Film-Kritik: "Big Fish": Ein sehr amerikanisches Märchen
zuletzt aktualisiert: 05.04.2004 - 11:45Grenzen zwischen Realität und erfundenen Abenteuern existieren in den Geschichten von Edward Bloom nicht. Für Sohn William ist es daher nicht gerade einfach mit seinem Vater zurechtzukommen. Er flüchtet aus dem heimischen Alabama nach Paris. Als sein Vater jedoch im Sterben liegt, kehrt William zurück ins Elternhaus ...
Noch einmal begegnet er dort den Erzählungen seines Vaters, der - wenn man ihm glaubt - eines der außergewöhnlichsten, spannendsten und märchenhaftesten Leben aller Zeiten geführt hat. Schon Edwards Geburt war - wenn man ihm glaubt - ein unglaubliches Ereignis, bei dem das Neugeborene im Krankenhaus eine Art Raketenstart hinlegt. Doch das ist nur der Auftakt für eine Existenz voller Abenteuer, Heldentaten, Geniestreiche und Wohltaten - immer vorausgesetzt, man glaubt diesem Edward Bloom. Ob das die Kinobesucher tun, wird sich ab dem 8. April entscheiden, wenn Tim Burtons neuer Film "Big Fish" auf die Leinwände kommt.
Es ist ein sehr amerikanisches, sehr sentimentales Märchen, das den Regisseur von "Batman" und "Edward mit den Scherenhänden" nach dem Reinfall mit der Neuauflage des Klassikers "Planet der Affen" wieder auf der Höhe seiner Könnerschaft zeigt. Obgleich der Film wie auch die Romanvorlage von Daniel Wallace alles anders als frei von kitschigen Elementen sind, ist dem kreativen Märchenerzähler Burton doch ein opulentes Kinostück gelungen, das bereitwillige Gemüter verzaubern kann. Es ist schließlich fast unmöglich, diesen tragischen Riesen Karl oder die chinesische Zwillinge Ping und Jing nicht ins Herz zu schließen.
Nach dem Vorbild Fellinis, aber etwas zu süßlich
Und der alte Flunkerer Edward Bloom, den der britische Veteran Albert Finney so sympathisch verkörpert, ist erst recht eine Figur, die man lieben muss. Die profilierte Jessica Lange als Ehefrau in späten Jahren, deren Figur als junges Mädchen von der Lange verblüffend ähnlich aussehenden Alison Lohman verkörpert wird, ist etwas unterfordert. Ewan McGregor spielt Edward Bloom in jungen Jahren sehr ordentlich, Helena Bonham Carter kann in einer Doppelrolle glänzen. Dagegen bleibt Billy Crudup als Sohn Will Bloom eher blass. Aber das fällt wenig auf in dem abwechlungsreichen, reichhaltig mit attraktiven Kulissen ausgestatteten Film.
Dieser spielt nicht nur im Südstaat Alabama, er wurde auch dort gedreht - in dem verschlafenen Städtchen Wetumpka. Es sind wunderschöne Schauplätze, die Burton und sein französischer Kameramann, der Oscar-Gewinner Philippe Rousselot, ins Bild rücken. Die märchenhafte Handlung kommt der vielgerühmten überbordenden visuellen Fantasie des Regisseurs entgegen. Burton ist ein Verehrer des großen Federico Fellini, der bei manchen Szenen auch deutlich Pate gestanden zu haben scheint.
Aber es ist doch oft etwas zu grell, zu süßlich und auch ein wenig zu perfekt für europäische Augen, was sich da auf der Leinwand in knapp zwei Stunden abspielt. Gleichwohl war der Film in den USA kein überragender Erfolg und es sind Zweifel angebracht, ob das hier zu Lande nicht ebenso sein wird. Gute Unterhaltung für Menschen, die sich gerne ins Reich der Fantasie entführen lassen, ist "Big Fish" aber allemal.
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