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"Big-Brother"-Version mit Asylbewerbern: "Ausländer raus - Schlingensiefs Container"

zuletzt aktualisiert: 27.01.2003 - 07:47

Köln (rpo). Ein Dokumentarfilm über Christoph Schlingensiefs Version von "Big Brother" mit Asylbewerbern zeigt eine Aktion des Skandalregisseurs vor der Wiener Oper, die nach sechs Tagen abgebrochen werden musste.

Pfingsten 2000: Die europäische Unterhaltungsindustrie leidet am "Big-Brother"-Fieber. Die europäische Innenpolitik beschäftigt sich mit Maßnahmen gegen Österreich, wo mit der FPÖ erstmals eine rechtsextreme, fremdenfeindliche Partei zur Regierungsbeteiligung kam. In dieser aufgeputschten Stimmung taucht Christoph Schlingensief, das Enfant terrible der deutschen Theaterszene, in Wien auf und baut vor der Oper einen Container für eine andere Art "Big-Brother"-Spiel auf.

Darin wurden zwölf angeblich echte Asylbewerber untergebracht (später stellt sich heraus, dass es Schauspieler waren). Das Publikum sollte nach dem "Big-Brother"-Prinzip in regelmäßigen Abständen einen Bewohner zur (fiktiven) Abschiebung auswählen unter dem Motto "Ausländer raus!". Er wolle "dem Europa der Gutmenschen das Österreich der Bösmenschen vorführen", erklärte Schlingensief und rief dazu auf: "Bitte liebt Österreich!" Der Sieger bekam nach den sechstägigen Strapazen die Option, durch Heirat österreichischer Staatsbürger zu werden.

Der Film "Ausländer raus! - Schlingensiefs Container", der am Donnerstag in die Kinos kommt, dokumentiert diese Aktion, die nach sechs Tagen vorzeitig abgebrochen werden musste. Es ist ein klassischer, von der Machart eher konventioneller Dokumentarfilm: 90 Minuten lang, zusammengeschnitten aus rund 100 Stunden Originalmaterial, ergänzt durch Interviews mit Menschen aus Schlingensiefs Umfeld, die diese Aufklärungsaktion mehr oder weniger nachvollziehbar erklären.

Aufregend dagegen ist der Inhalt: Mit seiner Provokation gelingt es Schlingensief, die verletzte Seele einer ganzen Nation offen zu legen, die die hilflosen politischen Sanktionen des Auslands nicht versteht. Dabei stellt der Film die zum Teil hysterisch argumentierenden Personen nicht bloß (das taten sie selber), und der Kinobesucher sollte sich hüten, die Reaktionen der sich beleidigt fühlenden Menschen als typisch österreichisch" einzuordnen.

Kommentare von Peter Sloterdijk, Elfriede Jelinek oder des Kulturphilosophen Burghart Schmidt helfen, Schlingensiefs Arbeit zu verstehen und in die Geschichte des politischen Theaters einzuordnen. Vor allem aber ist dieser Film das dichte Dokument einer politischen Atmosphäre, über die sonst schnell wieder der Schleier des Sich-Nicht-Erinnern-Wollens gebreitet würde.


 
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