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Film-Kritik: Almost Heaven: Weit weg vom Himmel

zuletzt aktualisiert: 22.08.2005 - 08:55

In Detlef Bucks "Männerpension" schmetterte Heike Makatsch ihr fröhliches "Stand by your man", und das war witzig. Jetzt singt sie im ganzen Film, und das ist weniger witzig. Karibische Klischees machen "Almost Heaven" bisweilen so klebrig wie Kokos-Riegel: Ein Roadmovie mit krudem Charme, bestenfalls.

Als todkranke Country-Amateursängerin Helen, die vom Wunsch beseelt ist, einmal im legendären Bluebird-Café in Nashville, Tennessee, aufzutreten, gerät Heike Maktsch durch ein Missverständnis nach Jamaica. Und da ist Country so fehl am Platz wie umgekehrt Reggae im mIttleren Westen.

Gerade diese Absurdität macht die Tragikomödie viel versprechend: Wenn Helen, angetan mit Cowboyhut und -stiefeln, im Krankenhaus eine zufällig anwesende Punkerin ansingt, entwickelt die Ausgangslage durchaus krausen Witz. Dann erfährt sie von der Einladung nach Nashville, die ihr fürsorglicher Ehemann vor ihr versteckt hielt, und packt die Koffer. Um sie statt in die USA nach Jamaica zu bringen, kommt nun ein Mechanismus von Zufällen in Gang, dessen quietschendes Räderwerk nicht zu überhören ist - so wenig wie Helens Gesangseinlagen in erzwungenen Reisepausen.

Und zur singenden Einkehr hat sie Grund genug, denn ihr Trip erweist sich als eine aus Drehbuchkalkül zusammengeschusterte Pannen-Odyssee. Mag es noch angehen, dass Helen in der Hektik ihren Flug vertauscht, so bleibt doch kaum nachvollziehbar, wieso sich die selbstbewusste Frau in Jamaica der Trickdiebin Rosy anvertraut - nachdem sie diese beim Betrug erwischt hat. Rosy, mit der sie im gemieteten Auto durchs Land zum Flughafen Montego Bay fährt, erweist sich denn auch als wandelnde Katastrophe, die alle Anstrengungen Helens, ihren Zielort zu erreichen, zunichte macht.

Ein todkrankes Cowgirl am Karibik-Strand

Das muss auch so sein, denn im Road-Movie-Genre geht es um tiefere Einsichten, die das Unterwegssein verschafft. Doch Mentalitätskonflikte führen in diesem jamaikanisch-deutschen Trip zu moralinsauren Trübsinn statt zu Humor. Auch der Zusammenprall von US-Heimatliedern mit brunftgesteuertem Reggae bleibt so unspannend wie die dokumentarischen Bilder vom Wegesrand, die zeigen wollen, dass Jamaica außerhalb von All-Inclusive-Bunkern ein armes Land und der gemeine Tourist ein totaler Ignorant ist. Klar ist auch, dass die schlampige Rosy mit Hilfe der Todkranken am blassen deutschen Wesen genesen wird.

Doch wenn beim Zusammenführen der Fäden am Strand wie per Zaubertrick Helens heimatlicher Anhang auftaucht, scheint das Filmteam es sehr eilig zu haben, die Kamera fallen zu lassen und sich endlich in die Sonne zu legen. Ebenso bequem wie befremdlich ist auch die fast durchgängige Verwendung des Englischen samt deutscher Untertitelung. Der deutsche Akzent, den man trotz ihres langjährigen London-Aufenthaltes auch in Makatschs Gesang heraushört, erweist sich als untilgbarer Misston.

Andererseits ist es gut, dass die Songtexte - der Filmtitel bezieht sich auf John Denvers Gassenhauer "Country Road" - nicht auf Deutsch übersetzt wurden, denn sonst käme das von Rosy so genannte "whining", das Country-typische Winseln, noch stärker zur Geltung. Heike Makatsch hat keine schlechte Stimme, doch ihre sicherlich tief empfundene, aber nuancenarme Vertonung nervt am Ende noch mehr als die filmischen Ungereimtheiten.

Quelle: ap

 
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