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Kino-Kritik: American Dreamz: Alles nur Show

zuletzt aktualisiert: 12.06.2006 - 08:02

Während Deutschland immer wieder von neuem brav den Superstar sucht, nachdem der vergangenene kaum noch eine Schlagzeile wert ist, sind die USA schon weiter. In "American Dreamz" stellen sich Sternchen, und solche, die es gerne werden möchten, dem ungnädigen Publikum, das sogar im Al-Kaida Camp vor dem TV abhängt. Und weil ein bloßes Vorsingen langweilig wäre, will Showmaster Tweedy (Hugh Grant) Blut sehen. Natürlich nur im Film...

Als Tweedy zur Auffrischung der Quoten exotische Gesichter rekrutiert, schmuggelt sich ein Selbstmordattentäter ein. Sein Ziel ist der Stargast des Showfinales, der Präsident. Mit der Verhohnepipelung von realsatirischen Un-Talentshows und amerikanischen Präsidenten rennt Regisseur Paul Weitz, der sich von "American Pie" über "About A Boy" und "Good Company" zielstrebig aus den Niederungen der Klamotte zur smarten Gesellschaftskritik emporgearbeitet hat, offene Türen ein. Seine gut gelaunte Satire über Politik als Entertainment überzeugt deshalb weniger durch ihr Thema als durch ihre vorzüglichen Darsteller. Und statt geräuschvoller Brachial-Komik erwartet den Zuschauer eine eher feinsinnige Karikatur des amerikanischen Staatsoberhauptes und seiner Hofschranzen.

Dennis Quaid spielt Präsident Staton als grenzdebilen Trottel mit halb offenen Mund und perplexer Miene, der von seinen Beratern wie ein Schoßhündchen an der Leine geführt wird. Nach seinem zweiten Wahlgewinn flüchtet er in eine Depression und fängt an, Zeitungen zu lesen. Seine frische Erkenntnis nach drei Jahren Irak-Krieg, dass es nämlich drei Sorten Irakis gibt, Shiiten, Sunniten und Kurden, "und alle hassen sich", beunruhigt seinen Stabschef - von Willem Dafoe als alertes Dick-Cheney-Imitat verkörpert - aufs Höchste. Er verordnet seinem Chef Glückspillen und Zeitungsentzug und versieht ihn mit einem Knopf im Ohr. Kaum aber fallen die Souffleurdienste aus, entpuppt sich der Doofi als netter Kerl.

Hugh Grant als Über-Bohlen

Einen Strippenzieher der besonders fiesen Art spielt auch der Brite Hugh Grant als zynisch-anzüglicher Showclown und Über-Bohlen, der strotzt vor Eitelkeit und Selbstekel. Doch in einer psychologisch fein ausgedachten Volte erkennt Tweedy in Möchtegernsängerin Sally (Mandy Moore) eine Seelenverwandte. Denn die White-Trash-Blondine ist zwar ungebildet, aber von skrupelloser Schläue. Für ihren Erfolg rehabilitiert sie sogar ihren geschassten Verlobten, der vor Liebeskummer als Soldat in den Irak gegangen ist - er soll ihr während der Show publikumswirksam einen Heiratsantrag machen. Schlagersternchen Moore, auch in der Realität ein Britney-Spears-Klon, ist als Schauspielerin viel besser denn als Popsängerin.

Satirisch unterbelichtet bleibt lediglich der Araber Omer, ein "Schläfer" aus fusselbärtigem Terroristen-Milieu. Auch er ist eigentlich ein total netter Typ, der für Musicals schwärmt und hin- und hergerissen ist zwischen einer himmlischen Mörder- und Märtyrer-Karriere und seinem Spaß an angeschwult-glamourösen Bühnenauftritten. Die grimmigen Mienen seiner Auftraggeber bilden zwar einen lustigen Kontrast zum amerikanischen "Keep Smiling" - doch als die Terror-Combo zur Kontrolle Omers in die USA einreist und die Annehmlichkeiten des dekadenten "American Way of Life" am eigenen Leib verspürt, verfällt der Film einem eher faden Klischee.

Für diese harmlosen Späßchen verfasst garantiert keiner eine Fatwa gegen die Filmemacher, und auch Weitz' präsidialer Hanswurst fügt sich in eine lange Tradition ebenso respekt- wie folgenloser filmischer Veräppelungen der jeweiligen Machthaber im Weißen Haus ein. Richtig böse wird die Komödie erst, wenn sie Sallys naiven Verlobten, der als Soldat im Irak einen Streifschuss abbekam und als patriotisches Schmankerl in der Show auftreten soll, als tragischen Deppen vorführt - als Kanonenfutter einer Gesellschaft voll gebrochener Figuren, die ihre Illusionen mehr liebt als sich selbst.

Quelle: ap

 
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