kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Kino-Kritik: Beschwingt durch Paris

zuletzt aktualisiert: 17.07.2008 - 09:56

Düsseldorf (RP). Am schönsten geriet die Bäckersfrau. Wie sie mit unermüdlicher Boshaftigkeit ihr Personal quält, aber sofort ein strahlendes Lächeln anknipst, wenn ein Kunde den Laden betritt; wie sie mit viel Charme und unverhülltem Rassismus über ihre Suche nach einer neuen Verkäuferin plaudert und damit erneut die engelhafte Geduld ihrer nordafrikanischen Angestellten auf eine harte Probe stellt – daraus machte Karin Viard eine glänzende Skizze kleinbürgerlicher, stets auf adrette Fassade bedachter Gehässigkeit.

Doch für die Ausmalung dieser Skizze zum Porträt bleibt keine Zeit in einem Film,der mit dem Anspruch antritt, eine ganze Metropole zu porträtieren: „Paris“ heißt er auftrumpfend schlicht im Original. Der deutsche Verleih hat daraus „So ist Paris“ gemacht, und das klingt angemessener, weil nach einem Hauch von Ironie.

Cédric Klapisch, der Regisseur des Erfolgsfilms „L‘auberge Espagnole – Barcelona für ein Jahr“, eröffnet mit einer melodramatisch düsteren Figur seinen Personenreigen: mit Pierre, einem totkranken Tänzer, der auf ein Spenderherz warten muss, mit Abschiedswehmut aus seiner Mansardenwohnung über die Dächer von Paris blickt und sich in eine schöne Nachbarin verliebt.

Doch die hat keine Zeit für ihn, weil sie gerade eine Romanze mit ihrem Geschichtsprofessor beginnt. Fabrice Luchini spielt dieses Muster eines lüsternen Intellektuellen mit soviel Brillanz, dass er mühelos aus seiner Rolle heraustreten kann mit der Zwischenfrage, ob diese stürmische Affäre nichts weiter sei als ein Klischee.

In einem beschwingt gefilmten, elegant montierten Kaleidoskop von vertrauten und weniger geläufigen Pariser Stadtkulissen zwischen Marais und Belleville versteckt Klapisch die Klischeehaftigkeit eines sozialen Querschnitts, der mühelos von einer Modenschau in die Markthallen von Rungis führt und Mannequins den rauen Charme proletarisch selbstbewusster Gemüsehändler ganz bezaubernd finden lässt.

Ausgerechnet der Star in diesem Ensemble wird zur erdigen, alle Klischees vermeidenden Figur: Juliette Binoche spielt voller hinreißender Facetten eine Alleinerziehende, die auch in ihrem Beruf als Sozialhelferin mit schmerzhaften Brüchen in diesem fröhlichen Stadtbild konfrontiert wird. Sie kämpft sich durch alle Stadien einer überarbeiteten Frau, die sich dennoch zu Einlagen prickelnder Erotik aufschwingen kann.

Klapisch gelang eine erfrischende Neuauflage des immergrünen Themas „Unter den Dächern von Paris“. Sogar dramaturgisch Unbeholfenes wie die zaghaften Hinweise auf die düstere Welt illegaler Einwanderer bringt ihn kaum zum Stolpern.


 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Federn, Pailletten und wehende Röcke

Karneval der Kulturen

Federn, Pailletten und wehende Röcke

Wenn in Berlin Karneval der Kulturen ist, ist der Stadtteil Kreuzberg vor Federn, Pailletten und Röcken noch bunter als sonst. mehr 

Ein Bild Amerikas zum Fürchten

"Die weiße Wut" - das Buch zur Tea Party

Ein Bild Amerikas zum Fürchten

Die Journalistin Eva C. Schweitzer hat sich intensiv mit Amerikas Neuer Rechter, der Tea Party auseinandergesetzt. mehr 

mehr Kultur
Aus der Region

"Die weiße Wut" - das Buch zur Tea Party

Ein Bild Amerikas zum Fürchten

Politische Punktevergabe beim Eurovision Song Contest

Anke Engelke: "Europa beobachtet Dich"

Eurovision Song Contest in Baku

Das sagt das Netz zum ESC

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Gefangen im Monster-Stau von Peking

In Chinas Hauptstadt gibt es nicht nur viele Menschen, sondern auch ziemlich viele Autos. Kein Wunder also, dass es dort immer wieder zu ... mehr 

Mehr Nachrichten aus Kultur Film

Dritter Teil im Kino

"Men in Black" sind wieder in Form

Im dritten Teil der erfolgreichen Actionfilm-Serie gehen die Helden Will Smith und Tommy Lee Jones auf Zeitreise. Die Kampfszenen sind irrwitzig wie eh und je, diesmal dürfen die Hauptfiguren aber auch richtige Charaktere werden. Eine gelungene ... VON SEBASTIAN SCHERER  mehr

 
 

"Moonrise Kingdom" neu im Kino

Wo die Neurosen blühen

 

Internationale Filmfestspiele in Cannes

Drei starke Frauen, eine schwache Hose

 

Internationale Filmfestspiele in Cannes

Das doppelte Brad Pittchen

 
Top-Services
Möbel aus Turngeräten
Möbel aus Turngeräten
Die Möbel der Firma "Zur schönen Linde" sind .. mehr 
 
Möbel aus Turngeräten
Möbel aus Turngeräten
Die Möbel der Firma "Zur schönen Linde" sind ..
mehr 
Karneval der Kulturen in Berlin
Karneval der Kulturen in Berlin
Wenn Berlin zum Karneval der Kulturen lädt ..
mehr 
Roman Lob überzeugt mit schlichten Gesten
Roman Lob überzeugt mit schlichten Gesten
Wie schon Lena vor ihm überzeugte Roman Lob ..
mehr 
ESC 2012: Die zauberhaften Momente der Künstler
ESC 2012: Die zauberhaften Momente der Künstler
Der Eurovision Song Contest 2012 wurde von den ..
mehr 
Eindrücke vom Wave-Gotik-Festival in Leipzig
Eindrücke vom Wave-Gotik-Festival in Leipzig
Das Wave-Gotik-Festival in Leipzig ist ein ..
mehr 
ESC 2012: Lenas seltsames Outfit
ESC 2012: Lenas seltsames Outfit
Beim zweiten Halbfinale des Eurovision Song ..
mehr 
ESC 2012 in Baku: Das sind die Platzierungen
ESC 2012 in Baku: Das sind die Platzierungen
Schweden darf den Eurovision Song Contest 2013 ..
mehr