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Film-Kritik: Am Tag als Bobby Ewing starb: Ey, Widerstand!

zuletzt aktualisiert: 30.05.2005 - 09:15

Das waren noch Zeiten: Das Haar war Henna-rot, Tiere wurden nicht gegessen, sondern höchstens totgestreichelt, und am Abend gab's ein Glas Wein von freilaufenden Trauben. So war das, damals in der WG. Im Hintergrund lief "Dallas" im TV, aber das guckte natürlich keiner. "Am Tag, als Bobby Ewing starb" ist ein plakativ-komödiantisches Porträt über die Achtziger und ihre Alternative(n).  

Humorvoll erzählt Regisseur Lars Jessen eine Geschichte von Müsli-Essern, Sitzblockaden, Atomkraftwerken, Molotow-Cocktails und der ersten großen Liebe. Man schreibt das Jahr 1986. Die Protestbewegung gegen den Bau des Atomkraftwerks in Brokdorf ist in den letzten Zügen. Nur eine letzte Landkommune in Norddeutschland, gegenüber dem im Bau befindlichen Atomkraftwerk Brokdorf, ist übrig geblieben. Sie will den friedlichen Widerstand nicht aufgeben. Doch eines Tages kommen aus Bremen Hanne (Gabriela Schmeide) und ihr 17-jähriger Sohn Nils (Franz Dinda) in die WG, einen alten Bauernhof, auf dessen Mauern ein großer Regenbogen prangt.

Hier regiert Peter als Kommunen-Oberguru. Peter Lohmeyer sieht mit seinen schulterlangen glatten Haaren wie ein junger, schlanker Klon von Gerard Depardieu aus. Natürlich trägt er die für die Szene typischen und beinahe obligatorischen Norweger-Pullis und Latzhosen. Es macht Spaß zu beobachten, wie er ein Windrad aufstellt, so Ökostrom gewinnt - und sein Enthusiasmus dabei authentisch wirkt. Herrlich, wie er gegen die verweichlichte Jugend wettert oder ein zum Wohnmobil umgebautes uraltes Magirus-Feuerwehrauto mit der Aufschrift "AKW Nee" über die Landstraßen steuert.

In den WG-Diskussionen setzt er sich vehement für gewaltlosen Widerstand ein. Im Haus selbst kann er sein Credo aber nicht leben. Frustriert demoliert er die Wohnungseinrichtung und geht auf seinen Mitbewohner und RAF-Sympathisanten Eckhardt (Richy Müller) los, als der ihm Versagen vorwirft. Lohmeyer, der den Deutschen Filmpreis für "Das Wunder von Bern" erhielt, spielt einen verzweifelt nach Orientierung suchenden Mann, der schließlich gescheitert nach Portugal flüchtet.

Romantische Bilder vom Atomkraftwerk

Spannend ist die Entwicklung des Teenagers. Zunächst hat Niels überhaupt keine Lust auf die Ökos mit ihren vegetarischen Mahlzeiten, ihren endlosen Diskussionen und scheinbar sinnlosen Ritualen. Er freundet sich mit einem Dorfrocker an und kommt mit der Tochter des autoritären Bürgermeisters zusammen. In ihrer Liebestrunkenheit zerstören sie Bauzäune am Kraftwerk und die Spiegel von Lkw. Das stellt die Toleranz der Kommune auf eine Nagelprobe.

Doch so richtig ernst wird es erst, als in den Nachrichten die Meldung kommt, dass in Tschernobyl der Super-GAU im Atomreaktor passiert ist - just an dem Tag, an dem Bobby Ewing - der Erdölprinz aus "Dallas" - starb. Dieser Tag bedeutet für die Kommune den Anfang vom Ende: Die Emanze Gesine (Nina Petri) wollte sowieso längst weg, Eckhardt reicht der gewaltlose Widerstand nicht und Peter fühlt sich hoffnungslos überfordert. Sie flüchten.

Die Bedrohung durch die Atomkraft ist im Film greifbar. Regelmäßig ist die Silhouette des Atomkraftwerks Brokdorf zu sehen, manchmal mächtig und Furcht einflößend, manchmal beinahe romantisierend, etwa wenn es hinter dem Damm auftaucht und hinter ihm der Himmel durch den Sonnenuntergang rötlich verfärbt ist, sich Niels und seine Freundin in einem Strandkorb zum ersten Mal lieben. Allerdings wird die an sich so stringent erzählte Story einige Mal durch allzu slapstickhafte Einlagen gestört, der Grad zwischen feiner Ironie und plumper Überzeichnung überschritten, etwa wenn es Bäder für stinkende Füße während des Abendessens gibt.

Die Zeitreise in die 80er Jahre gelingt jedoch. Auch wenn Bobby an jenem Abend im April 1986 gar nicht starb, sondern sich das Ganze in der Serie nur als Traum entpuppte. Beim diesjährigen Max-Ophüls-Festival wurde die 90-minütige Produktion als bester Spielfilm ausgezeichnet.

Quelle: ap

 
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