Abenteuer-Komödie "Nachts im Museum 2": Ben Stiller kämpft im Museum
VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 21.05.2009 - 07:31(RP). Auch im zweiten Teil der Abenteuer-Komödie "Nachts im Museum" muss Komödien-Star Ben Stiller mit Kunstwerken kämpfen, die zum Leben erwachen. Das ergibt ziemlich viel Action-Klamauk, macht Kindern aber vielleicht Lust auf wahre Kunst.
Gleich in seinen ersten Minuten gibt sich der Film medienkritisch. Der ehemalige Museumsnachtwächter Larry Daley (Ben Stiller) sucht seinen alten Arbeitsplatz auf, das Museum of Natural History in New York, und erkennt ihn nicht wieder. Alles wird auf High-Tech umgestellt; Museumswärter durch Computer ersetzt. Die Besucher wollen das so, erklärt der schmierige Kurator Dr. McPhee (Ricky Gervais). Heuchlerischer geht es nicht. "Nachts im Museum 2" nutzt modernste Computertechnik, um Computertechnik zu kritisieren.
Die Hauptattraktion sind wie im ersten Teil Wachs- und Plastikpuppen, die nachts lebendig werden. Um sie, und nur sie, geht es. Die prominenten Darsteller sind unterfordert, und die Gags zünden nicht. Sie stören eher. Ständig sieht man Menschen stolpern und durch die Gegend fliegen. Eine Schublade öffnet sich, und ein Tintenfisch kommt zum Vorschein. Fangen und Gefangenwerden – davon allein handelt der Film. Kriege in der Spielzeugabteilung – als solche wird das Museum dargestellt.
Die Puppen, mit denen Larry sich angefreundet hat, werden versehentlich in den falschen Karton gepackt und nach Washington ins Smithsonian Institute geschickt, den größten Museumskomplex der Welt. Larry will sie retten und nach New York zurückholen. Der Einbruch in die heiligen Hallen ist ein Kinderspiel für ihn: Als ehemaliger Museumswärter kennt er seine Kollegen und ihre Schwächen; er weiß, wo am Körper ihre Kennmarken, Ausweise und Schlüssel hängen.
Sein Sohn hilft ihm vom heimischen Computer aus, die Figuren zu orten. Die Figuren, das sind unter anderem General Custer, eine Indianerin, Albert Einstein, Abraham Lincoln, Neandertaler, römische Legionäre, und Robin Williams als Teddy Roosevelt.
Besonders wichtig sind jedoch drei Männer, deren Machtgier und Kampfeslust Larry für seine Befreiungsaktion ausnutzen möchte: Kahmunrah, ein lispelnder Pharao (Hank Aazaria), Iwan der Schreckliche (Christopher Guest), der sich nach einem neuen, weniger schrecklichen Image sehnt; Al Capone (Jon Bernthal), der sich von den anderen Figuren dadurch abhebt, dass er keine Farbe hat; und Napoleon Bonaparte (Alain Chabat), der sich jedesmal aufregt, wenn von etwas Kleinem die Rede ist. Auch wenn nur ein kleines Problem gelöst werden soll, glaubt er, man mache sich über seine geringe Körpergröße lustig.
Shawn Levy, der sich mit netter Familienunterhaltung wie "Im Dutzend billiger" und dem ersten "Nachts-im-Museum"-Teil einen Namen gemacht hat, inszeniert flott, und Alan Silvestris Musik bringt zusätzlich Schwung in die Angelegenheit. Einen Kunstanspruch darf man bei solch einem Film nicht erwarten; umso erfreulicher ist die Liebe zur Kunst, die hier und da zum Ausdruck kommt. Auf der Flucht vor antiken Kriegern springt Larry in ein Foto, das eingerahmt an der Wand hängt, und von dort zurück in den Saal und dann wieder in ein Gemälde hinein. Berühmte Kunstwerke werden so lebendig wie vorher die Plastikfiguren; somit werden auch kultivierte Zuschauer angesprochen.
Kein Grund zur Freude besteht für die Bewunderer der seit 1937 verschollenen Fliegerin Amelia Earhart. Sie gehört ebenfalls zu dem Wachsfigurenkabinett und erweist sich als tapfere Kämpferin an Larrys Seite. Diese furchtlose Frau ist mit Amy Adams charmant, vielleicht aber doch etwas zu niedlich besetzt.
Ein Ärgernis ist ihre Kleidung. Während sie Reden über die Gleichberechtigung der Frau hält, trägt sie eine knallenge Hose aus dünnem Stoff und muss kräftig mit dem Hintern wackeln, was die Kamera lustvoll einfängt. Bestimmte historische Persönlichkeiten haben es verdient, dass man sie auch in einer Komödie respektvoll behandelt, und Amelia Earhart gehört unbedingt in diesen Kreis.
Bewertung: 3 von 5 Sternen
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