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Kino-Kritik: "Blood Diamond": Glitzerndes Elend

zuletzt aktualisiert: 24.01.2007 - 08:44

Frankfurt/Main (RPO). Endgültig kein Milchbubi mehr: In dem packenden Afrika-Epos "Blood Diamond" brilliert Leonardo di Caprio als verdammte Seele und moderner Abenteurer. Der Film erzählt die komplizierten Verstrickungen von Diamantenhandel und Bürgerkrieg in Sierra Leone. Und Jennifer Conelly darf ihre grünen Augen strahlen lassen.

Mit "Blutdiamanten" werden illegal geschürfte Edelsteine aus Afrika bezeichnet, mit denen afrikanische Rebellentruppen sich Waffen verschaffen. Das am 25. Januar anlaufende Afrika-Epos "Blood Diamond" versucht, die komplizierten Verstrickungen von Diamantenhandel und Bürgerkrieg aufzudröseln und verpackt das Thema in eine spannende Geschichte, die anklägerisches Politdrama und zugleich großes Abenteuerkino ist - mit dem brillanten Leonardo DiCaprio als amoralischem Schatzsucher.

Schauplatz ist der westafrikanische Staat Sierra Leone, der im Jahr 1999 von einem blutigen Bürgerkrieg zwischen Regierung und Rebellentruppen verwüstet wird. Mitten im Getümmel befindet sich Danny Archer, unterwegs in Sachen Waffen- und Diamantenschmuggel. Der mit allen Wassern gewaschene Ex-Söldner hört im Gefängnis von dem Fischer Vandy, der von der Rebellenmiliz verschleppt wurde und bei der Sklavenarbeit auf Diamantfeldern einen megakarätigen Fund versteckt haben soll. Archer heftet sich wie ein böser Schutzengel an Vandys Fersen und verspricht ihm im Tausch gegen den Rohdiamanten Nachforschungen über Vandys Familie.

Leonardo DiCaprio und Djimon Hounsou in "Blood Diamond" - beide Darsteller sind übrigens für einen Oscar nominiert. Foto: Warner

Der rosa Riesenklunker wird wie bei Hitchcock (und wie bei Gollums "Mein Schatzzzz" in "Herr der Ringe") zum "MacGuffin", zum meist unsichtbaren Objekt der Begierde, das die Handlung vorantreibt und mit dem jeder ein anderes Ziel verbindet. Für Vandy erweist sich der Diamant als Faustpfand zur Befreiung seines Sohnes, der in die Guerilla-Armee gepresst wurde, Archer will mit dem Stein ein neues Leben außerhalb Afrikas beginnen. Und die idealistische amerikanische Journalistin Maddy, mit deren Hilfe die zwei sich zum Fundort durchzuschlagen wollen, verlangt Insiderinformationen über die Hintermänner des Schmuggels in der Antwerpener Diamantenbörse.

Der Horror der Kindersoldaten

Bei ihrer Odyssee gelingt es Edward Zwick, der sich nach "Last Samurai" erneut als solider Filmhandwerker erweist, die Plagen Afrikas packend zu verdichten. Flüchtlingslager, blutrünstige "Warlords", weiße Söldnerheere, korrupte Regierungen, Hilfsorganisationen und Reporter - sie arbeiten mal mit-, mal gegeneinander, während die Zivilbevölkerung schrecklich leidet. Dabei akzentuiert der informative Film vor allem das entsetzliche Schicksal gekidnappter Kinder, die zu sadistischen Killern gedrillt werden: selten wird einem Publikum, das Horrorfilme gewöhnt ist, so nachhaltig der reale Horror aufs Auge gedrückt.

Dennoch kann der gut gemeinte Film nicht dem Klischee entgehen, das sich in Archers zynisch-fatalistischem Spruch "T.I.A." - This is Africa" ausdrückt und Segen und Fluch des Kontinents mit seinen Naturschönheiten und Rohstoffschätzen beschreibt. "Schwarzafrika" ist auch hier eine riesige und bei allem Elend romantisch grundierte Projektionsfläche, Hölle und Paradies zugleich. Leonardo DiCaprio als "weißer Afrikaner" aus dem ehemaligen Rhodesien personifiziert diese westliche Zerrissenheit einfach grandios. Als verdammte Seele und moderner Abenteurer mit Indiana-Jones-Flair hat er endgültig jede Milchbubihaftigkeit abgelegt und rettet den zweieinhalbstündigen Film über manche Durststrecke.

Schwarze Menschen sind dagegen rigoros in unheimlich gut und unheimlich böse aufgeteilt, in Bestien und edle Einheimische, die weise Sprüche tun müssen und zur Läuterung der irren weißen Ausbeuter dienen. Und Jennifer Connelly darf in Ermangelung anderen Geglitzers ihre grünen Augen strahlen lassen. Ansonsten ist sie das Sprachrohr der Bemühungen, den Diamantenhandel zu zertifizieren, um "Blutdiamanten" zu verhindern. 15 Prozent wurden 1999 weltweit illegal gehandelt, heute sollen es noch 0,4 bis 3 Prozent sein. Mittlerweile trägt der legale Diamantenhandel übrigens erheblich zum Wirtschaftswachstum schwarzafrikanischer Staaten bei - aber das will im Kino keiner sehen.

Quelle: ap

 
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