Musical "Radio Rock Revolution": Bei Rockern in die Lehre
VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 16.04.2009 - 08:30(RP). Selbst Carl, der Neue an Bord, bleibt ganz cool. Zunächst ist der gescheiterte Gymnasiast, von seiner eigenwilligen Mutter in eine höchst merkwürdige Schule fürs Leben geschickt, schier sprachlos vor Glück: Er darf unter den beliebtesten DJs der englischsprachigen Radiowelt leben, auf engstem Raum, denn viel Platz gibt es nicht an Bord dieses betagten Trawlers, der als Piratensender "The Rock" in der Nordsee dümpelt. Aber schnell lernt er, sich genauso lakonisch witzig zu geben wie diese Halbgötter des Rock'n' Roll.
Wie der Amerikaner "The Count", der als der Größte respektiert wird, bis auch der supercoole Gavin an Bord klettert und ihm den Rang streitig macht, der Ausgeflippteste zu sein. Oder wie sein Patenonkel, der in der Gestalt des zerknitterten Dandys Bill Nigh den Sender leitet.
Richard Curtis, Englands andauernd erfolgreicher Drehbuchautor in Fernsehen ("Blackadder", "Mr. Bean") und Kino ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall", "Notting Hill"), rief und zu seiner zweiten eigenen Regiearbeit kamen die erstaunlichsten Leute: Philip Seymour Hoffman, der amerikanische Star-Schauspieler, mischt sich mit ansteckender Begeisterung unter Englands beliebteste Komiker. Emma Thompson sorgt als Carls Mutter für einen ungewohnt drastischen Auftritt, und Kenneth Branagh spielt aufopferungsvoll einen Minister mit Hitler-Bärtchen. Er ist der simpel gestrickte Schurke, der den Sündenpfuhl aus Sex and Drugs and Rock'n'Roll auf hoher See trockenlegen will.
Das bleibt so beiläufig wie Carls Suche nach seinem Vater und andere dünne Handlungsfäden in einer Aufreihung von Episoden, die sich nicht zu einem schwungvollen Musical runden. Hauptsache bleibt die Musik in dieser Beschwörung von "Radio Caroline" und der Glanzzeit britischer Rock- und Pop-Musik Mitte der 1960er Jahre. Die Originalfassungen von über fünfzig Ohrwürmern – von den Stones über The Who, The Kings oder The Hollies bis zu Jimi Hendrix oder Leonard Cohen – überwältigen mit einer Vitalität, die begreiflich macht, warum jene Jahre in der Erinnerung von Millionen ein Sommermärchen waren.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
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