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"Bad Moms"
Vom Mutterunglück

"Bad Moms" ist ein Film, den nur Mütter heranwachsender Kinder verstehen. Von Renée Wieder

Dieser Film lässt sich aus zwei Perspektiven schauen, als Filmkritikerin und als Mutter - in letzterem Fall ist er Gewinn.

Aus Perspektive einer Filmkritikerin ist er indes grober Unfug. Ein plattes Klischeestück aus der Feder der "Hangover"-Autoren Jon Lucas und Scott Moore, die diesmal nicht nur für das Drehbuch, sondern auch für die Regie verantwortlich sind. Eine papierdünne Rahmenhandlung rund um die überforderte Amy Mitchell (Mila Kunis), die nach einem besonders furchtbaren Tag mit zwei meckernden Kindern, verpassten Meetings, abgefahrenen Außenspiegeln und bekleckerten Blusen endgültig genug hat und das Handtuch wirft - leider sehr öffentlich beim Elternabend. Ab jetzt will Amy Partys feiern, Kurze kippen, im Supermarkt mal richtig randalieren. Nie wieder Hetze und Perfektion, wo keine Perfektion möglich ist. In der Kneipe findet sie Gleichgesinnte: das biedere Hausmäuschen Kiki (Kristen Bell) und die alleinerziehende frivole Mutter Carla (Kathryn Hahn). Aber das Ausscheren aus den Reihen lächelnder Helikoptermütter ruft auch Feinde auf den Plan, allen voran die Elternratsvorsitzende Gwendolyn (Christina Applegate), die das Schulwesen mit eisernem Griff lenkt.

Fast alle Figuren sind schrill überzeichnet, das rührselige Finale und eine nebenbei ablaufende Romanze mit dem begehrtesten Witwer der Schule sind komplett absehbar. Die Qualität der Gags reicht nur ab und zu mal über das hinaus, was pubertierende Achtklässler sich so im Französischunterricht gegenseitig in die Schulhefte kritzeln. Das ist die eine Seite.

Wer selbst Mutter ist, für den ist "Bad Moms" allerdings ein Riesenspaß. Ein alberner, mit Cocktails, Wodka und kleinen Regelverstößen getränkter, sorgenfreier Film, der das Herz am rechten Fleck hat und Müttern empathisch auf die Schultern klopft. Als Amy gegen Gwendolyn für den Elternratsvorsitz kandidiert, wird das ein Schaukampf, der alle wichtigen Fragen aufwirft: Was ist eine Supermommy? Muss man überhaupt eine sein? Seit wann reicht reine Mutterliebe nicht mehr? Wieso gibt niemand je zu, dass zu Hause nur sehr wenig nach Plan läuft? Mila Kunis hat eine knapp dreijährige Tochter mit Ashton Kutcher, das sollte noch zu früh sein, um einen Einblick ins Thema zu haben. Aber etwas an der Verve und Lustigkeit, mit der Kunis ihre Rolle spielt, deutet an, dass sie bereits Bescheid weiß. Sehen sollten Sie diesen Film darum unbedingt - wenn Sie eine Mutter sind.

Bad Moms, USA 2016, Regie: Jon Lucas und Scott Moore, mit Mila Kunis, Kathryn Hahn, Kristen Bell. 100 Minuten

Quelle: RP
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