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"Missverstanden"
Kindheits-Tragödie mit Charlotte Gainsbourg

Asia Argento: Kindheits-Tragödie "Missverstanden" im Kino
Charlotte Gainsbourg. FOTO: afp, MLM
Düsseldorf. Die Französin Charlotte Gainsbourg spielt in Asia Argentos Film "Missverstanden" eine hysterische Mutter. Von Philipp Holstein

Aria ist zwölf Jahre alt, und ihre Eltern lassen sich scheiden. Es ist das Jahr 1984, der Vater des Mädchens spielt in obskuren italienischen Filmen, und die Mutter hofft schon etwas zu lange, doch noch eine große Pianistin zu werden. Aria wird zwischen beiden Parteien hin- und hergeschoben, und das anzusehen, ist quälend, zumal die Reaktionen des Mädchens auf die täglichen Zurückweisungen und Demütigungen so sachlich anmuten. Als ihre Mutter mit einem neuen Mann auf Lustreise geht, bastelt Aria ein Blumenarmband, das die Mutter jedoch vergisst. Aria bilanziert in ihrem Tagebuch: "Misshandelt, aber sanft".

"Missverstanden" ist der dritte Spielfilm der 39 Jahre alten Römerin Asia Argento. Sie ist die Tochter des legendären Horrorfilm-Regisseurs Dario Argento, sie stand schon mit neun Jahren in Filmen wie "Dracula 3D" vor der Kamera, und in Interviews weist sie biografische Bezüge zu der Figur der Aria auffallend oft und mit Vehemenz zurück.

Argento zeigt das Leben Arias in schön eingefärbten Bildern. Die Räume sind stets abgedunkelt, die Außenaufnahmen taucht sie in surreales, wehmütiges Licht. Auch deshalb ist das ein verstörender Film. Asia Argento legt es nicht darauf an, den Stoff zu einer Tragödie zu verarbeiten. Sie webt komödiantische Elemente in die Story, und ein wiederkehrendes Motiv ist der Weg Arias zwischen mütterlicher und väterlicher Wohnung: Sie trägt eine Reisetasche, sie hüpft, es scheint die Sonne, und die Bitterkeit nimmt man zunächst gar nicht wahr.

Giulia Salerno in der Hauptrolle ist großartig. Charlotte Gainsbourg spielt ihre Mutter, und auch sie ist sehenswert. Gainsbourg spielt laut, überdreht und sinnlich – das ist eine Rolle, die auf den ersten Blick nicht zu ihrem Profil passen mag. Es wird viel geschrien in diesem Film, viel geschlagen, und immer wenn man denkt, dass es nun ruhiger wird, weil Aria etwas Schönes erlebt, etwas Altersgemäßes und Unschuldiges, steigert Argento danach die Grausamkeit. Am Ende spricht Aria die Zuschauer direkt an. Was sie sagt, beschäftigt einen lange.

Quelle: RP
 
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