Film-Kritik: Antikörper: Ein Köder für die Bestie
zuletzt aktualisiert: 04.07.2005 - 09:33Michael Martens ist Dorfpolizist und Katholik. Seit in seinem Umfeld ein kleines Mädchen ermordet wurde, steht seine Welt Kopf. Alle Nachbarn werden zu Verdächtigen, bis eine Nachricht aus Berlin eintrifft: Ein Serienkiller wurde gefasst. Ist es der Gesuchte? Martens macht sich auf eine Reise, die ihn auch zu sich selbst führen wird.
Gabriel Engel hat auf sadistische Weise etliche Jungen getötet hat und könnte auch das Mädchen aus Martens' Dorf Herzbach auf dem Gewissen haben. Deshalb reist Martens nach Berlin, um Kommissar Sailer vom BKA bei seinen Ermittlungen der Untaten von Engels zu unterstützen. Was daraus wird, erzählt der deutsche Psychothriller "Antikörper" von Christian Alvart. Alvart, der auch das Drehbuch verfasst hat, ist ein spannender, beklemmender Film gelungen, der zeigt, dass auch in Deutschland Thriller gedreht werden können, die den Vergleich mit entsprechenden Produktionen aus Hollywood keineswegs zu scheuen brauchen. Trotz der Laufzeit von 122 Minuten bannt die abgründige Geschichte um Lüge, Wahrheit, Schuld und Verdacht bis zum Schluss.
Es ist das Duell zweier Männer. Der eine ist tiefgläubig und sozial verwurzelt, der andere eine zynische, bindungslose Bestie in Menschengestalt. Bei ihrem Zusammentreffen sind sie in völlig verschiedenen Situationen: Martens in der fremden großstädtischen Umgebung, getrennt von Frau und Kindern; Engel strengbewacht im Gewahrsam der Polizei, der mit seiner Festnahme ein großer Erfolg gelungen ist. Doch es gibt eine verhängnisvolle Verbindungslinie zwischen Martens und Engel, die allmählich sichtbar, wenngleich noch nicht durchschaubar wird. Erst das dramatische Finale enthüllt das Geheimnis dieser schicksalhaften Beziehung.
Für die beiden Hauptrollen überzeugende Darsteller
Regisseur Alvart hat mit dem kantigen Wotan Wilke Möhring als Polizist Martens und dem stets gefährlich wirkenden André Hennicke als Serienkiller Engel genau die richtigen Schauspieler für die beiden Hauptrollen gewonnen. Möhring nimmt man den gläubigen Provinzler ab, Hennicke den intellektuellen Sadisten sowieso. Heinz Hoenig als BKA-Mann ist aufgedreht wie fast immer in seinen Darstellungen, in diesem Fall macht es aber Sinn als Kontrast zum dem wortkargen Grübler Martens. Als dessen etwas frustrierte Ehefrau Rosa ist Ulrike Krumbiegel zu sehen, Nina Proll spielt eine Berliner Verkäuferin.
Die kurze sexuelle Begegnung zwischen Martens und Lucy zeigt Alvart eher als schwitzige Kampfszene zwischen einem vom Geschlechtstrieb gepeinigten Moralisten und einer leichtlebigen Großstadtfrau. Erotische Szenen gehören nicht zu den Stärken deutscher Filmemacher, das bestätigt sich erneut. Ansonsten aber ist "Antikörper" über weite Strecken eine sehr positive Entdeckung. Der Film nimmt unverhohlen Anleihen bei "Das Schweigen der Lämmer", findet aber eine eigenen Sprache und Dramatik, die den Zuschauer bis zum Schluss in Atem hält. Besseres ließ sich von einem deutschen Thriller schon lange nicht mehr berichten.
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