschön und dazu noch sympathische, aber keine überragende Schauspielerin ist. Man glaubt ihr das etablierte Topmodel, nicht den schweren Weg dorthin.
Für ein paar bedrohliche Momente sorgt Neil (Craig Parkinson), mit dem Waris eine Scheinehe eingeht, um nicht abgeschoben zu werden. Er hält es nicht aus, mit einer attraktiven Frau zusammenzuleben, die er nicht berühren darf, und wird zudringlich. Aber nur ein bisschen. Schließlich will der Film niemandem wehtun.
Zu dumm, dass es da noch das Thema der Beschneidung gibt. Der Film hebt sich deren Darstellung für ganz spät auf. Das Ritual schockiert trotz einer diskreten Kamera. Aber der Schock wird dadurch verringert, dass wir schon die erwachsene Waris kennen, die alle Qualen überstanden hat.
Die Zielgruppe ist klar: Leserinnen von Modezeitschriften, die ein wenig über das Elend in der Welt erfahren wollen, aber nicht zu viel bitte. Man kann nur sagen: Der Zweck heiligt die Mittel. Vielleicht muss man die Geschichte von Waris Dirie so geschönt aufbereiten, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
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