Ridley Scotts umstrittener Kriegsfilm "Black Hawk Down": Amerikanisches Kriegsdrama als Hollywood-Action
zuletzt aktualisiert: 07.10.2002 - 13:31Frankfurt/Main (rpo). Die Amerikaner erlebten im Oktober 1993 im ostafrikanischen Somalia ihr schwerstes Kriegstrauma seit dem Vietnam-Krieg. Doch Ridley Scott gab nur den amrerikanischen Soldaten einen Namen und ein Gesicht.
Am 3. und 4. Oktober 1993 erlebten amerikanische Militäreinheiten in der somalischen Hauptstadt Mogadischu das größte Desaster seit dem Vietnam-Krieg. An diesen beiden verhängnisvollen Tagen starben bei blutigen Auseinandersetzungen 18 US-Soldaten und etwa 500 Somalier, die genaue Zahl der toten Einheimischen wurde nie ermittelt. Der in Hollywood arbeitende britische Erfolgsregisseur Ridley Scott ("Gladiator") hat in seinem Film "Black Hawk Down" das blutige Drama in Ostafrika zum Action-Spektakel gemacht.
Es hat auffällig lange gedauert, bis der bei seiner Aufführung in den USA heftig umstrittene Streifen in die deutschen Kinos gelangte, wo er nun ab dem 10. Oktober zu sehen ist. Denn was Scott zeigt, ist nicht nur härteste Kost mit ohrenbetäubendem Schlachtenlärm und zerfetzten Soldatenleibern. Es ist auch eine völlig einseitige Sicht des Geschehens, bei dem nur die amerikanischen Opfer Namen und Gesichter haben. Was "Black Hawk Down" aber ganz und gar brisant macht, sind die kriegerischen Entwicklungen in Afghanistan und schon sehr bald vielleicht auch im Irak.
Die Dreharbeiten zu dem Film haben deutlich vor dem 11. September 2001 begonnen, sind also keine Reaktion auf das Ereignis, das die Weltpolitik mit noch immer unabsehbaren Folgen veränderte. Scott zeigt weder ein naives Heldenepos noch platte Propaganda, sondern uniformierte Männer in Panik, die in einer feindlichen Welt ihr Leben zu retten suchen. Das ist durchaus spannend, technisch perfekt - belohnt mit zwei Oscars für Schnitt und Ton - sowie mit gewaltigem Aufwand an Kulissen, Material und Darstellern in Szene gesetzt. Der Kopf des Zuschauers von "Black Hawk Down" dröhnt noch nach Stunden von all den lauten Explosionen und dem Trommelfeuer der Maschinengewehrsalven.
Aber für den Kopf ist dieser Film nicht gemacht. Denn wäre es anders, würde von manchem die Rede sein, wovon der Betrachter nichts erfährt. Zum Beispiel von jenem 12. Juni 1993, als amerikanische Kampfhubschrauber ein Haus mitsamt Bewohnern zerstörten, in denen der skrupellose lokale Kriegsherr Aidid vermutet wurde, in Wirklichkeit aber gemäßigte somalische Clanführer berieten. Danach war es vorbei mit den Sympathien für die Amerikaner, die eigentlich unter UN-Kommando gekommen waren, das von Bürgerkrieg und Hungersnot verheerte Land zu retten.
Nur so ist nämlich zu verstehen, warum in jenem Oktober 1993 bei einer Kommandoaktion von US-Truppen mitten in Mogadischu zwei Kampfhubschrauber abgeschossen wurden und ihren Besatzungen ein teilweise grausames Ende beschieden war. Der Film zeigt die hektische Chronologie der zweitägigen Ereignisse quasi dokumentarisch, allerdings ausschließlich aus der Sicht des 'weißen Mannes', der in der US-Armee übrigens durchaus schwarze Haut haben kann. So lernen wir die Soldaten Eversmann, Grimes, McKnight und etliche andere in dem zweieinhalbstündigen Leinwand-Inferno kennen.
Gespielt werden sie von jungen Schauspielern wie Josh Hartnett, Ewan McGregor und Tom Sizemore. Frauenrollen gibt es nicht in diesem Streifen, in dem ab und zu mal eine verängstigte Einheimische durch die ruinierten Straßen irrt. Somalische Männer sind entweder abgefeimt fiese Gestalten, regelverachtende Straßenkämpfer oder massenhafte Opfer der ungleich besser ausgerüsteten Invasoren. "Black Hawk Down" ist zutiefst ein rassistischer Film, also einer, vor dem gewarnt werden sollte. Mit solchen Produktionen begibt sich Hollywood - wahrscheinlich gar nicht absichtlich - in das gefährliche Fahrwasser neoimperialer Propaganda.
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