Neu im Kino: Böser Verdacht in einer Klosterschule
VON ALBERT BAER - zuletzt aktualisiert: 05.02.2009 - 07:52(RP). Er wirkt zunächst sympathisch, dieser neue Priester. Mit seinen fortschrittlichen Predigten, in denen er sogar von Zweifeln spricht, und seiner fürsorglichen Art, auf seine Schäfchen zuzugehen, bringt Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman) frischen Wind in die verkrustete katholische Klosterschule mitten in der New Yorker Bronx.
Man schreibt das Jahr 1964, und der gesellschaftliche Wandel (die Bürgerrechtsbewegung, der Reformkurs der Kirche) dringt selbst durch die dicken Mauern der Klosterschule. Ein Dorn im Auge der autoritären Oberschwester Aloysius (Meryl Streep), die mit eiserner Strenge über die Einhaltung der Regeln wacht und den liberalen Methoden wie Ansichten des suspekten Paters überhaupt nichts abgewinnen kann.
So kommt es ihr gelegen, als die naive Schwester James (Amy Adams) davon berichtet, dass Flynn dem ersten schwarzen Schüler der Schule ungewöhnlich viel private Aufmerksamkeit schenkt. Ohne einen klaren Beweis unterstellt Aloysius ihm, sich an dem Jungen vergangen zu haben, und startet einen Feldzug gegen den zunehmend undurchsichtigen Priester, der alle Vorwürfe abstreitet.
Klima der Ungewissheit
Ein berechtigter Verdacht oder ist alles nur ein Gerücht? Vor die Glaubensfrage wird auch der Zuschauer in dieser kriminalistisch angehauchten Parabel immer wieder gestellt, die Regisseur und Drehbuchautor John Patrick Shanley nach seinem eigenen, mit dem Pulitzer-Preis gekrönten Theaterstück "Doubt" ("Zweifel") in Szene gesetzt hat. Nie ist wirklich klar, was dieser Priester tatsächlich getan hat. Geschickt entwickelt Shanley ein Klima der Ungewissheit.
Im Verlauf der Geschichte tauchen immer mehr Indizien auf – einige erhärten die Vermutung der Schwester, andere zeugen von Flynns Unschuld. Dabei übertreibt es Shanley mitunter mit überdeutlicher Symbolik, wenn beispielsweise Glühbirnen ihren Geist aufgeben oder uns gezeigt wird, wie eine Maus von einer Katze gejagt wird. Doch im Wesentlichen verlässt sich der Regisseur auf die Ausdruckskraft seiner Darsteller und tut gut daran.
Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman unterstreichen hier einmal mehr ihren Ruf als schauspielerische Schwergewichte und werden so zu den tragenden Säulen eines dialogstarken Dramas um Wahrheit, Werte und Weltbilder, das einen am Ende einfach so entlässt, mit Zweifeln im Kopf.
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