Thriller "Public Enemy No . 1" – zweiter Teil: Brutales Rebellenmärchen
VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 21.05.2009 - 07:04(RP) Ein Gefängnis zeigt, wie die Gesellschaft wirklich ist: Sie sperrt das Individuum ein. Diese schlichte Philosophie des Jacques Mesrine wird nicht dadurch erschüttert, dass er selbst schwerer Straftaten wegen einsitzt. Frei von Selbstkritik, kann Mesrine das enorme Charisma des Rebellen entwickeln.
In Jean-François Richets französischem Gangsterfilm "Public Enemy No. 1 – Todestrieb", der direkten Fortsetzung des vor wenigen Wochen gestarteten " Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt", bricht Mesrine nicht nur aus Gefängnissen aus. Er will auch die Rolle des egoistischen Kriminellen hinter sich lassen und stilisiert sich zum Revolutionär. Jeder Ausbruch, jeder Überfall, jeder Schusswechsel mit der Polizei soll nun eine Botschaft an die unterdrückten Massen sein, dass Auflehnung möglich ist.
Jacques Mesrine (1936-1979) hat wirklich gelebt, er hat in der Haft ein Buch über seine Verbrechen geschrieben, und Regisseur Richet hat viel Kritik dafür einstecken müssen, er übernehme die verquere Selbstdarstellung eines Kriminellen. Beide Teile von "Public Enemy" bildeten ein effektverliebtes, gewaltreiches Rebellenmärchen, das weder größere Zusammenhänge noch glaubhafte Nebenfiguren kenne. "Public Enemy No. 1 – Todestrieb" scheint diesen Vorwurf auf den ersten Blick zu bestätigen. Von wilden Schießereien auf offener Straße wird erzählt, von Mesrines schon im Ansatz größenwahnsinnigen Befreiungsversuchen anderer Gangster, seinen Angriffen auf Festungen des Staates.
Hauptdarsteller Vincent Cassel darf zu ganz großer Form auflaufen, wenn Mesrine seinen Gewalttaten Sinn und Würde anhängen will und sich zum einzig wahren Guerillero eines geknechteten Frankreich emporschwafelt. Aber die scheinbare Distanzlosigkeit des Films, dieses Beharren auf der Perspektive von Mesrine, wird hier noch stärker als im ersten Teil eine Aufforderung zur Besinnung. Je eifriger uns Mesrine von sich einnehmen will, desto seltsamer kommt er uns vor. Eben weil wir mitten drin stecken in seinem Kosmos aus Gefolgsleuten, die zu gehorchen haben, Frauen, die ihn anhimmeln sollen, Zellen, Verkleidungen und Posen, wird uns klar, was hier alles fehlt. Beide Teile von "Public Enemy" erzählen den Traum vom Ausbruch aus dem Bürgerlichen. Aber der Tunnelblick von Mesrine macht uns klar, dass dieser angeblich Befreite auch nur ein halbes Leben gefunden hat, in dem er sich beständig selbst belügen musste.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
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